Gemeinsam gegen den „Frevel“

200 Demonstranten protestieren beim Ostermarsch gegen Fracking

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Von den Berufsbildenden Schulen aus marschierten die Demonstranten in die Rotenburger Innenstadt.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. „Fracken ist Frevel“, „Exxon vergiftet unseren Lebensraum“, „Sauberes Trinkwasser ist das Lebensmittel Nr. 1“, „Krebskrank und leichenblass“, „Korruption, nein danke. Bei uns läuft alles wie geschmiert“: Die Teilnehmer des Ostermarsches gegen Fracking am Sonnabend in Rotenburg haben deutliche Worte in Richtung der Förderunternehmen gefunden.

Über drei Kilometer waren sie vor der Kundgebung auf dem Neuen Markt in der Kreisstadt für ihre Sache unterwegs gewesen. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl auf etwa 200.

Bürgerinitiativen aus fünf Landkreisen und Bremen baten zum Marsch

Organisiert hatten den zweistündigen Ostermarsch und die Kundgebung ein Bündnis aus Bürgerinitiativen (BI) der Landkreise Rotenburg, Heidekreis, Verden, Nienburg, Ostfriesland und Bremen. Dazu kamen Bürger aus dem Kreis Rotenburg, insbesondere aus den Gegenden, wo es Gasförderanlagen, Fracking- und Versenkbohrstellen gibt. Sie richteten ihre Vermutungen, Warnungen und Vorwürfe an die Adresse der Erdgasförderindustrie und die Politiker.

Organisator Jochen Richert (M.) im Gespräch mit einem Polizeibeamten. Die Ordnungshüter regelten den Verkehr problemlos.

Jochen Richert von der BI gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg, in dessen Händen die Organisationsleitung und Moderation lag: „Wir protestieren gegen die vollkommen unbefriedigende Fracking-Gesetzgebung und gegen die von Exxon in Bellen geplante Reststoffverwertungsanlage. Die zentrale Verpressung in Bellen lässt darauf schließen, dass der Landkreis Rotenburg zur größten Giftmülldeponie Norddeutschlands wird.“ Hinzu komme der seiner Meinung nach unzulängliche Erörterungstermin anfang des Monats in der Mehrzweckhalle in Hemsbünde sowie die unzureichende Untersuchung der aufgetretenen Krebsfälle im Landkreis. „Dies alles macht die Menschen wütend und betroffen“, so Richert.

Vorwurf der BI: Politik gebe nur Lippenbekenntnisse ab

Sein Mitstreiter Wilfried Wildeboer von BI Frackloses Gasbohren machte sich vor allem Sorgen um die Rotenburger Rinne. Die Politik würde zu ihrem Schutz nur Lippenbekenntnisse abgeben. „Im Gesetz sind die Vorranggebiete für Trinkwassergewinnung nicht geschützt“, monierte er. Zum Beispiel liege die Anlage Bötersen Z11 innerhalb der Rotenburger Rinne, und da solle 2,8 Kilometer horizontal gebohrt und gefrackt werden. „Das muss zum Schutz unseres Trinkwassers verhindert werden.“

Zu den Hauptrednern gehörte der Arzt Dr. Christoph Dembowski aus Rotenburg, der für die Regionalgruppe „Ärzte gegen Atomkrieg – Ärzte in sozialer Verantwortung“ sprach und drei Forderungen artikulierte, darunter die an diesem Nachmittag häufiger angesprochene unabhängige Ursachenforschung der erhöhten Krebszahlen. „Dazu müssen seitens der Regierung genügend finanzielle Mittel und Personal bereitgestellt werden“, so Dembowski. Alle Bohrstellen müssten zudem messtechnisch überwacht werden. „Nicht von Exxon in Eigenregie, sondern durch gut ausgebildete und finanziell ausreichend ausgestattete staatliche Strukturen“, sagte der Mediziner. Als dritte Forderung formulierte Dembowski, „dass der bagatellisierende Umgang mit Schadstoffen endlich aufhört“.

Leefers dankt Kritikern für ihr Engagement

Sorgen aufgrund der erhöhten Krebsraten äußerten zudem zahlreiche Bürger, zum Beispiel Ivo Buchholz aus Bothel und Friedhard Voß aus Moordorf. Voß, der zur IG Wiedau gehört: „Besonders die Menschen, die den gesamten Alltag in ihrem Wohnort zubringen, sind offenbar besonders betroffen.“

Miriam Staudte, Grünen-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Lüchow-Dannenberg und Sprecherin ihrer Partei für Atompolitik, Tierschutz und Verbraucherschutz, sprach im Zusammenhang mit Fracking von einer kalkulierten Irreführung. Den niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete sie als „Sunnyboy der Erdgasindustrie“. Deutschland, so die Politikerin weiter, müsse bei der erneuerbaren Energie weiterhin Vorreiter sein.

Ebenfalls ans Rednerpult ging mit Hartmut Leefers (CDU) der Vorsitzender des Arbeitskreises Erdgas-Erdöl des Rotenburger Kreistages. „Ich habe es den Kritikern zu verdanken, dass mir die Augen geöffnet wurden“, sagte dieser. „In Trinkwasserschutzgebieten darf nicht gefrackt werden. Das Erdgas muss dort gelassen werden, wo es hingehört.“

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