Rotenburger Jazzclub „Just Jazz“ hat weltbesten Gitarristen in der Glasrotunde zu Gast

Ein ganz und gar atemberaubender Robinson-Freitag

Alles lauscht und staunt, wenn Joe Robinson Stimme und Gitarre zum Klingen bringt. Foto: Pröhl

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Die Glasrotunde an der Industriestraße erstrahlt an diesem Freitagabend in besonderem Licht. Der Rotenburger Jazzclub „Just Jazz“ lädt mal wieder seine Fans zu einem besonderen Leckerbissen. Und wenn Michael Behr, der Vorsitzende, seine Fühler ausstreckt, dann lockt er auch Künstler mit Weltruf an die Wümme. Kein Geringerer als der nicht mal 30-jährige Joe Robinson aus Australien hat den Weg in die Stadt gefunden. Offenbar kein Problem, wo seine Konzertreise ohnehin von Amsterdam über China nach Schweden und danach nach Chicago und Ohio führt. Oder war es umgekehrt?

Da liegt Rotenburg ja irgendwie auf der Strecke. Bis der Gitarrist jedoch die Bühne betritt, verkündet Behr: „Es gibt leider einen Krankheitsausfall.“ Nicht der Star des Abends sei ausgefallen, wohl aber der Künstler, der eigentlich fürs Warm-Up zuständig sein sollte. Statt seiner konnte jedoch Jörg Seidel aus Bremerhaven gewonnen werden. Wer um alles in der Welt ist das? „Ich bin heute eine Band“, sagt der Gitarrist reiferen Alters, „ich werde jetzt zwei Stunden spielen.“ Witzig ist der Mann schon mal, und nach ein paar Takten ausgefeilten Blues und exquisiten Gesanges erweist er sich auch als hoch musikalisch. Außerdem erzählt er, mit Joe Robinson schon musiziert zu haben.

Dann steht Behr erneut auf der Bühne, erzählt, dass er den Künstler des Abends bereits vor zehn Jahren kennengelernt habe, bevor der seine Premiere in der Kreismusikschule hatte und für Staunen sorgte. Und dann betritt Joe Robinson unter großem Jubel die Bühne. „Hello, I‘m back in Rotenburg“, sagt er und legt los. Und da ist wieder dieses fassungslose Erstaunen der Zuhörer über sein filigranes, virtuoses und hoch komplexes Spiel. Als habe der Mann mehr als zwei Hände und zehn Finger. Komplizierteste Läufe und Griffe in atemberaubendem Tempo, schwebende und wuchtige Klänge, die aus mehr als sechs Seiten sprühen und Rhythmen, die Robinsons ganzen Körper durchzucken. Alles scheint im Takt, sogar sein Blick auf die Uhr. Akkorde und Schlagtechnik folgen einer reflexartigen Choreografie, Akustik- und E-Gitarre werden nicht geschont. Und wenn Robinson das nicht reicht, spielt er eben auf beiden Instrumenten gleichzeitig. Und weil der Mann ohnehin hyperaktiv ist, kommt die Loop-Station zum Einsatz, die sein Spiel vervielfacht und schon hat man die „Robinson Brothers“.

Der Saal tobt. Freundlich lächelnd spielt der Teufelskerl seine halsbrecherischen Arrangements und lässt keinerlei Anstrengungen erahnen. Warum auch? Aus lauter Langweile habe er sich mit sechs Jahren in seiner öden australischen Heimatstadt selber das Gitarre spielen beigebracht, erzählt er. Es dürfte mehr als Fleiß zu dieser Weltkarriere beigetragen haben, und das Publikum ist euphorisch. „Ich finde es sehr virtuos“, lautet die noch etwas zurückhaltende Begeisterung eines jüngeren Gastes. Sein Vater wird deutlicher: „Was der da spielt, ist so brillant, phänomenal!“ Und eine Dame aus der letzten Reihe: „Wie geil ist es, wenn der in der Wüste Australien lebt und dann Gitarre spielt?“

Joe Robinson rockt also das Glashaus. Dass sich die jubelnde Gäste mehr als eine Zugabe erklatschen, ist klar. Sogar Jörg Seidel darf noch mal ran: „Ein unglaublicher Typ“, sagt er, singt und spielt mit Robinson und sonnt sich in seinem Bühnenlicht. Dies geht erst sehr spät an diesem Robinson-Freitag aus.

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