Gegen das Tabu

Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ am Ratsgymnasium

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Der spielerische Umgang macht den Zugang zum Thema Depressionen für die Schüler einfacher.

Der Großteil Schüler der zehnten Klassen L und PL am Rotenburger Ratsgymnasium ist sich am Freitagmorgen sicher: „Lieber einen Herzinfarkt haben, als eine Depression.“ Diese Meinung erstaunt die Organisatoren des zweiten Präventionstages zur psychischen Gesundheitsförderung.

Rotenburg - Mit dem „Verrückt? Na und?“-Schultag soll bei den 15- und 16-Jährigen Verständnis geweckt und Brücken geschlagen werden. Wie so die Lage ist, stellen die Experten von Psychologen und Sozialpädagogen zu Beginn des Tages mit Fragen fest. Darunter eben die, ob es besser ist, an einer körperlichen oder psychischen Erkrankung zu leiden. Veranstaltet wird der Tag in Kooperation mit dem Verein „Irrsinnig Menschlich“ aus Leipzig.

Schulleiterin Iris Rehder ist es von Beginn ihrer Aktivität an beim „Lokalen Bündnis gegen Depression im Landkreis Rotenburg“ ein Anliegen, vor allem in Schulen präventiv tätig zu werden. „Eine Herzensangelegenheit“, nennt sie es. „Mein Ding ist, Prävention an Schulen zu betreiben. Für einen 15-Jährigen ist es uncool zu sagen: Ich habe Depressionen!“ Für Rheder, die diesen Tag bereits zum zweiten mal ans Ratsgymnasium geholt hat, gilt: Am Ball bleiben! Und, da sind sich aber alle Akteure einig: Ein Netzwerk spinnen, um die Schulen in Bremervörde und Zeven auch mit anzubinden.

Die Klassen werden in mehrere Gruppen untergliedert, die wiederum an einer vorgelegten Geschichte verschiedene Rollenspiele erarbeiten müssen. Mal ist es ein prominenter Fußballtrainer, der in einer Pressekonferenz seine Auszeit aufgrund seiner Depressionen nimmt, mal ist es eine Ratssitzung, auf der eine Bürgerinitiative gegen eine Einrichtung psychisch Kranker demonstriert. Eine weitere Gruppe stellt ein Forscherteam dar, das darüber diskutiert, ob ein Smartphone ein Therapeut sein kann.

In Rollenspielen werden Depressionen greifbar.

In den vielen Zwiespalten, die Pubertierende durchleben, kann es zu psychischen Problemen kommen, wissen die Ausführenden des Schultages. Manche Schüler vertrauen sich den Lehrern an, bei anderen merken die Eltern, dass etwas nicht stimmt. Psychologe Henner Spierling, ebenfalls vom Bündnis, macht die tägliche Ambivalenz am Beispiel Joghurtregal im Supermarkt deutlich: Zu viel Auswahl, und nach dem Kauf das schlechte Gefühl, sich falsch entschieden zu haben. Neben der erschlagenden Vielfalt, die in fast allen Lebensbereichen zu finden ist, führt Spierling weitere erschwerende Punkte in der Jungendentwicklung an: „Die Leistung, Anforderung und Zeittaktung bei Schülern ist sehr groß. Sie haben Schwierigkeiten, sich in der Gesellschaft zu verorten und Probleme mit der Entfremdung der Gesellschaft.“ Andreas von Glahn von Tandem Bremervörde unterstreicht: „Sie haben Angst vor Überlastung.“

Deshalb sollen die Jugendliche mit dem Präventionsschultag sensibilisiert werden. Vor allem vor dem Hintergrund, sich nicht schämen zu müssen, aber auch, um Verständnis für Betroffene zu haben. Außerdem lernen sie so, dass das Leben nicht immer glatt läuft, aber es immer Wege gibt, die Erkrankung behandelbar ist und wo sie sich Hilfe holen können. Da das Interesse aus dem Kollegium ebenfalls groß ist, wird es voraussichtlich im Herbst eine schulübergreifende Fortbildung geben.

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