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Gemeinsam gegen Demenz

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Von: Tom Gath

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Olaf Abraham, Astrid Schwarze-Bruns und Thomas Lichte (v.l.) setzen sich für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen ein.
Olaf Abraham, Astrid Schwarze-Bruns und Thomas Lichte (v.l.) setzen sich für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen ein. © Gath

Immer mehr Menschen leiden an Demenz. Ein Rotenburger Verein unterstützt Betroffene und Angehörige. Am 22. September gibt es viele Infos auf dem Pferdemarkt.

Rotenburg – Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Was die einzelnen Familien als Glück empfinden, stellt die Gesamtgesellschaft vor große Herausforderungen. Denn auch altersbedingte Krankheiten wie Demenz breiten sich rasant aus, wie Olaf Abraham vom Rotenburger Demenznetz weiß: „Durch den demografischen Wandel haben wir in Deutschland jedes Jahr rund 250 000 demenzielle Neuerkrankungen.

Wir müssen uns dringend fragen, was das für uns bedeutet und wie wir damit umgehen.“ Um diese Fragen mit den Rotenburgern zu diskutieren, veranstaltet das Demenznetz am Donnerstag, 22. September, von 13 bis 17 Uhr einen Informationstag auf dem Rotenburger Pferdemarkt.

Vorträge, Beratung und Bücherstand

In einem großen Zelt erwarten die Besucher stündlich drei Kurzvorträge zu Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und psychosozialen Aspekten der Krankheit. Es gibt die Gelegenheit zur individuellen Beratung und viel Informationsmaterial, zum Beispiel an einem Bücherstand der Buchhandlung Müller. Darüber hinaus stellen sich auch die Kooperationspartner des Netzwerks vor – ambulante Pflegedienste, stationäre Einrichtungen des Diakonieklinikums, Altenheime, die Rotenburger Werke und Demenzexperten, die mittlerweile alle gut zusammenarbeiten.

Einerseits sollen so die Angebote vom Demenznetz bekannter werden. Viel wichtiger ist den Veranstaltern aber, Gesicht zu zeigen, um so Hemmschwellen abzubauen. Denn das Thema Scham sei ein Riesenproblem, berichtet Abraham: „Es fällt vielen sehr schwer, einen Umgang damit zu finden, wenn der Partner oder Papa sich verändert. Plötzlich ist der Vater nicht mehr Vorbild, sondern bekleckert sein Hemd. Darüber muss unbedingt geredet werden, denn wir machen immer wieder die Erfahrung, wie entlastend das Sprechen für Angehörige ist.“

Über die Krankheit sprechen

Seit fünf Jahren unterstützt das Netzwerk Demenzerkrankte und ihre Angehörigen. Die monatlich angebotenen Gesprächskreise werden sehr gut angenommen und helfen dabei, mit einem weiteren großen Thema umzugehen: die Angst der Erkrankten vor Autonomieverlust, aber auch die Angst von Freunden und Verwandten vor veränderten Beziehungen und Rollenverteilungen. Die Betroffenen würden die Veränderungen eigentlich immer merken, erklärt Demenznetz-Mitglied Astrid Schwarze-Bruns. Um selbstständig zu bleiben, verdrängen sie diese Erfahrung aber häufig, was den Umgang für Angehörige zusätzlich erschwert.

Wenn sich ältere Leute plötzlich zurückziehen oder ihr äußeres Erscheinungsbild verändern, könnten dies Hinweise auf eine demenzielle Erkrankung sein. Damit Erkrankten effektiv geholfen werden kann, ist gegenseitiges Vertrauen unabdingbar. Deshalb gibt es beim Demenznetz auch viele Tipps für einen sensiblen Umgang mit potenziell Betroffenen, auch wenn es noch keine endgültige Diagnose gibt. „Alle Beteiligten müssen sich erst einmal in die Situation reinfühlen. Zu unseren Gesprächskreisen können alle kommen. Niedrigschwelligkeit ist dabei das wichtigste Ziel“, erklärt Thomas Lichte, Vorstandsmitglied vom Demenznetz.

Tanzangebot soll wieder starten

Die Pandemie hat die Aktivitäten des Netzwerks jedoch völlig ausgebremst. Das Ziel des Vereins, Begegnung zu schaffen, war plötzlich nicht mehr möglich. Viele Einrichtungen der Tagespflege waren ebenfalls geschlossen. Die Angehörigen konnten nicht entlastet werden und viele Erkrankte sind vereinsamt. Neben Medikamenten ist der soziale Austausch das wichtigste Mittel, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. „Ganz furchtbar“ sei diese Zeit laut Abraham gewesen. Langsam kommen die Angebote des Vereins aber wieder in Gang und auch das Tanzangebot soll bald wieder aufgenommen werden. Angehörige und demenziell Erkrankte können hier gemeinsame Nähe und Bewegung erfahren und so positive Erlebnisse abseits des oft anstrengenden Alltags teilen.

Darüber hinaus ist zukünftig die Einrichtung einer Anlaufstelle für Erstberatungen geplant. Der Verein will auch die Beratungsangebote in den Einrichtungen weiter ausbauen. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis funktioniere gut, dennoch soll die Politik insgesamt noch stärker eingebunden werden.

Interaktive Karte für Betroffene

Auf der Homepage des Vereins www.rotenburger-demenznetz.de steht eine interaktive Karte zur Verfügung. Dort können sich Betroffene und Angehörige einen Überblick über passende Hilfs-, Betreuungs- und Beratungsangebote im Südkreis verschaffen. Zukünftig sollen auch Angebote aus dem Nordkreis integriert werden.

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