Nachprüfungen im Kreis laufen

Rund um Erdgasförderplätze: „Gefahr ergibt sich bislang nicht“

+
Medienwirksam wurden im Juli 2015 vom Landesbergamt die ersten Bodenproben am Förderplatz Hemsbünde Z2 entnommen. Nun liegen die Ergebnisse für ganz Niedersachsen vor.

Rotenburg/Hannover - Von Michael Krüger. Wie belastet ist der Boden rund um Erdgasförderanlagen? Im Sommer 2015 hatte das Landesbergamt (LBEG) medienwirksam in Bothel mit einer großen Messkampagne von 200 der niedersachsenweit 455 Förderplätze begonnen.

Am Montag werden die gesammelten Ergebnisse in Hannover vorgestellt. Für den Landkreis steht schon fest: Größere Belastungen wurden nicht gefunden. Ist vielleicht doch alles viel ungefährlicher als von Kritikern behauptet? Quecksilber, Benzol und Co, Krebsgefahr und Umweltbelastung nur Schlagworte von Bürgerinitiativen? 

Festzustellen ist: Nachdem auch bei der Befragung Erkrankter und Angehöriger auf der Suche nach Gründen für die erhöhten Krebszahlen in der Samtgemeinde Bothel nur vage „Signale“ für einen Zusammenhang von Wohnortnähe und Bohrschlammgruben erkannt wurden, könnte sich die viel kritisierte Erdgasindustrie auch durch die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen entlastet fühlen. LBEG-Pressesprecherin Heinke Traeger bestätigt für den Landkreis Rotenburg: „Eine Gefahr für Mensch und Umwelt ergibt sich aus den uns bisher vorliegenden Unterlagen nicht.“

Es war ein regnerischer Montagmorgen Ende Juli 2015, als das LBEG unter reger Anteilnahme der Presse den Startschuss für die Messkampagne an der Förderstelle Hemsbünde Z2 gegeben hat. 1,8 Millionen Euro flossen aus den Töpfen des Wirtschafts- und Umweltministeriums, um zu sehen, ob die Böden belastet sind. Sieben Bodenproben wurden am Rande des Maisfeldes neben Hemsbünde Z2 genommen, es folgten Untersuchungen an 199 weiteren Förderplätzen.

Im November 2015 lagen die Ergebnisse der ersten 50 Analysen vor: keine Bodenbelastungen. Die oberflächennahen Proben wurden im Labor auf mögliche Schadstoffe analysiert. Die Untersuchungen entsprachen den Vorgaben der Bundesbodenschutzverordnung, hieß es vom LBEG. Sie erstreckten sich auf mögliche Belastungen durch Schwermetalle (u.a. Quecksilber, Blei und Cadmium), unterschiedliche Kohlenwasserstoffe wie z.B. BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol) und PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sowie Dioxine. Außerdem wurde die Radioaktivität untersucht.

Grundlage für Antworten wird geschaffen

Der Präsident des Landesbergamts, Andreas Sikorski, versprach zu Beginn der Kampagne in Bezug auf die Suche nach Ursachen der erhöhten Krebszahlen unter anderem in Bothel und Rotenburg: „Wir sind dabei, eine Grundlage zu schaffen, um Antworten zu geben.“ An fünf von 36 Förderstellen im Landkreis fanden die LBEG-Experten Auffälligkeiten. Daraufhin waren die zuständigen Förderkonzerne in der Pflicht, selbst zertifizierte Gutachter für Nachprüfungen einzusetzen.

Traeger: „Für die drei Plätze Hemsbünde Z1, Hemsbünde Z2 und Hemsbünde Z4 hat die anschließende Detailuntersuchung ergeben, dass der Verdacht auf eine schädliche Bodenveränderung ausgeräumt ist.“ Für Sottrum Z1, wo auffällige Werte für PAK gefunden wurden, und Bötersen Z 1, wo ein Quecksilberverdacht vorliegt, steht das Ergebnis allerdings noch aus – in beiden Fällen ist „ExxonMobil“ als Betreiber gefordert, für Klarheit zu sorgen. „Die Konzepte für Detailuntersuchungen an den beiden Standorten befinden sich noch in Abstimmung mit dem LBEG“, so Exxon-Sprecher Klaus Torp am Mittwoch.

Wie aussagekräftig die Messwerte sind, darüber dürfte wieder gestritten werden. Kritiker hatten schon zu Beginn der Messungen das Untersuchungsdesign als unzureichend bezeichnet, da es keine Analyse von Luftwerten, Wasserwerten oder eine Suche nach Schadstoffen in den Pflanzen der Umgebung gab. Zudem böten die Verordnungen der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung viel Platz für nachträgliche Interpretationen. Zu viel Geld und Zeit werde damit ohne Aussicht auf Aufklärungserfolg vergeudet.

Lesen Sie auch:

Fast alle untersuchten Erdgasförderplätze in der Region weisen Probleme auf

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Nach Barcelona-Terror: Polizei vereitelt Anschlag in Badeort

Nach Barcelona-Terror: Polizei vereitelt Anschlag in Badeort

Podiumsdiskussion vom RWF und der Kreiszeitung zur Bundestagswahl

Podiumsdiskussion vom RWF und der Kreiszeitung zur Bundestagswahl

Fachwerkhaus „Siedenburg“ in Kirchweyhe bald Geschichte

Fachwerkhaus „Siedenburg“ in Kirchweyhe bald Geschichte

Assistenzsysteme im Auto nachrüsten: Was ist sinnvoll?

Assistenzsysteme im Auto nachrüsten: Was ist sinnvoll?

Meistgelesene Artikel

1500 Schützen feiern in Westervesede

1500 Schützen feiern in Westervesede

IGS Rotenburg ist nun Partnerschule des DFB

IGS Rotenburg ist nun Partnerschule des DFB

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Kommentare