Kriminelle nutzen Corona-Krise: Polizei warnt vor Betrügern

Gelegenheit macht Diebe

Ärgerlich ist es für Vereine, wenn in ihre jetzt leerstehenden Räume eingebrochen wird. Foto: dpa/Maurer

Rotenburg/Fintel – In den vergangenen Tagen hat es wiederholt Einbrüche gegeben: Die Polizei berichtete von Tätern, die sich Zutritt zu Lagerhallen, Vereinsheimen und Verwaltungsgebäuden verschafft hatten. Sie ereigneten sich in Rotenburg und im Bereich der Samtgemeinde Fintel.

Die Vorfälle seien getrennt voneinander zu betrachten, erklärt Polizeisprecher Heiner van der Werp. Denn für mehrere Taten in Rotenburg hätten die Beamten bereits einen mutmaßlichen Täter ermittelt. Ein 21-jähriger Mann aus Waffensen sei nicht nur viermal in die Räume des Motorradclub Rotenburg eingedrungen, sondern auch in die Küche des Rotenburger Rathauses sowie in die Zulassungsstelle des Landkreises. „Der Mann ist polizeibekannt“, erklärt van der Werp und ergänzt, dass dies auch für seine möglichen Mitstreiter gelte, die wie der 21-Jährige ebenfalls in einer Einrichtung an der Straße Kesselhofkamp in Waffensen wohnen. Oft hatte der Einbrecher es auf Essen abgesehen, berichtet Jasmin Elfers, Sprecherin des Motorradclubs: „Zunächst hat er viele Lebensmittel mitgenommen.“ Einmal habe er sich gar etwas gekocht. Auch im Rathaus fehlten nach der Tat Lebensmittel in der Küche, die die Polizei später in der Wohnung des jungen Tatverdächtigen gefunden habe.

Besonders ärgerlich für den Motorradclub sei aber, schildert Elfers, dass der Täter viel kaputt gemacht hätte. Das gilt auch für die beiden Fälle im Rathaus und der Zulassungsstelle, wo der Tatverdächtige mit einem Rinnsteindeckel die Verglasung der Eingangstüren eingeworfen habe.

Der Motorradclub hilft sich nun mit regelmäßigen Kontrollfahrten, und auch die Polizei sehe regelmäßig nach dem Rechten. „Das beruhigt schon“, meint Elfers. Insgesamt bleibe aber ein ungutes Gefühl. Die Vereinsmitglieder hätten daher sicherheitshalber auch schon alle Wertgegenstände und Papiere aus den Vereinsräumen entfernt.

Das legt Polizeisprecher van der Werp auch allen anderen Vereinen und Geschäftsleuten nahe, die derzeit ihre Räume wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus schließen müssen. In der Samtgemeinde Fintel hatte es in der vergangenen Woche gleich zwei solcher Fälle gegeben. In dieser Mini-Serie habe die Polizei bislang noch keine Anhaltspunkte auf die Täter, gleichwohl bestehe durchaus die Gefahr, dass sich Einbrüche wie diese häuften. „Die Täter sehen eine Chance, weil diese Gebäude derzeit ungenutzt sind“, meint van der Werp. Absicherungsmaßnahmen wie das Installieren von Kameras seien ebenfalls möglich. „Die dürften aber momentan schwer zu bekommen sein“, gibt van der Werp zu bedenken.

Kriminelle nutzten die derzeitige Situation, die bei vielen Bürgern auch Ängste auslösten, aus. So sei „eine besonders niederträchtige Betrugsmasche in den letzten Tagen mehrfach im Bundesgebiet festgestellt“ worden, erklärt van der Werp. Unbekannte rufen demnach bei Senioren an und geben sich als mit dem Coronavirus infizierte Angehörige aus. Angeblich benötigten sie finanzielle Unterstützung für die teure Behandlung oder Verpflegung während der Quarantäne. „Es wird vereinbart, dass in Kürze jemand vorbeikommt, um das Geld in Empfang zu nehmen. Es erscheinen dann fremde Personen an der Haustür, um Geld und/oder Wertsachen abzuholen“, erläutert der Polizeisprecher das Vorgehen. Um solche Betrugsversuche zu entlarven, böten sich daher eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen an. Wertsachen oder Geld sollten nicht an unbekannte Personen übergeben werden. Am Telefon sollte der Angerufene misstrauisch werden, wenn sich die Person am anderen Ende der Leitung nicht mit Namen meldet, und es sollten keine persönlichen Details preisgegeben werden. Wer einen betrügerischen Anruf bekommen hat, soll sich direkt an die Polizei wenden, betont van der Werp.

Eine weitere Gefahr stellten Einschleichdiebe dar, die sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben. Sie behaupteten, dass der Bewohner sich mit dem Coronavirus angesteckt habe und nun „weitere Untersuchungen“ durchgeführt oder die Wohnung desinfiziert werden müsste. Es gebe auch Fälle, in denen die getarnten Diebe einen Corona-Test machen wollen. Ziel der Täter sei immer, in die Wohnung zu gelangen. Daher mahnt van der Werp auch hier zur Vorsicht: Bewohner sollten sich genau vergewissern, wer vor ihrer Tür steht. Wer Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen möchte, dem empfiehlt die Polizei, diese Angebote mit Bedacht auszuwählen, etwa über Institutionen wie Kirche, Gemeinde oder DRK. Übergaben sollten dann vor der Haustür ablaufen. Während diese derartige Betrugsversuche aus anderen Polizeiinspektionen bekannt seien, gebe es in Rotenburg bislang keine Fälle.

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