Marzipan mit Stäbchen

Gastschülerin aus China bringt internationales Flair in die Familie Lindenberg

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Die neue Familie auf Zeit hat sich gefunden, betont der WFB-Kreistagsabgeordnete Reinhard Lindenberg – mit „Kate“ (v.r.), Lebenspartnerin Bettina Rutzen und Tochter Sophie.

Rotenburg/OhreL - Von Ralf G. Poppe. Neben seiner politischen Tätigkeit im Rotenburger Kreistag betreibt der Abgeordnete Reinhard Lindenberg in Ohrel eine kleine Landwirtschaft. Auf dieses abseits gelegene Gehöft hat es die Austauschschülerin Kate aus dem Großraum Schanghai verschlagen – internationales Flair im abgelegenen Teil des Landkreises.

„Kate“ heißt eigentlich Junqi Yu. Doch die 15-Jährige hat sich einen internationalen Namen ausgesucht, um für die Dauer ihres Europa-Aufenthaltes damit angesprochen zu werden. Seit September bereichert Kate nunmehr schon das Familienleben des Abgeordneten der Wählergemeinschaft Freier Bürger (WFB), seiner Lebenspartnerin Bettina Rutzen sowie der gemeinsamen Tochter Sophie Lindenberg. 

Während die Freundinnen für ein Jahr in München, Berlin und Hamburg leben, hat Kate sich für das idyllische Landleben entschieden. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass sich Kate und die Familie Lindenberg füreinander entscheiden konnten?

Reinhard Lindenberg: „Die Tageszeitung hatte eine Mitteilung veröffentlicht. Darin wurde berichtet, dass die Austauschorganisation ,Youth for Understanding’ (YfU) eine Gastfamilie für ein Mädchen aus China sucht. Sophie hatte diese Zeilen gelesen und uns Eltern vorgeschlagen, Gastfamilie zu sein. Ursprünglich war geplant, Kate für etwa drei Wochen einzuladen. Im Anschluss daran sollte sie die restliche Zeit ihres Austauschjahres in einer anderen Familie verbringen. Diese Gastgeberfamilie konnte jedoch nicht gefunden werden. Also entschieden wir uns, Kate für ein ganzes Jahr aufzunehmen.“

Kulturen begannen, ineinander zu verfließen

Die erste Hälfte der zwölf Monate sind bereits wie im Flug vergangen. Kate hatte vorab zuhause bereits Englisch und ein wenig Deutsch gelernt. So funktionierte die Kommunikation auf Anhieb. Beide Kulturen begannen, ineinander zu verfließen. Lindenberg: „Bis dahin hatte es am Heiligen Abend stets Kartoffelsalat und Würstchen gegeben. Diesmal bereitete Kate uns eine Speise auf chinesische Art zu. Kartoffeln und Karotten, in feinen Streifen geschnitten und kurz gebraten. Weiterhin Schweinefleisch mit Bambussprossen. Alle fanden das Essen ausgesprochen lecker. Ostern wird Kate Ostereier suchen.“ 

Auch das ist für Kate neu – in China wird weder Weihnachten noch Ostern derartig gestaltet. Stattdessen feierte man dort in diesem Jahr am 16. Februar das Neujahrsfest und zwei Wochen später das Laternenfest. Beides sind ähnliche Feste im Familienkreis.

„In den Osterferien wird Kate noch einen Deutsch-Intensivkurs belegen“, erläutert der Kreistagsabgeordnete. Seine Familie erhält für ihr Engagement keine finanziellen Leistungen. „Man nimmt einen jungen Menschen auf, lässt ihn in der eigenen Familie mit leben. Mit allem Drum und Dran. Wir haben ein freies Gästezimmer. Wo drei satt werden, reicht es auch für vier.“ Angeboten wird jedoch die kostenlose Teilnahme an Treffen und Seminaren, wo sich verschiedene Gasteltern treffen, um Erfahrungen auszutauschen. Darüber hinaus darf ein Kind der jeweiligen Gastfamilie kostenlos an einem einwöchigen Seminar der Gastschüler teilnehmen. „Sophie und Kate werden gemeinsam an dem einwöchigen internationalen Seminar in Dresden teilnehmen.“

Manchmal drückt das Heimweh

Der Alltag der beiden Teenager sieht derzeit noch etwas unspektakulärer aus: Morgens um 7 Uhr geht es gemeinsam mit dem Bus zur Schule nach Bremervörde. Kate nimmt am Deutschunterricht der achten Klasse teil. Nebenher erhält sie noch individuellen Deutschunterricht. Ansonsten nimmt sie am normalen Unterricht der Klasse 10c (Sophies Klasse) teil. Den Unterricht in Mathematik versteht sie gut. Gleiches gilt für die Stunden, die in der bilingualen Klasse auf Englisch erteilt werden. Die weiteren Fächer gestalten sich allerdings eher etwas schwierig.

Gegen 14.15 Uhr sind die beiden Mädchen zurück. Dann gibt es das Mittagessen. Nach einer anschließenden Pause werden die Katze, Hühner und Pferde des Hofes verpflegt. Nach dem Abendessen werden Hausaufgaben gemacht. Und Kate lernt noch Deutsch mit einem Computerkurs. Oft „skypet“ sie danach mit ihrer Familie. Manchmal drückt eben doch etwas das Heimweh. Besonders im Dezember sowie zu Neujahr hatte Kate ihre Eltern und Freundinnen in China besonders vermisst. Doch dafür hat sie nun Freundinnen aus anderen Ländern. Das gefällt ihr besonders gut. Wie auch der Umgang mit den Pferden. Scharfes Essen mag sie dagegen nicht. Auch ist Kate lediglich eine eher durchschnittliche Tischtennisspielerin – was für ein Mädchen aus China eher ungewöhnlich erscheint. Dafür geht sie einmal wöchentlich zum Badminton spielen in Selsingen.

„Wir essen deutlich mehr Reis als zuvor“

Was hat sich in der Familie Lindenberg durch den Gast aus der Nähe von Schanghai verändert? Lindenberg: „Wir essen deutlich mehr Reis als zuvor.“ Auch Sophie hat von der Austauschsituation profitiert. Überhaupt ist das gesamte Miteinander ein sehr herzliches. Das wird auch bei einem Besuch auf dem Lindenberg-Hof deutlich. Marzipan-Stückchen werden freudig mit Stäbchen gegessen. Sophie und Kate präsentieren stolz die Hähne, die sich auf dem Arm der Mädchen geborgen fühlen.

Das Zusammenleben verläuft völlig problemlos. „Lediglich zu Anfang gab es zeitliche ,Engpässe’ in der Badbelegung. Doch das hat sich schnell gelegt. Wir haben Kate einfach fast wie ein zusätzliches eigenes Kind in unsere Familie aufgenommen.“ Dafür ist die Familie Lindenberg mit viel Lebensfreude und dem Umgang mit einer neuen Kultur belohnt worden.

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