Kammerorchester der Kreismusikschule begeht 35sten Geburtstag mit Konzert

Gemander macht gute Stimmung

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Antonia Borgas (l.) an der Geige zeigte wie alle Solisten des ersten Teils überzeugende Leistungen. Mehr als zwei Dutzend Jugendliche halten Birgit Gemander (r.) die Treue.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Hat der Bogen die richtige Spannung? Sind die Hände vor lauter Lampenfieber nicht zu schwitzig? Die Anspannung und lange Vorbereitung des Konzertes des Kammerorchesters der Kreismusikschule konnten die Zuschauer am Freitagnachmittag nur erahnen – so professionell der Auf- und Abgang, das Verbeugen und vor allem die Souveränität im Vortrag, so geschniegelt die Vortragenden in Anzug, im langem Schwarzen und High Heels.

Nur das „High Five“-Abklatschen eines der Geigen-Solisten mit den ausnahmslos einfühlsamen Begleitungen am Piano verriet: Hier musizieren Schüler – und das auf hohem Niveau.

Gute Etikette und gute Stimmung

Leiterin Birgit Gemander achtet auf gute Etikette und Stimmung – und das nicht nur im übertragenen Sinn. Immer wieder legte sie vor den Soloauftritten einiger Schüler ihrer Violinklasse selbst Hand an. So gerieten die klassischen Stücke von Elgar über Händel bis zu Dvorak (souverän und mit schönen Spannungsbögen trotz vertrackter Rhythmik: Antonia Borgas) zum Genuss.

Im zweiten Teil zeigte das Kammerorchester, dass Beständigkeit sich auszahlt. Das galt nicht nur fürs Üben – einige Mitglieder halten dem Ensemble seit vielen Jahren die Treue, allen voran Simon Herrmann mit zehn Jahren Mitgliedschaft –-, sondern auch für das Bestehen des Orchsters überhaupt, „auch durch Durstphasen“, wie Gerd Lueken in seinen einführenden Worten als Vertreter der Kreismusikschule anerkennend anmerkte. Der Einsatz der Akteure im Alter von neun bis 20 Jahren ließ sich hören: Nicht nur beim dem Anlass angemessen feierlichen „Royal Firework“ von Händel, Smetanas „Bohemian Fair“ oder der „Fandarole“ von Bizet, sondern vor allem beim ersten Satz von Mozarts Klavierkonzerts A-Dur. Ein wahrer Glücksfall, nicht nur für die Zuhörer, sondern sowohl für das Orchester, mit Michael Huang spielen zu dürfen, der hier in jüngster Zeit nicht zum ersten Mal brillierte. Und auch für den jungen Vorzeige-Pianisten selbst war der Auftritt mit einem so klangstarken Orchester offensichtlich ein erfüllendes Erlebnis.

Fast schade, dass seine Solo-Parts in dem einzigen kontemporären Stück, Yirumas „River flows in You“ (ein Ohrwurm für Fans der „Twilight“-Saga) in der schwelgerischen Orchesterfassung untergingen. Dem Gesamteindruck tat dies indessen kaum Abbruch – und die Tatsache, dass einige der Akteure es sich nicht hatten nehmen lassen, trotz vier- bis sechsstündiger Abiturklausuren noch am Vormittag nur Stunden später beim Geburtstagskonzert dabei zu sein, zeigt: Beim Kammerorchester stimmt gute Ton.

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