Stadt Rotenburg verleiht zum 15. Mal den Umweltschutzpreis

Es geht um mehr als nur Geld

Bei den Privatpersonen gewinnt die Wohngemeinschaft Mühlenstraße 29a den Rotenburger Umweltschutzpreis, den Andreas Weber (r.) überreicht. Das Projekt „LebensArt“ unternimmt viel in der Gemeinschaft, um die Umwelt zu schonen. Fotos: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Auf der Leinwand ist das Bild einer Blumenwiese zu sehen. Zum Auftakt gibt es Musik zum Mitklatschen von der Ukulelengruppe, die noch so neu ist, dass sie keinen Namen hat. Die Laune könnte kaum besser sein im Rotenburger Ratssaal, wo Bürgermeister Andreas Weber (SPD) an diesem Dienstagabend zusammen mit der Leiterin des Umweltschutzbüros, Andrea Rieß, zum 15. Mal den Rotenburger Umweltschutzpreis verleiht. Aber es sollten auch ein paar Tränen fließen – allerdings aus purer Freude.

Es geht um 2 500 Euro – doch eigentlich um sehr viel mehr. Im Fokus stehen Projekte und Initiativen, die der Umwelt dienen. Wer aus diesem Wettbewerb als Gewinner hervorgeht, entscheidet eine Jury. Ökologische Wertigkeit, Vorbild- und Signalcharakter sowie der persönliche Einsatz sind die Kriterien, die als Grundlage für die Preisvergabe dienen. 20 Bewerbungen und Vorschläge sind im Rathaus eingegangen. „Ein tolles Ergebnis“, sagt Weber, ehe es losgehen kann. Rund 100 Gäste sind im Ratssaal mit von der Partie – und sehr gespannt.

Vereine / Institutionen

Am Ende jubelt in der Kategorie Vereine und Institutionen der Rotenburger Verein Simbav. 500 Euro gibt es für die Vereinskasse. Mit seinen sieben Standorten sorgt er für wohnortnahe Angebote. In allen drei Familienforen bietet Simbav Waldgruppen an, um Kindern und Eltern die Natur näher zu bringen, man verzichtet auf Einwegmaterial, wo immer es möglich ist, der Verein kauft regional ein und vermeidet Müll von Fertigkost und betreibt Stillförderung sowie das Kochen von eigener Babynahrung. Das Spielzeug für die Gruppen ist vorzugsweise aus Holz, Materialien werden unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit verwendet und möglichst vor Ort gekauft. Es gibt Müllsammelaktionen, und der Verein setzt auf Weiterverwertung – bei Kleidung, Schuhen, Kinderbetten und Spielen. Was nicht gebraucht wird, geht nach Rumänien oder Tschernobyl. Simbav-Chefin Antje Jäger fragt: „Gibt es eine bessere Zielgruppe für den Erhalt unserer Ressourcen als Eltern mit ihren Kindern?“

Platz zwei in dieser Kategorie geht an die Initiative für Ernährungssouveränität mit der „Regio Challenge – Iss, was um die Ecke wächst“. Dahinter steckt ein Zusammenschluss der Rotenburger Umweltgruppen Sambucus, Hof Grafel, Bioland, Ackern & Rackern, BUND sowie Nabu. Die Teilnehmer der Challenge essen und trinken eine Woche lang (fast) nur das, was die Region hergibt. Die Jury lobt Vorbild- und Signalcharakter sowie das Engagement. Der Lohn: 300 Euro.

Auf Rang drei landet der Bürgerbus-Verein Rotenburg, der seit 2012 hilft, den Verkehr, den CO2-Ausstoß und Lärm zu reduzieren.

Firmen

Die Mulmshorner Firma Snoek Naturprodukte liefert der Jury die einzige Bewerbung in dieser Kategorie – und bekommt 300 Euro. Das Unternehmen hat ein rückstandslos abbaubares Insektizid auf Wasserbasis entwickelt, mit der Landwirten und Großverbrauchern eine chemiefreie Alternative geboten werde. Für Verpackungen nutzt Snoek Papier statt Plastik.

Kindergärten / Schulen

Auch in dieser Kategorie lag nur ein Vorschlag vor. Der mit 100 Euro dotierte Preis geht an die „Untersteder Strolche“. Die Jury würdigt den Bau von Nisthilfen für Wildbienen und Ohrenkneifer für den Unterstedter Spieker, die Streuobstwiese am Schafstall sowie die Umgebung des Kindergartens.

Privatpersonen

Platz eins in dieser Kategorie geht an die Wohngemeinschaft Mühlenstraße 29a mit dem Mehrgenerationen-Projekt „LebensArt“. Das Haus mit dem KfW-Standard 40 Plus weist neben dem Stromanschluss keinen Primärenergieträger-Anschluss auf. Hinterm Haus ist eine ökologisch umgewandelte Wiese, man betreibt Urban Farming (Bienenzucht, Schafe und bald Hühner). Die Bewohner teilen sich Ressourcen und haben Habitate für Reptilien und Vögel aufgebaut.

Platz zwei geht an die 83-jährige Adelgunde Eichel, die aus einem großen Rasenstück eine Blumenwiese gemacht hat. Sie bekommt 200 Euro und ist zu Tränen gerührt. Armin Ortlam freut sich über Rang drei und 100 Euro. Gewürdigt wird sein energieautarkes Haus.

Neben der Ukulelengruppe unterhält an diesem Abend auch die Stimmbande die Gäste musikalisch. Herauszuheben ist noch Andrea Rieß. Sie war als Organisatorin selbst nominiert, ist aber nicht berechtigt, dabei zusein. Sie bekommt allerdings Blumen und einen Applaus. Und auch Jarla Meyer verzückt an diesem Abend die Gäste: Die Zehnjährige erhält 50 Euro. Sie hat aus 100 Quadratmetern Rasen eine Blumenwiese gemacht. Und: Sie zieht den Namen ihres Opas aus dem Lostopf, in dem alle sind, die Vorschläge eingereicht haben. Er bekommt vier Rotenburger Zehner.

Sonderpreis

Der Sonderpreis geht an Rolf Ludwig für sein persönliches und finanzielles Engagement zur Umwandlung des Grand-Sportplatzes in einen Winterrasenplatz und die damit verbundene Verhinderung eines Kunstrasenplatzes, heißt es in der Laudatio. Ludwig hat Tränen in den Augen: „Ich habe das von Herzen gemacht.“

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