Technik gegen Hilflosigkeit

Smartphone-App hilft Stalking-Opfern bei der Beweissammlung

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Jürgen Schulz

Der Weiße Ring, gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten, hat jetzt eine No-Stalk-App entwickelt.

Rotenburg - Das erste effektive digitale Hilfsmittel für Stalking-Opfer, mit dem eine authentische Beweissammlung möglich ist. Stalking-Betroffene können mit ihren Smartphones Fotos, Videos und Sprachaufnahmen von Stalking-Vorfällen erstellen. Stalking-Opfer, so Jürgen Schulz, Leiter der Außenstelle Rotenburg des Weißen Rings, seien den Tätern, die ihnen nachstellen, nicht mehr weitgehend hilflos ausgeliefert.

Diese Fakten belegen, wie wichtig die App ist, die kostenlos heruntergeladen werden kann: Schätzungen gehen von etwa 600.000 bis 800.000 Stalking-Fällen jährlich aus. 80 Prozent der Stalker sind männlich, 80 Prozent der Opfer weiblich. Aber nur drei Prozent der Täter werden polizeilich erfasst. In 97 Prozent der Fälle passiert nichts, 582.000 Täter bleiben völlig unbehelligt. Das, so Schulz, soll durch die App geändert werden. Betroffene könnten mithilfe der App die Taten beweisen und dafür sorgen, dass die Stalker zur Verantwortung gezogen werden.

Notfall-Button im Falle direkter Bedrohung

Die App besteht aus einem Informations-, einem Dokumentations- sowie einem Notfallmodul. Das Informationsmodul bietet alle relevanten Informationen zum Thema Stalking. Mit dem Dokumentationsmodul können alle Stalking-Aktivitäten (Fotos, Videos, Text- und Sprachnachrichten) mit dem Handy dokumentiert werden, um damit juristisch erfolgreich gegen Stalker vorgehen zu können. Über den Notfall-Button können Betroffene schnell und unkompliziert im Falle einer direkten Bedrohung Hilfe holen.

Die Folgen von Stalking, also das beharrliche Verfolgen und Belästigen einer Person, deren psychische oder psychische Unversehrtheit bedroht oder geschädigt werden kann, können fatale Folgen haben, so Schulz. Das beginne bei einfachen körperlichen Folgen wie Kopf- und Magenschmerzen. Die psychischen Folgen reichten von Schlafstörungen, Albträumen, Panikattacken, Schreckhaftigkeit, Depression, Gereiztheit und Essstörungen bis hin zum Suizid. 

Auswirkungen erstrecken sich bis ins Sozialleben

Auch auf das Sozialleben der Betroffenen könne Stalking Auswirkungen haben. Häufig sind sie gezwungen, den Arbeitsplatz oder sogar den Wohnort zu wechseln. Paarbeziehungen scheitern, Freunde gehen verloren. Forscher haben herausgefunden, dass der Stress, dem Stalking-Opfer ausgesetzt sind, den psychischen und physischen Belastungen eines Flugzeugabsturzes gleicht. 

Jürgen Schulz weist darauf hin, dass die mit dem Handy gesammelten Daten automatisch verschlüsselt und in ein sicheres Rechenzentrum in Deutschland übertragen werden. Die Daten verbleiben nicht auf dem Smartphone. Die im Rechenzentrum liegenden Daten können nur vom Benutzer mit einem persönlichen Code-Schlüssel, den er bei der Anmeldung zur App erhalten hat, entschlüsselt werden. 

Die entschlüsselten Daten können entweder auf einem USB-Stick der Polizei übergeben werden, oder der Benutzer entschlüsselt seine Daten direkt im Beisein eines Polizeibeamten. Die App gibt es in allen üblichen Appstores für iOS und Android.

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