Gemeinsam etwas bewegen

„One Billion Rising“: Tanzen gegen Gewalt an Frauen

Mit der typischen Handbewegung von „One Billion Rising“ stimmen sich die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Katja Weße (l.), und der Stadt, Kerstin Blome, auf die Veranstaltung ein. Foto: Beims
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Mit der typischen Handbewegung von „One Billion Rising“ stimmen sich die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Katja Weße (l.), und der Stadt, Kerstin Blome, auf die Veranstaltung ein.

Rotenburg - Obwohl die Aufklärung zunehmend besser und breiter gefächert ist, ist Gewalt insbesondere gegen Frauen und Mädchen noch immer ein großes Thema. Allein im Landkreis Rotenburg hat es im vergangenen Jahr 316 Fälle häuslicher Gewalt gegeben, die die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) sowie das Frauenhaus des Landkreises bearbeitet haben – und das sind nur die gemeldeten. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, solidarisieren sich am kommenden Freitag weltweit Frauen, um ein öffentliches Zeichen, auch für Gleichstellung, zu setzen. Die Kreisstadt macht bei „One Billion Rising“ ebenfalls mit, erstmals arbeiten die beiden Gleichstellungsbeauftragten Katja Weße (Landkreis) und Kerstin Blome (Stadt Rotenburg) dafür zusammen. „Wir haben unsere Kräfte gebündelt“, erklärt Weße.

Um 15 Uhr treffen sich alle Interessierten – ausdrücklich sind dazu auch Jungen und Männer eingeladen – zum Tanzen auf dem Pferdemarkt vor dem Rathaus. Weße und Blome wollen die Protestaktion ins Zeichen der „Me too“-Debatte setzen, bei der betroffene Frauen dazu aufgefordert sind, gemeinsam auf das Ausmaß sexueller Belästigung, entsprechende Übergriffe und die Folgen dessen aufmerksam zu machen. Denn die offiziellen Zahlen seien erschreckend – und die Dunkelziffer groß. Eine Umfrage 2004 habe ergeben, dass rund die Hälfte aller Frauen in Deutschland schon einmal sexuelle Belästigung erlebt habe. „Die Zahlen sind nicht unerheblich“, sagt Blome. Insgesamt 81 Prozent der befragten Jugendlichen seien in irgendeiner Form in Kontakt mit sexueller Gewalt gekommen – entweder hatten sie davon gehört, sie gesehen oder sie waren daran beteiligt, als Opfer oder Täter. Dabei werden bislang nur etwa fünf bis 15 Prozent der Straftaten angezeigt, auch die Verurteilungsquote sei „erschreckend gering“, meint Blome.

Auch komme durch die sozialen Medien noch einmal eine neue Qualität hinzu, merkt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) an. Im Rathaus seien die Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert, können auch mal jemanden, der auffällig wird, vorsichtig darauf ansprechen und Hilfe anbieten. Denn es seien nicht nur direkte, körperliche Auseinandersetzungen, sondern beispielsweise Fotos, die über das Internet schnell überall landen können oder Verabredungen via Chats, die ein unschönes Ende nehmen. „Eine hohe Anzeigebereitschaft ist daher wichtig, um da entgegenzuwirken“, so Weber.

Die beiden Gleichstellungsbeauftragten haben für den Nachmittag ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, mit dem sie das Thema in den Fokus rücken wollen. Seit 2012 gibt es die Aktion, ebenso lange ist Rotenburg bereits dabei. Getanzt wird eine Choreografie zum „One Billion Rising“-Lied „Break The Chain“ unter der Leitung von Marsha Weseloh. Zur Begrüßung stehen Sekt und nicht-alkoholische Getränke bereit.

Auch verschiedene Partner konnten die beiden Gleichstellungsbeauftragten mit ins Boot holen: So führt die Aerobicgruppe des TuS Rotenburg etwas vor, die Bläserklasse des Ratsgymnasiums spielt drei Stücke, und das Balettstudio Güttel ist mit seiner Hip-Hop-Mädchengruppe ebenfalls vor Ort. Auch die Dezibells sind mit von der Partie, wollen mit ihren Trommeln „ordentlich einheizen“, so Weße. „Es ist eine andere Form der Demonstration“, erklärt Weber. Auch er will mittanzen, denn es sei „eine tolle Erfahrung und etwas für alle, die gegen Gewalt eintreten wollen“.

Die Hoffnung der „One Billion Rising“-Initiatoren sei es, dass insgesamt eine Milliarde Menschen aufstehen und tanzen, sich bewegen und erheben, um zu protestieren. „Die eine Milliarde deutet auf eine UN-Statistik hin, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird“, heißt es auf der Internetseite zur weltweiten Kampagne. „Es ist ein schweres Thema, daher bin ich froh, darauf mit einer Aktion, die etwas leichter ist, aufmerksam zu machen“, sagt Blome.

Hilfe und Beratung bei Gewalt gegen Frauen

Für Mädchen und Frauen, die sich in einer Notlage befinden, stehen im Landkreis Rotenburg und auch bundesweit mehrere Anlaufstellen zur Verfügung:

. Das Hilfetelefon gegen Gewalt gegen Frauen (0800 / 0116016);

.  Wildwasser Rotenburg an der Bahnhofstraße 1, Telefon: 04261 / 2525;

.  Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) in Zeven, Mückenburg 26, Telefon: 04281 / 9836060;

. Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes (bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz), Telefon: 030 / 185551855.

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