Rotenburger feiern Namensgebung für ihren Konzertsaal mit den „ElphCellisten“ aus Hamburg

Und ab geht die „Luci“

Gründungsmitglied Dr. Friedrich Otten berichtete aus Zeiten Lucia Schäfers.

Rotenburg - Einen Empfang plus Konzert mit den elf Cellisten des Elbphilharmonie-Orchesters Hamburg gab am Sonnabend der Verein Rotenburger Konzerte in der Aula der Realschule. Viele Gäste waren der Einladung zu einer offiziellen Namensgebung des Saales gefolgt. Den Rotenburgern war offenbar noch gar nicht bewusst, dass ihre Stadt einen echten Konzertsaal hat – und das seit bereits 50 Jahren. Erst der Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Hahne, musste die Besucher an diesem Abend darauf aufmerksam machen.

So sei es Lucia Schäfer (1889-1976), die die Rotenburger Konzertgemeinde im Jahr 1950 gegründet hatte, zu verdanken gewesen, dass die Stadt ihren Konzertsaal bekam. „Mit dem Bau der neuen Realschule in der Ahe im Jahre 1968 wurde auch eine Aula realisiert, die tatsächlich nicht nur zufällig eine gute Akustik für Kammermusik bietet“, erklärte Hahne. Sie sei vielmehr von Anfang an als Konzertsaal konzipiert gewesen.

Ein halbes Jahrhundert nach Fertigstellung des Schulgebäudes hatten sich nun 428 Menschen (Bürgermeister Andreas Weber hatte sie offenbar alle gezählt) versammelt, um dem Saal endlich einen Namen zu geben. Nicht nur der nagelneue Schriftzug wurde unter Beifall des andächtigen Publikums feierlich enthüllt. Auch eine hinter Glas verborgene bronzene Büste Lucia Schäfers aus den künstlerischen Händen Traute Bormanns wurde den neugierigen Blicken freigegeben.

Das allein war schon Grund zum Feiern, aber es sollte ja noch ein Konzert geben, schließlich scharrten bereits die elf Cellisten aus Hamburgs „Elphi“ mit den Füßen. Vollzählig waren sie angetreten und sorgten im rappelvollen Haus für beste Stimmung. Was zunächst recht konventionell mit Wagner, Mendelssohn, Villa-Lobos und Tschaikowskys „Nussknacker“ begann, geriet mehr und mehr außer Rand und „Bond“ – ließ doch wirklich die Titel-Melodie aus den 007-Agentenabenteuern im Saal aufhorchen. Man fragte sich, warum es so viele Violin-Konzerte gibt, wo doch Cello-Klang der menschlichen Stimme viel ähnlicher ist und für behagliche Wärme sorgt.

Unüberhörbare Parallelen

Zweite Frage: Wozu braucht man eigentlich einen Dirigenten? Die Akteure jedenfalls benötigten keinen – alles musizierte und sang in einem Atemzug. Und mal wieder stellte sich die Akustik der Aula – pardon, des Lucia-Schäfer-Konzertsaales – als hervorragend heraus.

Letztlich drängt sich eine Parallele zum Konzerthaus der Gast-Cellisten aus Hamburg auf. Man hörte einfach alles, auch jeden noch so leise knarrenden Stuhl im Publikum, die Musiker dürften sich wie zu Hause gefühlt haben. Jedenfalls gaben sie ein launiges Programm. Am Ende waren ein deutlich glühweingeschwängertes „Rudolph the Red Nosed Reindeer“ und echte „White Christmas“ mit herrlich schwülstigem Timbre zu erleben.

Und wie gefiel es dem Publikum? „Ja, ja“, äußerte ein älteres Ehepaar sich nicht gerade euphorisch. Ein anderer Kommentar aus berufenem Munde: „Ganz hervorragend dieser samtene Sound!“ Ach ja, zur Beruhigung des aufge-heizten Publikums gab es am Ende den Abendsegen aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – jedem Cello geradezu in den Korpus geschnitzt. Lustvolles Seufzen aus dem Publikum.

So ist es recht, und kommt ja alle wieder, Ihr Rotenburger! Ihr habt einen echten Konzertsaal. Was dem Hamburger seine „Elphi“, ist dem Rotenburger nun, na klar, die „Luci“.

Von Henrik Pröhl

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