„Die Opferrolle hat irgendwann ausgedient“

AfD wird zum Prüffall: Wie geht die Partei vor Ort damit um?

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Der Verfassungsschutz nimmt die AfD etwas genauer unter die Lupe.

Rotenburg - von Guido Menker. Die AfD wird zum Prüffall. Sie rückt ins Visier des Verfassungsschutzes. Parteichef Alexander Gauland kündigt juristische Schritte an. Die Co-Fraktionsvorsitzende im Bundestag spricht von „Wettbewerbsverzerrung im politischen Wettbewerb“. Und wie geht die AfD hier vor Ort mit der Nachricht um? Wir haben nachgefragt.

„Die Nachricht nehme ich gelassen auf. Es wird geprüft, ob eine Beobachtung der Partei nötig ist. Das dauert seine Zeit und kann für uns auch positiv ausgehen“, meint der AfD-Kreisvorsitzende Matthias Kröger. Für Freitagabend stehe eine Vorstandssitzung auf dem Programm. Kröger: „Dort werde ich das Thema auf die Tagesordnung setzen.“ Die Mitglieder diskutierten das Thema innerhalb ihrer Gruppen und Foren. Vom Landesvorstand selbst sei allerdings keine Reaktion bei ihm angekommen. Ein Zeitpunkt, um Konsequenzen zu ziehen, ist für ihn nicht gekommen. „Die AfD ist eine Partei, die mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Davon bin ich überzeugt, und zumindest mein Kreisverband wird diesen Boden nicht verlassen.“ Man werde seinen Beitrag leisten, damit dem Verfassungsschutz kein unnötiger Anlass für eine Beobachtung gegeben wird. Kröger: „Das können wir aber nur innerhalb der Partei leisten.“ 

„Ich gehe ziemlich locker damit um“

Und er fügt auf Anfrage unserer Redaktion hin: „Die Opferrolle hat irgendwann ausgedient.“ Die AfD müsse sich viel mehr auch offensiv mit ihren Problemen auseinandersetzen und anfangen, Lösungen anzubieten. „Das findet aus meiner Sicht aber nur hintergründig statt.“

Die AfD war bei der vergangenen Kommunalwahl mit drei Kandidaten in den Kreistag eingezogen - Karsten Hoffmann und Rainer Sommermann sind im Dezember 2017 aus der AfD ausgetreten, sitzen seitdem als Alternative für Rotenburg (AfR) im Kreistag. Kröger bleibt der AfD treu: „Für mich sehe ich derzeit keinen Grund, die Partei zu verlassen. Im Gegenteil. Bei den nächsten Vorstandswahlen werde ich erneut für eine Position im Vorstand kandidieren.“

Auch Thomas Ossadnik, AfD-Vertreter im Rotenburger Stadtrat, bleibt gelassen. „Ich gehe ziemlich locker damit um“, erklärt er zu der Ankündigung des Verfassungsschutzes. Auch er spricht von einer „politischen Entscheidung“, um die AfD „klein zu halten“, weist es aber von sich, jetzt in die Opferrolle zu schlüpfen. „Ein Opfer setzt eine Tat und einen Täter voraus.“ Persönliche Konsequenzen werde er aus der aktuellen Entwicklung nicht ziehen: „Ich bestreite mein Amt weiter und bewege mich moderat und vernünftig.“

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