Werbung für bundesweite Initiative

„Buy Local“-Vorstandsmitglied Cornelia Mansfeld: Es geht um lokale Umsätze

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Cornelia Mansfeld aus Rotenburg betreibt nicht nur eine eigene Buchhandlung, sondern sie engagiert sich auch als Vorstandsmitglied in der bundesweiten Image-Kampagne „Buy Local“.

Rotenburg - Von Guido Menker. Wer bei großen Internet-Händlern bestellt statt vor Ort im Geschäft einzukaufen, trägt zur Zerstörung des örtlichen Einzelhandels bei. Das sagt Cornelia Mansfeld, Mitglied im Bundesvorstand der Initiative „Buy Local“.

„Die Leute begreifen vielfach gar nicht, was sie sich selbst damit antun, wenn sie überwiegend bei Amazon einkaufen.“ Dennoch: „Buy Local“ hat in Rotenburg erst zwei Mitglieder.

Das will Cornelia Mansfeld ändern. Für das kommende Jahr plant sie, noch mehr als bisher im Kollegenkreis und bei den Kunden darüber zu informieren. Denn es geht ihr nicht nur um das Überleben des eigenen Geschäfts – die Buchhandlung Müller an der Goethestraße –, sondern vor allem auch um die Ökonomie innerhalb der Kreisstadt. Die Unternehmen zahlten hier ihre Steuern, wodurch sie nicht zuletzt auch zur Finanzierung von sozialen und kulturellen Einrichtungen beitragen. 

„Es geht um einen Kreislauf, den es zu erhalten gilt“, sagt Mansfeld. Wer überwiegend große Online-Händler nutzt, verzichte nicht nur auf die direkte Beratung, sondern schenke auch noch Daten her, die den Global Playern wiederum in die Karten spielten. Scheinbare Freiheit werde zu einer Art Auslieferung. Indirekt zerstörten die großen Online-Händler den lokalen und regionalen Einzelhandel, um dann damit zu beginnen, selbst „echte“ Läden als Anlaufstellen zu eröffnen, warnt Mansfeld.

Umweltaspekt wird betont

Was tun sich die Leute sonst noch damit an, wenn sie bei Amazon bestellen? Da sei der Umweltfaktor, sagt Mansfeld. Denn aus der großen Zahl der Bestellungen ergebe sich eine weiter zunehmende Transport-Notwendigkeit – auch, wenn die Wagen nicht einmal immer voll sind. Verstopfte Straßen, schlechte Luft. Mansfeld: „Mich bringt es in Rage, wenn die Menschen den Kontext nicht verstehen.“ 

In Rage gerät sie aber auch, wenn sich die Kunden in den Geschäften vor Ort beraten lassen, um anschließend im Netz zu bestellen. „Das ist gemein und morallos.“ Es zeige aber, dass gerade die Einzelhändler für Service stehen. Dieser beinhalte nicht nur eine gute, weil qualifizierte Beratung. „Wir gehen auch auf Extra-Wünsche der Kunden ein und lassen ihn stöbern“, sagt Mansfeld. „Ich mache diese Arbeit gerne, es macht nämlich Spaß, mit den Kunden im Gespräch zu sein.“

Internet wird nicht verteufelt

„Buy Local“-Geschäfte verteufeln aber nicht das Internet, sind sie dort doch selbst vertreten. Ein eigener Web-Shop, zumindest aber ein eigener Internetauftritt ist eine der Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft. Auch der faire Umgang mit dem Personal spiele dabei eine Rolle. Es gehe letztendlich auch um deren Arbeitsplätze, die mittel- oder langfristig auf der Kippe stehen. Auch Investitionen vor Ort stünden auf dem Spiel – wenn weiter Umsatz verloren geht, der vor Ort durchaus möglich ist. 

„Die Stadt verliert insgesamt“, erklärt die Buchhändlerin. Die Stadt drohe, ihr eigentlich unverwechselbares Gesicht zu verlieren. Filialen bundesweit agierender Ketten bestimmten dann mehr und mehr das Erscheinungsbild. „Wie erfrischend ist es, wenn man stattdessen in eine Stadt kommt, die einen bunten Strauß engagierter Händler und Dienstleister hat?“, schreibt „Buy Local“ in einer Broschüre. Einzigartigkeit und Vielfalt seien viel mehr ein Garant, dass eine Stadt als lebenswert erachtet wird.

Das Weihnachtsgeschäft auch in Rotenburg befindet sich auf der Zielgeraden: Für Freitag laden viele Geschäfte in der Innenstadt zum „Last-Minute-Christmas-Shopping“ bis 21 Uhr ein, und am Tag darauf gibt es einen weiteren „langen Sonnabend“. Im weitesten Sinne passen solche Aktionen in das Konzept der Initiative „Buy Local“. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) lobt das Engagement: „Für mich ist das eine weitere, sinnvolle Plattform, die der Vernetzung dient.“

Innenstadtentwicklung enorm wichtig

Man könne so etwas nur unterstützen, sagt er. Darüber hinaus gehe es mit Maßnahmen und Veranstaltungen ja darum, Win-Win-Situationen zu schaffen. Darum biete die Stadt nach wie vor auch einen runden Tisch zur Innenstadtentwicklung an. Zuletzt allerdings mit nur mäßiger Resonanz. Weber hält aber daran fest, schließlich gelte es, Schwerpunktsetzungen zu diskutieren und Planungen in die Hand zu nehmen.

Wenn er von Maßnahmen spricht, meint er die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, eine engere Absprache hinsichtlich von Öffnungszeiten und auch die Digitalisierung. Weber: „Man darf die Zeit nicht verschlafen.“ Info-Stelen mit Bildschirmen am Bahnhof und am Pferdemarkt seien weitere Mittel, die in der Umsetzung seien, und auch die für das Frühjahr ins Auge gefasste Einrichtung eines öffentlichen W-Lan-Angebotes gehe in diese Richtung. „Das müssen wir mit den Geschäften zusammen realisieren“, sagt er. Die Ausschreibung läuft noch.

Seit 2012 gehört Cornelia Mansfeld der Initiative an, seit zwei Jahren ist sie mit im Vorstand. „Zu Beginn bin ich von Kollegen eher als Konkurrentin betrachtet worden“, meint sie gefühlt zu haben. Das sei heute anders. Aber selbst wenn es heute eine Initiative gäbe, in diesem Jahr an Heiligabend die Läden zu öffnen, hat Cornelia Mansfeld eine klare Meinung: „Sonntags haben Geschäfte nicht zu öffnen. Das sage ich als Christin und Kirchenvorstandsmitglied.“ So etwas habe nämlich nichts mit Service zu tun. Am Sonnabend allerdings sei sie bis 18 Uhr dabei. Ihre Mitarbeiterinnen haben am Nachmittag jedoch frei – um sie nicht zu sehr zu belasten. „Dann helfen mir zwei Freundinnen“, sagt sie.

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