Deutsch lernen, Freunde finden

Rotenburger Mutter-Kind-Sprachlernkurs geht erfolgreich zu Ende

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Im Familienzentrum an der Großen Straße geht in dieser Woche der Sprachlernkursus für junge Mütter zu Ende. Ziel ist es, einen weiteren folgen zu lassen. Ob das klappt, ist aber noch offen. Zuletzt nutzte Simbav das Familienzentrum und das Jugendzentrum.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das kann nicht sein. Mit diesem Gedanken hat Marie Charbonnier in der Rotenburger Kreiszeitung über den Abschluss eines ersten Sprachlernkurses für Mütter kleiner Kinder gelesen, der womöglich aus finanziellen Gründen zugleich auch der letzte dieser Art in Kooperation von Simbav und der Volkshochschule sein würde.

„Wir konnten da was machen“, berichtet die Frau von der Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe beim Landkreis Rotenburg. Marie Charbonnier ergriff die Initiative – und am Dienstagvormittag nun kann sie zusammen mit den Macherinnen vor Ort über den Abschluss des zweiten Kurses dieser Art berichten. Knapp 20.000 Euro hat das Angebot gekostet – die Mittel dafür hat der Landkreis Rotenburg locker gemacht.

Die Atmosphäre im Familienzentrum an der Großen Straße ist lebhaft. Im vorderen Raum spielen die Mädchen und Jungen in Begleitung eines ehrenamtlichen Helferteams auf dem Fußboden. Im hinteren Zimmer des Familienzentrums sitzen zahlreiche Frauen mit der Lehrerin Diana Miesner an einem Tisch zusammen. Bücher, Blöcke und Stifte liegen bereit. 

Es ist die letzte Woche des Sprachlernkurses, für dessen inhaltliche Gestaltung die VHS die Fäden in der Hand hat. Sechs Monate lang sind diese Frauen an vier Tagen in der Woche zum vierstündigen Unterricht gekommen. Ihre Kinder sind immer dabei gewesen und waren in guten Händen. Das Ergebnis nach einem halben Jahr fasst Simbav-Koordinatorin Ina Helwig zusammen: „Die Frauen haben unglaubliche Fortschritte gemacht, und die Kinder fühlen sich sehr wohl.“

Schöne Arbeit und große Herausforderung

Die Frauen: Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Bosnien, Somalia, Irak, Iran und Kamerun. Ihre Voraussetzungen für diesen Sprachkursus könnten unterschiedlicher nicht sein. Analphabeten sind ebenso unter ihnen, wie Frauen, die schon erste Deutschkenntnisse mitbringen. „Eine schöne Arbeit“, sagt Ina Helwig, „aber auch eine große Herausforderung.“ 

Die Inhalte dieses Angebotes gehen allerdings weit über die sprachliche Bildung als Grundlage für eine gelingende Integration hinaus. Einer der vier Tage pro Woche steht im Zeichen eines Elternbildungsangebotes. Es geht um Ernährung, Basteln und Spielen mit den Kindern sowie um Schwangerenberatung. „Das alles hat sich gut entwickelt und sehr dazu beigetragen, dass die Frauen offener geworden sind und sich anbinden“, erklärt Ina Helwig. 

Simbav sei im Laufe der Monate zu einem Ort geworden, von dem sie wüssten, dass sie ihn jederzeit aufsuchen können, wo sie andere Frauen treffen und auch ihre Sorgen und Nöte besprechen können. Inzwischen sprechen sie gut Deutsch und halten sich auch an die klaren Regeln, die sein müssen, um das Ganze zu einem Erfolg entwickeln zu können, sagen Helwig und Miesner. 

Freundschaften entstehen

Im Unterricht sprechen alle nur Deutsch, und jede Teilnehmerin sollte gute Gründe vorbringen können, wenn sie mal nicht erscheint. Die Lehrerinnen sind vielleicht wegen dieser klaren Regeln zu echten Vertrauenpersonen geworden. 

Denn sie machen deutlich: „Das ist hier keine Bespaßung, sondern das alles kostet auch sehr viel Geld.“ Aber alles hat sich gut eingespielt, aus dem gesamten Team und den Teilnehmerinnen hat sich zusammen mit den Kindern eine gut funktionierende Gemeinschaft gebildet, aus der auch Freundschaften hervorgehen.

Teil dieser Gemeinschaft ist die junge Türkin Ilknur Kotlu. Sie lebt seit drei Jahren in Deutschland, spricht ausgezeichnet Deutsch und bringt sich mit viel Herzblut bei Simbav ein. Sie bestätigt, dass auch die Kinder Fortschritte machen – vor allem auf ihrem Weg in Richtung Kindergarten und Schule.

Kurs schafft Freiräume

Sie finden im Rahmen dieses Angebotes Freunde und lösen sich nach und nach von ihren Müttern. Auf der anderen Seite erfahren die Mütter, wie gut es ist, die Kleinen auch mal loszulassen. Andrea Heckmann und Angela Glock haben die Betreuungsarbeit fest im Griff, sie sind immer dabei und organisieren das Miteinander auch mit den weiteren ehrenamtlichen Helferinnen.

Die Versorgung junger Mütter aus krisen- oder kriegsgeschüttelten Ländern ist schwierig, sagt Dörte Erber von der Koordinierungsstelle für Sprachförderung beim Landkreis. Gerade dieses Projekt zeige aber, wie gut es ist und wie es laufen kann. „Das ist keine Selbstverständlichkeit – wir waren wirklich ganz von den Socken.“ 

Alle wollen das Gemeinschaftsprojekt fortsetzen, auch Birgit Lynge, die für die VHS mit am Tisch sitzt. Aber: Es werden passende Räume gebraucht – einer für den Unterricht, daneben ein weiterer für die Betreuung der Kinder mit Bad, Küche und zugänglichem Außenbereich. Bis so etwas gefunden ist, wird die Gruppe immerhin einmal in der Woche weiterhin zusammenkommen.

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