Auch Stadtwerke ziehen Tarife an

Gaspreis steigt deutlich

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Die Gaszähler der Stadtwerke-Kunden rattern gerade jetzt in den kalten Monaten munter weiter – die Kunden müssen für den Verbrauch ab dem kommenden Jahr deutlich mehr zahlen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Heizen wird teurer. Das ist keine ganz neue Erkenntnis, aber die Haushalte mit Gasheizungen in Rotenburg und der Umgebung werden das im kommenden Jahr deutlich spüren. Wie die meisten Gasversorger in Deutschland heben auch die Stadtwerke Rotenburg den Preis an. Ja nach Tarif kann die Rechnung um mehr als elf Prozent teurer werden. „Im Vergleich können wir uns aber weiterhin gut auf dem Markt sehen lassen“, betont Stadtwerke-Chef Reinhard David.

Der Brief dürfte in den meisten Haushalten bereits eingetroffen sein. Die Stadtwerke informieren über die neuen Preise, bieten auch einen neuen Tarif mit längerer Kündigungsfrist an, der den Anstieg etwas abbremst – auf rund acht Prozent gegenüber der bisherigen Abrechnung. 

An der deutlichen Erhöhung führt aber kein Weg vorbei, betont David gemeinsam mit seinem Vertriebsleiter Hans-Joachim Boschen: „Allein in diesem Jahr sind die Preise an der Energiebörse in Leipzig um rund 50 Prozent gestiegen.“ Im vergangenen Jahr habe man den Anstieg „noch selbst geschluckt“. Doch nun könne man das „nicht mehr auffangen“. Der Verbraucher wird zur Kasse gebeten.

Betroffen sind fast alle Haushalte in Rotenburg. Rund 90 Prozent der Kreisstädter heizen mit Gas, und bei diesen habe man eine Abdeckung von 93 Prozent, heißt es bei den Stadtwerken. Rund 6700 Anschlüsse gibt es im Rotenburger Stadtgebiet, dazu kommen Bötersen und mittlerweile auch Visselhövede mit rund 1000 Gaskunden. 

Der Ölpreisanstieg könnte eine Ursache sein

Dass die Stadtwerke mit ihren Preisen im Vergleich auch zu den großen Anbietern wie EWE oder Eon punkten, zeige gerade Visselhövede: Dort sei man als größter Anbieter sogar zum Grundversorger aufgestiegen – die Kunden haben gewählt und entschieden.

Warum die Gaspreise an der Energiebörse, wo die Stadtwerke selbst einkaufen, zuletzt so drastisch gestiegen sind, erschließt sich nicht, sagen David und Boschen. Es gebe eigentlich genug Gas am Markt, genug Reserven. Auch andere Experten rätseln. Einfluss hat wohl der Ölpreisanstieg im Laufe des Jahres, auch wenn es eine unmittelbare Kopplung beider Preise nicht mehr gibt, heißt es. 

Zudem soll die Trockenheit im Sommer zum Preisanstieg beigetragen haben, weil nicht mehr so viel Kohle über die Flüsse transportiert werden konnte und deshalb zum Teil mehr Energie aus Gas gewonnen wurde sowie leere Speicher aufgefüllt werden mussten. Auch habe Russland verstärkt den attraktiven asiatischen Markt beliefert, was Gas in Europa etwas knapper werden ließ.

Erdgas ist als Technologie wichtig, aber vor Ort schwierig

Mit Blick auf die Kritik an der Förderung in der Region sagt Boschen, dass Erdgas als Brückentechnologie „unverzichtbar im Energiemix“ sei – „bis wir richtig grün sind“, so David. Deswegen sei es auch kein Widerspruch, wenn die Stadtwerke mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke als effizient loben, auf der anderen Seite aber gegen die Förderung vor Ort votierten. 

Stadtwerke-Chef David ist vor allem die Durchbohrung der Rotenburger Rinne als Trinkwasserspeicher ein Dorn im Auge: „Das geht gar nicht.“ Hier müsste angesichts der unkalkulierbaren Risiken die Förderung sofort gestoppt werden. 

Ins heimische Netz werde das Gas aus Norddeutschland zudem gar nicht eingespeist – weil sogenanntes L-Gas gefördert werde, was hier nicht mehr verwendet wird. Dass das Erdgas stattdessen vor allem aus Russland kommt, sei „in Ordnung“ – auch dort werde „nach höchsten Standards gefördert“, so David. Die Alternative seien die USA. Und die sei aus ökologischer Sicht noch viel zweifelhafter. David: „Trump will hier sein gefracktes Flüssiggas loswerden.“

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