Mehrere ehemalige DFB-Funktionäre unter Verdacht

Fußball-Razzia in Rotenburg: Steuerfahnder durchsuchen Reinhard Grindels Haus

Die Vergangenheit hat Reinhard Grindel eingeholt. Teile des Wochenendes hat der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch auf dem Sportlatz in Rotenburg verbracht, nun rückt die ehemals große Bühne wieder in den Vordergrund. In mehreren Bundesländern laufen seit Mittwochvormittag Razzien.

  • In mehreren Bundesländern laufen seit Mittwochvormittag Razzien.
  • Die Geschäftsräume des DFB sowie Privatwohnungen von ehemaligen und aktuellen Verbandsfunktionären werden durchsucht.
  • Im Fokus steht auch das Wohnhaus von Reinhard Grindel in Rotenburg.

Rotenburg/Frankfurt – Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main die Geschäftsräume des DFB sowie Privatwohnungen von ehemaligen und aktuellen Verbandsfunktionären durchsucht. Dabei geht es um Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Nationalmannschaft in den Jahren 2014 und 2015.

VerbandDFB
PräsidentFritz Keller
Gründung28. Januar 1900, Leipzig
ZentraleFrankfurt am Main

Ermittler in schusssicheren Westen durchsuchen Haus von Reinhard Grindel

Ins Visier ist dabei offensichtlich auch Reinhard Grindel geraten, der auf Nachfrage aber direkt klarstellt: „Ich werde mich zu den Vorwürfen nicht äußern.“ Er war damals zwar noch nicht Präsident, wohl aber Schatzmeister des größten Einzelsportverbands der Welt. Was ihm konkret zur Last geworfen wird, wollte vor Ort ebenfalls niemand beantworten. „Ich bin mir aber ganz sicher, dass von den Vorwürfen gegen meine Person nichts hängen bleibt, dass ich keine negativen Konsequenzen befürchten muss“, betont Grindel jedoch.

Seit den Morgenstunden durchsuchten Mitarbeiter der Steuerfahndung, der Oberfinanzdirektion Frankfurt, des Bundeskriminalamts und des Ordnungsamts das Privathaus. Sie waren mit sechs Fahndern in vier Autos gegen 7.30 Uhr angerückt. Grindel hat sich zu diesem Zeitpunkt in Berlin aufgehalten, das bestätigt er. Da sein Sohn in der Schule und seine Ehefrau auf der Arbeit gewesen waren, hatten die Fahnder einige Nachbarn informiert. Diese hätten den Kontakt hergestellt, sodass wenig später Grindels Frau in ihrem Mercedes-Geländewagen vorgefahren sei, um die Türen zu öffnen.

Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Länderspielen

Laut der Staatsanwaltschaft Frankfurt besteht der „Verdacht der fremdnützigen Hinterziehung von Körperschafts- und Gewerbesteuern in besonders schweren Fällen“. Konkret geht es um Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Länderspielen in den Jahren 2014 und 2015, im Visier der Ermittler steht vor allem der dazugehörige Vertrag vom Dezember 2013. Den sechs beschuldigten Personen wird zur Last gelegt, Einnahmen „bewusst unrichtig als Einnahmen aus der Vermögensverwaltung erklärt zu haben, damit der DFB insoweit einer Besteuerung in Höhe von etwa 4,7 Millionen Euro entging“. Die Namen der Verdächtigen wurden in der Mitteilung von Oberstaatsanwältin Nadja Niesen nicht genannt.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main am Mittwoch die Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie Privatwohnungen von DFB-Verantwortlichen durchsucht.

Mit seiner Bandenwerbung, ein wichtiger Teil der Vermarktung des Weltmeisters von 2014, steht der DFB schon länger in der Kritik. Der Verband und seine langjährige Vermarktungsagentur Infront hatten kürzlich ihre Zusammenarbeit nach fast 40 Jahren „einvernehmlich“ beendet. Begründet wurde dies mit Ergebnissen einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Esecon. Darin waren Vorwürfe gegen Infront erhoben worden. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz hatte diese zurückgewiesen und die Kündigung durch den DFB nicht anerkannt. Die Agentur hatte bis 2018 den Auftrag, Bandenwerbepartner für Spiele der Nationalelf zu beschaffen. Laut dem Ermittlungsbericht von Esecon habe die Firma 2013 vom DFB den Zuschlag für das Geschäft erhalten, obwohl ein Konkurrent bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe.

Reinhard Grindel will sich mit DFB-Anwälten zusammensetzen

Im Gespräch mit dem Handelsblatt soll Grindel gesagt haben: „Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“ Die Grenzziehung zwischen steuerbegünstigter Vermögensverwaltung und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb sei im DFB schon länger Thema gewesen. Er habe sich aber auf das verlassen, was ihm die Wirtschaftsprüfer und Steuerberater gesagt hätten. Sämtliche Unterlagen aus seiner Zeit beim DFB habe er in Frankfurt gelassen. Wie es nun weitergeht? Unklar. „Ich werde mich mit den Anwälten des DFB zusammensetzen und sprechen. Dann sehen wir, wie es weitergeht“, kündigt Grindel an. 

Reinhard Grindel war als DFB-Schatzmeister aktiv

Reinhard Grindel war von Oktober 2013 bis April 2016 Schatzmeister im Präsidium des DFB. Im April 2016 wurde er Präsident des DFB, trat aber drei Jahren später wegen einer „Uhren-Affäre“ zurück. Im Juni 2016 hatte er sein CDU-Bundestagsmandat für die Fußball-Funktionärskarriere niedergelegt. Zuletzt gab es Spekulationen über eine politische Rückkehr Grindels als Kandidat im Wahlkreis „Stade I - Rotenburg II“. Dem hatte er aber offiziell eine Absage erteilt, für den heute 59-Jährigen werde es bei der Bundestagswahl 2021 kein politisches Comeback geben.

(mit sid und dpa)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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