Gericht verhängt Geldstrafe

46-Jähriger bedroht Psychiatrie-Arzt

Außenansicht des Landgerichts Verden
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Ob das Urteil des Verdener Landgerichts das letzte Wort in dieser strittigen Sache war, ist sehr fraglich.

Rotenburg/Verden – Immer wieder ist ein Assistenzarzt der Psychiatrie in Rotenburg von dem Ehemann einer Patientin bedroht und bedrängt worden, der mit der Behandlung in der Klinik unzufrieden war. Schließlich erwirkte der 33 Jahre alte Arzt Anfang Februar 2020 eine Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz. Doch auch diese stoppte den 46 Jahre alten Angeklagten nicht. Wegen zwei Verstößen gegen die Verfügung wurde der Rotenburger nun zu 1 200 Euro Geldstrafe verurteilt.

Zunächst vom Amtsgericht Rotenburg, doch das Urteil wurde von dem Angeklagten angefochten. So kam es zu einer Berufungsverhandlung am Landgericht Verden. Dort ist seine Berufung verworfen worden. Rechtskräftig ist aber auch dieses zweite Urteil noch nicht. Schuldig gesprochen wurde der zuletzt im Sicherheitsdienst tätige Mann wegen zwei Vergehen. Am 18. Februar 2020 und damit zwölf Tage nach Zustellung der Verfügung habe er den Geschädigten in einem Zug gegen einen Handlauf gedrückt. Nur vier Tage später in einer Unterführung des Hamburger Hauptbahnhofs habe er sich dem Arzt auf eine Armlänge genähert und gedroht: „Wir kriegen dich!“ Mit der Verfügung war ihm untersagt worden, Verbindung zum Antragsteller aufzunehmen. Bei zufälligen Zusammentreffen hätte er sich sofort entfernen müssen.

Vorausgegangen waren dem Ganzen mehrere derartiger Begegnungen. Begonnen habe alles zwei Wochen nach Übernahme der Behandlung, schilderte der Arzt. Morgens nach einem Nachtdienst habe der Angeklagte ihn am Rotenburger Bahnhof gesehen. „Er wurde drohend. Er würde mir antun, was seiner Frau angetan werde.“

Am Folgetag habe der Angeklagte wieder am Bahnhof auf ihn gewartet. Er sei sich mit dem Finger quer über den Hals gefahren und habe die Zähne gefletscht. Immer wieder habe der Angeklagte dann morgens mit einem Kaffee dort gestanden. Ein anderes Mal habe er ihn bei den Fahrrädern abgefangen. Anlass für die Verfügung sei die Drohung gewesen: „Ich schlag dir morgen die Zähne ein.“

Im November, nach Ablauf der Verfügung, habe es noch einen Anruf bei ihm zu Hause in Hamburg gegeben. „Wir kommen heute oder morgen vorbei und reißen dir den Kopf ab.“ Die Stimme des Angeklagten habe er eindeutig erkannt. Seitdem sei Ruhe eingekehrt. Das sei es, was er sich wünsche, so der Zeuge, der infolge der Geschehnisse arbeitsunfähig war und bei seiner Aussage vor der 6. Kleine Strafkammer des Landgerichts um Fassung ringen musste. Der Verteidiger des 46-Jährigen beantragte einen Freispruch und begründete dies einzig mit einem Formfehler bei der Zustellung der Verfügung. Zu den Vorwürfen äußerten sich der Anwalt und sein Mandant nicht. „Ich habe nur einem Opfer geholfen“, sagte der Angeklagte in seinem „letzten Wort“ und warf der Klinik Freiheitsberaubung vor. Es werde etwas „unter den Tisch gekehrt“. Zum Bundesgerichtshof und zu Bundestagsabgeordneten habe er Kontakt aufgenommen. Was er der Klinik konkret vorwirft, blieb in dem Prozess offen.

Der Geschädigte habe in seiner Aussage keinen Belastungseifer gezeigt, hieß es in der Urteilsbegründung. „Es war eine sehr überzeugende Aussage“, so die Vorsitzende Richterin Petra Simon. Sie zeigte Verständnis für den Frust des Angeklagten und dass er sich „komplett hilflos“ fühle. „Es gibt ihnen aber nicht das Recht jemandem Angst einzujagen und gegen die Verfügung zu verstoßen“, betonte sie. Schimpfend verließ der uneinsichtige Angeklagte am Ende der Sitzung den Saal: „Es ist traurig, dass alle weggucken.“

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