Funkiges mit Hüftschwung

Jon Hammond und Band überzeugen mit viel Charme

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Der Saxofonist der NDR-Bigband, Frank Delle, und Michael Leuschner, Leiter des Jugendjazzorchesters Mecklenburg-Vorpommern am Flügelhorn, waren gefordert, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Rotenburg – Ein veritabler Coup ist Michael Behr gelungen, der seit einer Saison die Geschicke des Rotenburger Clubs „Just Jazz“ maßgeblich prägt. Mit seiner Wahl zum ersten Vorsitzenden werden die Grenzen des Jazz jenseits von Dixieland in der Konzertreihe neu ausgelotet. So auch am Dienstagabend im Rotenburger Heimathaus mit der Jon Hammond Band.

Der Namensgeber der als Quintett erschienenen Formation hatte sich neben dem langjährigen Wegbegleiter Joe Berger an der Gitarre und den Freund Heinz Lichius aus vergangenen Hamburger Tagen an den Drums wie jedes Jahr nach der Frankfurter Musikmesse Bläserverstärkung geholt. Nur dieses Mal eben nicht nur für den obligatorischen Gig in der Hamburger Oyster Bar, sondern – Behr hatte schon frühzeitig die Weichen gestellt – nun auch in Rotenburg. „Ich kenne Heinz schon länger und habe schon angefragt, noch bevor Jons Terminplan für dieses Jahr überhaupt stand“, verrät der findige Booker der Rotenburger Jazzfreunde.

Wer Hammond heißt, der spielt – richtig geraten: die gleichnamige Orgel. Der unverwechselbare Sound sollte denn auch in den folgenden zweieinhalb Stunden dominieren – auch wenn es sich mit einer SK1 um das kleinste portable Modell handelte; „meine B3 mit 500 Kilo hätte wohl keine Fluggesellschaft mitgenommen“, frotzelte der New Yorker. Auch so käme einiges an Gewicht zusammen – aus Dankbarkeit für den Transport benannte er eins seiner Stücke nach einer kulanten Airline. Ergänzt wurde der musikalisch wie verbal eloquente Tastenzauberer von fantastischen Musikern, die ebenso die Grundlage für seine Improvisationen legten als auch solistisch ihren Mann standen.

Funkig legten der Komponist, TV-Moderator und Radio-DJ und seine Mitstreiter los, etwa mit „New Funk“ – mit 25 Jahren nicht mehr wirklich neu, aber nach wie vor spritzig –, um sich anschließend lustvoll an unterschiedlichen Stilistiken vom Bossa Nova bis zum Blues abzuarbeiten.

Nicht nur an den Tasten, sondern auch am Mikro erwies sich der New Yorker Jon Hammond als exzellenter Entertainer.

Inspiriert werden die Stücke des Weltbürgers häufig von Reisen; so widmete er einer Unbekannten aus einem Pariser Café ebenso ein Lied wie der Bundesbahn mit dem „Train Song“, ja sogar ein defekter Kopfhörer oder die Krümel eines Taschentuchs nach der Waschmaschine hatten musikalische Spuren hinterlassen.

Während die Spielfreude den gut aufeinander eingegroovten drei Altveteranen Hammond, „Bürgermeister“ Berger und Lichius aufs Gesicht geschrieben stand, hatten die beiden Bläser, Saxofonist Frank Delle und Michael Leuschner von der NDR Bigband, alle Finger voll zu tun, um die vertrackten Stücke mit schnellen Läufen vom Blatt zu blasen. „Ich ändere die Setlist jeden Abend“, verriet Hammond nach dem Konzert, „je nach Örtlichkeit – ich horche in den Raum hinein.“ Was er im Heimathaus hörte, schien ihm zu gefallen: der Saal mit seinem urigen Ambiente bekam nicht nur ein dickes Lob, sondern auch das ein oder andere Lied gewidmet. „We don’t want to burn the house down (Abfackeln wollen wir es aber nicht)“, meinte er schelmisch, „schließlich ist es das ja schon ein paar Mal.“

Leuschner an der Trompete und Delle am Tenorsax schlugen sich wacker; auch an diesem Abend waren einige Stücke neu im Repertoire, „geübt wird beim Soundcheck“, so Hammond. Das rang auch Jörg Meyer, einer der zahlreichen Musiker im Publikum, Respekt ab: „Tolle Musiker mit viel Gefühl.“ Sein besonderes Lob galt dem Drummer-Kollegen: „Er spielt genau auf den Punkt und ist dabei trotzdem super-entspannt!“ Er reagierte, genau wie seine Bandkollegen, auf jeden Fingerzeig des Meisters. Der erwies sich als echter Entertainer: vor jedem Song eine Plauderei, vom verpassten Zug in Kaiserslautern bis zu Erdnüssen mit „The Who“-Bassist John Entwistle, und zum Song ein unvergleichlicher Hüftschwung. Am Ende lud der Charismatiker das gesamte Publikum auf einen Kaffee am Times Square ein, „solltet ihr mal in New York sein“. 

hey

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