Zehn Jahre Frauenort: Ideen, Geschichte lebendig zu halten

Gegen das Vergessen

Klein und zart sei Helene Hartmeyer gewesen, aber eine starke Persönlichkeit: Das berichtet Kerstin Blome bei einem Spaziergang zum Mutterhausgelände.
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Klein und zart sei Helene Hartmeyer gewesen, aber eine starke Persönlichkeit: Das berichtet Kerstin Blome bei einem Spaziergang zum Mutterhausgelände.

Rotenburg – Zehn Jahre ist Rotenburg Frauenort zu Ehren von Helene Hartmeyer. Was ein Grund zu feiern sein könnte, ist in den vergangenen Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten, wie die Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Blome bei einem Spaziergang auf Hartmeyers Spuren feststellt. Daran würde sie gerne etwas ändern. Denn Hartmeyer gehört zu den stadtbildprägendsten Figuren, hatte sie doch das Mutterhaus gegründet. „Sie hatte großen Einfluss“, sagt Blome. Gästeführerin Gina Lemme-Haase, die sich sehr viel mit dem Leben der Diakonisse beschäftigt hat, geht einen Schritt weiter: „Ohne Helene Hartmeyer wäre Rotenburg heute nicht das, was es ist.“

Mit der Initiative Frauenorte soll an bedeutende Frauen erinnert werden. 2008 wurde sie vom niedersächsischen Landesfrauenrat ins Leben gerufen, 2010 kam Rotenburg dazu. „Der Rat setzt sich für Gleichberechtigung und die Stärkung des Einflusses von Frauen ein“, erläutert Blome. Städte und Gemeinden können sich bewerben mit einer Persönlichkeit, die eine besondere Leistung erbracht hat. „Es geht auch darum, zu sehen, wie Frauen Geschichte beeinflusst haben. Der Blick darauf ist häufig von Männern gemacht, mit Augenmerk auf die Leistung von Männern.“ Derzeit gibt es 42 Frauenorte in Niedersachsen.

Aufgrund der Pandemie kam ein angedachter Empfang nicht infrage, dennoch hatte es einen Stadtspaziergang mit einer Erzieherklasse der Elise-Averdieck-Schulen gegeben, dazu ein Treffen mit Diakonissen. Die Tour hatten Sabine Sievers, Oberin des Mutterhauses, Lemme-Haase und Blome organisiert. Er führt zu wichtigen Stationen im Leben Hartmeyers. Informativ, aber auch humorvoll habe Lemme-Haase die Truppe geführt. „Sie schilderte die Ankunft der Diakonissen am Bahnhof. Beim Anblick der Schar schwarz gekleideter Frauen mit weißer Haube sei der Bahnhofsvorsteher in Ohnmacht gefallen – was aber kein Problem gewesen sei, da die Diakonissen alle eine Ausbildung zur Krankenpflegerin absolviert hätten und ihm somit sofort Erste Hilfe leisten konnten“, erinnert sich Blome.

Es gehe aber auch um Hartmeyers Grundsätze in der Ausbildung. „Dahinter steckt die Idee, jungen Menschen zu zeigen, wo das herkommt, was ihnen heute als Stoff vermittelt wird.“

So einen Stadtspaziergang hatte Lemme-Haase nach der Ernennung als Frauenort angeboten, aber dafür habe es in den vergangenen Jahren wenig Interesse gegeben. „Es ist ein sehr spezielles Thema, nichts für die breite Masse.“ Interessierte könnten aber auf eigene Faust losziehen – mit einem Flyer, der in der Tourist-Information ausliegt. Doch dieser ist veraltet – die erste Auflage musste bisher nicht nachgedruckt werden. „Es ist ein sehr religiös geprägtes Thema, auch überregional dafür Begeisterung zu entfachen, ist nicht einfach – das ist es schon in Rotenburg nicht. Da haben es weniger religiös geprägte Frauenorte vielleicht leichter“, meint Blome. Eines ihrer Projekte soll dennoch die Überarbeitung sein, neu und moderner – damit der Frauenort nicht in Vergessenheit gerät.

Ebenso erhofft sich Blome weitere Stadtspaziergänge – vor allem für die Erzieherklassen. „Das ist gelebte Geschichte. Die Schüler waren sehr interessiert. Es ist eine schöne Idee, das auf diese Weise ins Leben zu holen.“ Für Lemme-Haase war der Gang mit der Klasse hingegen eine einmalige Aktion, aber sie sagt auch, dass das Thema neu belebt werden müsste – eventuell könnte das eine Nachfolgerin übernehmen. Im Frühjahr, „wenn hoffentlich die Gästeführungen wieder in Gang kommen“.

Eine weitere Idee, die Blome von ihrer Vorgängerin Brigitte Borchers übernommen hat, ist ein Film über das Leben der Diakonissen – wie leben sie heute? Wie haben sie Rotenburg geprägt? Bislang war dafür nicht genug Geld da, aber „das wäre nochmal eine Idee“, findet Blome. „Oder eine Historikerin beauftragen, die sich damit kritisch auseinandersetzt: Was bedeutet das für Frauenemanzipation? Das wäre spannend.“ Außerdem gibt es in der nächsten „Helene“, der Rotenburger Frauenzeitung, ein Interview zum Thema.

Blome wolle aber nicht das, was es schonmal gab, nur neu aufrollen, daher gibt es mehrere Ansätze. „Es braucht neue Impulse – denn das Konzept Frauenorte erfordert auch, sich zu überlegen, durch welche Angebote man die Frauen in die Öffentlichkeit bringt.“

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