Aktionen sind aktuell nicht geplant

Gastronomen hoffen auf baldige Öffnung

Mit Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf wollen die Wirte retten, was noch zu retten ist.
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Mit Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf wollen die Wirte retten, was noch zu retten ist.

Rotenburg – Es wirkt so, als fänden sich die Gastronomen einfach nur noch damit ab. Seit Monaten schon geht so gut wie gar nichts mehr. Kneipen, Bars und Restaurants sind dicht. Einige Wirte warten auch jetzt noch auf die Auszahlung der Novemberhilfe. Aber ein Aufschrei, wie er im vergangenen Jahr noch zu vernehmen war, bleibt aus. „Nein“, sagt Dennis Westermann vom „Heidejäger“ in Mulmshorn, „das hat nichts mit Resignation zu tun.

Wir haben nicht aufgegeben.“

Seit einem Jahr, meint Westermann, kämpfe man darum, verlässlich öffnen zu können. „Wir sind die ersten, die zu machen mussten, und wir werden die letzten sein, die wieder öffnen dürfen.“ So sei das nun einmal. Es seien Hinweise zu vernehmen, dass sich bis Ostern an der aktuellen Situation nichts großartig ändern wird. Das sei nicht zuletzt auch in den internen Gesprächen mit der Politik angedeutet worden.

Statt nun aber öffentlichkeitswirksame Aktionen wie im vergangenen Jahr zu starten, konzentriere man sich auf das, was anliegt. Außer-Haus-Verkauf, Renovierungen und die Versorgung der noch wenigen Hotelgäste. „Wir sind recht breit aufgestellt, und Existenzangst haben wir zurzeit nicht“, sagt Westermann. „Wir haben einen regen Austausch mit den Kollegen.“ Dennis Westermann, sein Vater Frank sowie das Team gehen optimistisch durch diese schwere Zeit. „Wir schaffen das“, sagt der „Heidejäger“-Junior-Chef. Allerdings kann er sich einen kleinen Seitenhieb in Richtung Politik nicht verkneifen: „Die Politiker hätten sich besser vorbereiten können.“

Im vergangenen Jahr noch war Frank Westermann ganz tonangebend bei einer Aktion auf dem Rotenburger Pferdemarkt. Mit gedeckten Tischen, leeren Stühlen und Betten sowie zahlreichen Plakaten und Schildern hatten am 1. Mai die Gastronomen aus der Region deutlich aufgezeigt, was die Pandemie und die daraus folgende Schließung der Lokale mit ihnen macht.

Inzwischen herrscht ein wenig Ratlosigkeit. Das merkt Heiko Kehrstephan als Direktor des Hotels „Landhaus Wachtelhof“ an der Gerberstraße in Rotenburg an. „Wir wissen nicht mehr, was wir machen können.“ Der Hotelbetrieb laufe, aber mehr geht eben nicht. „Jeder geht anders mit der Situation um“, sagt Kehrstephan. Den Lockdown und die damit verbundene Schließung „kann man doch irgendwie verstehen, die Zahlen sind immer noch sehr hoch“.

Ein großer Teil der Belegschaft befindet sich in Kurzarbeit. Immerhin: „Wir haben gut gewirtschaftet, daher ist es für uns nicht wahnsinnig bedrohlich“, erklärt der Hotelier. „Ich bin ein Berufsoptimist“, unterstreicht er seine Herangehensweise. Er wünscht sich einfach, dass man schon bald zumindest schrittweise loslegen kann – bestenfalls mit dem ersten Schritt noch in diesem Monat. „Jetzt nach außen zu gehen, bringt nicht viel“, ist er überzeugt.

Im ersten Lockdown seien er und seine Kollegen im Südkreis recht konstruktiv gewesen, jetzt hingegen sei „alles ein bisschen deprimierender, weil chaotischer“. Genau hierin liege auch der Vorwurf – „wir laufen wieder nur hinterher“, sagt Kehrstephan. „Es fehlen eine Öffnungsperspektive und ein Plan.“ Etwas Frust sei da durchaus im Spiel, vielleicht auch Resignation. Was bleibt, ist die Hoffnung.

Hans-Wilhelm Röhrs aus Sottrum, Wirt und Vorsitzender des Kreisverbandes Rotenburg im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), bestätigt: „Aktionen von unserer Seite sind derzeit nicht geplant. Aber das hat nichts mit Resignation zu tun.“ Auch er rechnet damit, dass bis Ostern ein Re-Start eher unwahrscheinlich ist. Er selbst habe gerade seine Novemberhilfe erhalten – „das beruhigt und hilft erst einmal ein wenig“.

Röhrs vermietet auch Zimmer – in der Regel an Monteure und Bauarbeiter. „Wer kein Hotel hat, den trifft das alles noch viel mehr“, erklärt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Dennoch: Es klingt wie ein Stoßgebet, wenn er sagt: „Irgendwann muss es ja mal besser werden.“ So schielt er selbst beispielweise auf die Tarmstedter Ausstellung, bei der er einen großen Teil der Versorgung mit Speisen und Getränken übernimmt. Mit 160 Leuten übernimmt er dort eigentlich den Auftrag – ob und in welcher Form diese Ausstellung stattfinden wird, steht noch in den Sternen. Und damit auch der lukrative Auftrag.

Über derartige Fragen und aktuelle Entwicklungen in der staatlichen Hilfe tauschen sich die Kollegen regelmäßig aus. Vom Dehoga gebe es eine ganze Reihe an Informationen, auch in Form eines regelmäßigen Newsletters. Hans-Wilhelm Röhrs ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Kreisverbandes – und wird es auch in den nächsten drei Jahren sein.

Denn gerade erst habe eine Jahreshauptversammlung stattgefunden. Er und Schriftführer Henning Prüser sind dabei in ihren Ämtern bestätigt worden. Das hat geklappt, aber aus dem traditionellen Wirteball wird auch in diesem Jahr wieder nichts. Das Fest sollte eigentlich im März im Scheeßeler Hof über die Bühne gehen.

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