Erste Ergebnisse liegen vor

Wie gefährlich sind die Altlasten in den Gruben bei Bothel?

Die Borschlammgrube „Kallmoor Z1“ wurde als erste untersucht – ohne Folgemaßnahmen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Zufall ausgeschlossen. Das sagt das Gesundheitsamt des Landkreises nach Auswertung der Krebsstudie von Bothel: Die signifikant erhöhte Zahl hämatologischer Krebsfälle bei älteren Männern in der Samtgemeinde Bothel stehe im Zusammenhang zur Wohnortnähe zu Bohrschlammgruben. Doch was liegt dort überhaupt? Und wie gefährlich sind die Altlasten wirklich? Der Landkreis lässt 24 Gruben untersuchen. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Die ersten vier „Bohrschlammgrubenverdachtsflächen“, wie es im Fachjargon des Amts für Wasserwirtschaft und Straßenbau im Kreishaus heißt, wurden begutachtet. Amtsleiter Gert Engelhardt präsentierte am Mittwoch in der Sitzung der AG Erdgas- und Erdölförderung die Ergebnisse. Und die sind, anders als vermutlich von Kritikern befürchtet, relativ harmlos – wenn man bedenkt, dass es kreisweit dutzende Gruben gibt, in die auch die seit Jahrzehnten in der Region emsige Erdgas- und Erdölindustrie ihre „Abfälle“ – Stein, Sand, Matsch und „Produktionsreste“ – verklappte.

Für die Verdachtsflächen „Bevern 2“ (Gemarkung Bevern), „Volkensen“ (Gemarkung Sothel), „Volkensen 4“ (Gemarkung Hamersen) und „Volkensen Nord 1“ (Gemarkung Groß Meckelsen) ergab sich laut Engelhardt einzig für „Volkensen Z4“ weiterer Handlungsbedarf, in zwei weiteren Fällen werde das „Buch zugeklappt“. Die Grube „Volkensen“ müsse neu bewertet werden, da dort auch gemeindlicher Müll abgelagert wurde und sie so nicht mehr in der Untersuchungs- und Förderraster des Förderprogramms von Industrie und Land falle.

„Bei der Verdachtsfläche Volkensen 4 zwischen Sothel und Hamersen wurden stark erhöhte BTXE (aromatische Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole) im Grundwasser gefunden. Darüber hinaus waren auch die gemessenen Schwermetallgehalte erhöht, sodass die Durchführung einer Detailuntersuchung notwendig ist“, heißt es nun von Engelhardt. Zwar seien auch bei den anderen Gruben Prüfwerte für bestimmte Schadstoffe überschritten worden, der Verdacht einer Gefährdung für Menschen oder Pflanzen sei jedoch ausgeräumt. Grundsätzlich gelte: „Dass in jeder Altablagerung Schadstoffe liegen, ist nicht die Frage, sondern wo und in welcher Konzentration.“

Debatte startete im November 2014

Im November 2014 hatte der NDR mit belasteten Bodenproben unter anderem von der Bohrstelle „Kallmoor Z1“ nördlich von Stemmen die Debatte über verseuchte Bohrschlammgruben in Niedersachsen überhaupt erst in Gang gebracht. Der Landkreis reagierte, untersuchte den Boden und verkündete im Februar 2016: „Keine relevanten Schadstoff-Gehalte nachweisbar“. Der Landkreis setzt aber die Untersuchungen fort. Aktuell sind noch 19 weitere Bohrschlammgruben für das fünf Millionen Euro schwere Förderprogramm des Landes und des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie zur Untersuchung angemeldet. Alles Gruben, bei denen die Erdöl- und Erdgasindustrie als sogenannte Verhaltensstörer oder Gesamtrechtsnachfolger ausgemacht sind. Die Standorte liegen im Altkreis in Lüdingen, Scheeßel, Stuckenborstel, Hemslingen, Rotenburg, Kirchwalsede und Sothel. Sechs weitere Gruben werden auf eigene Rechnung kontrolliert, weil dort auch Hausmüll gelagert wurde.

Nachdem das Gesundheitsamt seit Ende April von Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen Krebsfällen und Bohrschlammgruben gesprochen hatte, gab es vor allem seitens der möglichen Verursacher heftige Kritik. „ExxonMobil“ sprach gar davon, dass mit den Ergebnissen die Erdgasindustrie als Verursacher ausscheide. Tatsächlich sagte Kreissprecherin Christine Huchzermeier zu den Gruben rund um Bothel: „Es handelt sich um die Standorte Scheeßel Z1 in Hemslingen, Rotenburg T1 (Grube 2) in Kirchwalsede und um Lüdingen 1 und 1a in der Gemarkung Lüdingen.“ Die ersten beiden seien Mischgruben, wenigstens in der Grube Hemslingen soll aber Bohrgut zu kommunalen Abfällen wie Hausmüll, Gewerbeabfälle, Schrott, Autoreifen abgelagert worden sein.

Übergangsdeponie in Kirchwalsede

Bei der Altablagerung in Kirchwalsede handele es sich um eine Übergangsdeponie, einen ehemaligen gemeindlichen Müllplatz. Da die derzeitige Aktenlage aber noch sehr dürftig sei, werde man aufgrund der aktuellen Debatte die Botheler Verdachtsstandorte in den künftigen Untersuchungen vorziehen. Für die Standorte „Deepen“ und Scheeßel Z1“ seien die Fördermittel bereits bewilligt worden. Die Beauftragung der Gutachter läuft, sodass die Untersuchungen in Kürze beginnen werden. Die Untersuchungen der Standorte „Rotenburg T1 Grube 2“ und „Lüdingen 1 + 1a“ seien dann für das kommende Jahr vorgesehen. Pro Grube rechnet der Kreis mit Untersuchungskosten in ersten Schritten von bis zu 25.000 Euro.

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