CDU-Abgeordnete besuchen Einrichtungen 

„tobbi“-Projekt an den Berufsbildenden Schulen: Gefragte Integration

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Die Rotenburger Werke und Berufsbildenden Schulen präsentierten den CDU-Landtagsabgeordneten Mareike Wulf (3.v.l.) und Eike Holsten (2.v.l.) das „tobbi-Projekt“.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Dass sich die Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg schon in vielerlei Hinsicht als eine innovative Einrichtung gezeigt haben, wissen wahrscheinlich vor allem die Menschen aus der näheren Umgebung. Die CDU-Landtagsabgeordnete Mareike Wulf kam am Montag auf Einladung ihres Parteikollegen Eike Holsten zum ersten Mal in die Schule und staunte nicht schlecht. Schwerpunkt des Treffens war das Thema Inklusion. Die wird in den BBS spätestens seit der Einführung des Berufsbildungsbereichs „tobbi“ gelebt. Eine Ausbildung für Berufsschüler mit geistiger Behinderung, die bundesweit auf Interesse stößt.

Im „tobbi“-Gebäude angekommen, das direkt auf dem Schulhof der BBS steht und von den Rotenburger Werken betrieben wird, hat Mareike Wulf auch schon gleich die erste Frage: „Welche Qualifikationen werden hier angeboten?“, will die Abgeordnete von ihren Gastgebern wissen. Die hatten zuvor eine kleine Rundreise durch die einzelnen Bereiche geplant, um ihr diese Frage möglichst praxisbezogen zu beantworten. 

Bereichsleiterin Anja Rinck gibt den Teilnehmern – neben Holsten und Wulf sind auch BBS-Oberstudiendirektor Wolf Hertz-Kleptow und Erwin Eggers, der als Abteilungsleiter die Kooperation mit „tobbi“ vonseiten der BBS begleitet – kurze Einblicke in die Bereiche. Die Werke bilden hier Hilfskräfte im Gartenbau, in der Montage, für Holz und Metallarbeiten, in der Hauswirtschaft und sogenannte Alltagshelfer aus. 

Letztere können anschließend zum Beispiel in den Wohngruppen der Rotenburger Werke Arbeit finden. Oder sie bekommen mit einer entsprechenden „tobbi“-Qualifikation einen Arbeitsplatz bei einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) oder dem Ersten Arbeitsmarkt, informiert Rinck.

Bundesweit gibt es Interesse an „tobbi“

Das Konzept geht laut Rinck auf. Es gebe mehr Anfragen von Betrieben, als Absolventen. „Die Teilnehmer brauchen vielleicht länger, um etwas zu lernen. Aber das bedeutet nicht, dass sie es dann schlechter beherrschen“, so die Bereichsleiterin, die bei der Präsentation das Hauptaugenmerk von „tobbi“ hervorhebt: die Integration junger Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt. 

Dass Anja Rinck nicht das erste Mal einen Vortrag über „tobbi“ hält, liege daran, dass sie sehr gefragt sei, wirft Holsten ein. „Das nimmt schon eine gewisse Dynamik an“, bestätigt die Leiterin. Das Interesse an „tobbi“ sei bundesweit.

„Und wie reagieren die Schüler ohne Behinderung auf diejenigen, die eine haben?“, möchte Mareike Wulf nun wissen. „Normalerweise ist das keine Selbstverständlichkeit“, beginnt Eggers. „Aber hier in Rotenburg ticken die Uhren etwas anders und auch die jungen Menschen gehen sehr freundlich mit ihnen um. Die Werke prägen schon sehr lange das Stadtbild.“

Die Abgeordneten zeigen sich beeindruckt

Gibt es dann aber doch mal Probleme, können sich die „tobbi“-Schüler jederzeit in ihrem Gebäude zurückziehen. Für Menschen mit geistiger Behinderung sei diese Möglichkeit enorm wichtig, erzählt Sabine Rademacher, die als Leiterin der Werkstatt der Rotenburger Werke und Mutter eines Kindes mit Behinderung weiß, wovon sie spricht.

Wulf zeigt sich beeindruckt von der Inklusionsarbeit in Rotenburg. Das war auch das Anliegen von Eike Holsten, der sich von seiner Parteikollegin erhofft, dass sie in ihrer Position als schulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion auf das Bildungsprojekt aufmerksam macht. Das möchte sie ihrer Aussage nach auch tun.

Standortwechsel: Im Verwaltungsbüro der BBS angekommen, ist die Gruppe nun mit Jens Swat und der stellvertretenden Schulleiterin Katharina Engelhardt um zwei Personen gewachsen. Swat ist seit August als Flüchtlingsberater an den Berufsbildenden Schulen in Rotenburg tätig. Das Interesse für das Sprach- und Integrationsprojekt (Sprint), das Swat ebenfalls betreut, sei weiterhin vorhanden. 

Er betont dabei aber auch, dass die Betreuung im schulischen Alltag mehr unterstützt werden müsste. Hinzu komme, dass auch außerhalb der Schulzeit viel Betreuungsbedarf notwendig ist. „Die Aufgaben sind sehr vielfältig, und die Arbeit ist sehr intensiv“, sagt Jens Swat. Wulf dankt ihm, der Schule und den Werken für die gesammelten Eindrücke. Schon bald möchte sie wiederkommen, sagt sie.

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