Ratsantrag der Grünen greift Debatte im Landkreis auf

Gegen Schottergärten

Die Stadt Bremen geht bereits mit einem Gesetz gegen Schottergärten vor. Foto: dpa

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Debatte um Schottergärten hat auch im Landkreis an Fahrt aufgenommen. Politisch spiegelt sich das in einem Ratsantrag der Rotenburger Grünen wider, den diese Anfang des Monats an Bürgermeister Andreas Weber (SPD) geschickt hatten. Am Donnerstag wird er Thema im Stadtrat sein.

Die Grünen fordern, dass in allen zukünftigen Bauplanungen der Stadt verankert wird, dass Schotteranlagen statt Grünflächen nicht zulässig sind. Fraktionssprecherin Elisabeth Dembowski betont, dass man „mit Hinblick auf einen dramatischen Artenschwund und den Verlust von Lebensräumen für Kleintiere“ die zunehmende Abschotterung von Gärten und Freiflächen nicht mehr zulassen will. „Schotterflächen sind für die Natur wertlos und haben nichts mit einem fachgerecht alpinen Steingarten gemein“, so die Grünen-Politikerin. Um die Ausbreitung von Wildkräutern und Bemoosung zu vermeiden, würden, obwohl verboten, sogar vielfach Herbizide verwendet. Dembowski: „Steinwüsten schaden dem Stadtklima, Grünflächen hingegen sind temperaturausgleichend und können die Folgen des Klimawandels abmildern.“ Das sei besonders bei der aktuell in Rotenburg voranschreitenden Nachverdichtung zu berücksichtigen. Schotterflächen seien „optisch monoton, öde und ökologisch so tot wie eine Autobahn“.

Dass sich die Zahl der Schottergärten vor allem in Neubaugebieten deutlich erhöht hat, zeigt sich auch beim Blick durch die Kreisstadt. Dabei sind diese gar nicht erlaubt: Festgehalten ist dies in der Niedersächsischen Bauordnung. Dort heißt es in Paragraf neun, dass die nicht überbauten Flächen der Baugrundstücke Grünflächen sein müssen, soweit sie nicht für andere Nutzungen erforderlich sind. Und: „Die nicht überbauten Flächen von Baugrundstücken sind so herzurichten und zu unterhalten, dass sie nicht verunstaltet wirken und auch ihre Umgebung nicht verunstalten. Dies gilt auch für die nicht im Außenbereich gelegenen, nach öffentlichem Baurecht bebaubaren Grundstücke.“ Einzelne Kommunen haben bereits ergänzende Satzungen erlassen, auch in der Hansestadt Bremen gibt es seit diesem Jahr ein neues Gesetz. Nach diesem müssen bei Neubauten Flachdächer künftig begrünt und Freiräume bepflanzt werden. Damit wendet sich die Stadt auch gegen den Trend zu Schotter und Steinen in vielen Vorgärten.

Für die Kontrolle ist prinzipiell der Landkreis als zuständige Ordnungsbehörde des Baurechts zuständig. Und der teilt mit, dass er „in Einzelfällen bereits ordnungsbehördliche Verfahren“ eingeleitet habe, um die Beseitigung von unzulässigen Schotterbeeten durchzusetzen. Vielen Gartenbesitzern sei oft nicht bewusst, dass das Anlegen eines Schotterbeetes negative Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen hat. Durch die Schottersteine wird der Boden versiegelt, und die Tiere finden keine natürlichen Bedingungen mehr vor, so die Kreisverwaltung. So gehen wertvolle Lebensräume für Insekten, Kleinsäuger wie Igel oder Eichhörnchen, Vögel und andere Tiere verloren. Die Pflanzen können auf diesen Flächen nicht mehr wachsen, die Tiere finden dadurch keine Nahrung, Unterschlupf oder Nistmöglichkeiten mehr und meiden diese Bereiche. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Nachteil in diesem Zusammenhang sei auch der Verlust von Versickerungsflächen für das Regenwasser, was sich wiederum negativ auf die Neubildung von Grundwasser auswirke.

Ob die Stadt Rotenburg künftig in allen Bauplanungen die Hinweise zu den Schotteranlagen aufnimmt, wird politisch entschieden. Zunächst dürfte der Antrag der Grünen in den Umweltschutzausschuss verwiesen werden.

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