Europawahl am 26. Mai

Fundament für Europa-Kompetenz: „Juniorwahlen“ an den BBS Rotenburg

Markus Reupke (v.l.), Erwin Eggers und Sylvia Schröder bereiten die „Juniorwahl“ an den Berufsbildenden Schulen vor, an der rund 700 Schüler teilnehmen werden. Foto: go
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Markus Reupke (v.l.), Erwin Eggers und Sylvia Schröder bereiten die „Juniorwahl“ an den Berufsbildenden Schulen vor, an der rund 700 Schüler teilnehmen werden.

Rotenburg – Die Europawahl rückt immer näher. Auch in Deutschland sind wieder viele junge Erwachsene am 26. Mai als Erstwähler dabei, um über die Zusammensetzung des Europa-Parlaments mitzubestimmen. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erklären zwei Lehrer und einer Lehrerin der Berufsbildenden Schulen Rotenburg – Europaschule, Abteilungsleiter und Europa-Koordinator Erwin Eggers, Fachgruppenleiter Politik Markus Reupke und Sylvia Schröder (Berufsbereich Sozialpädagogik), wie die jungen Leute auf die Wahl vorbereitet werden.

„Als Europaschule bieten wir ein Fundament für junge Menschen, um die Vorgänge in Europa in politischen, wirtschaftlichen sowie kulturellen Bereichen zu verstehen. Dazu vermitteln wir ein umfassendes Wissen. Ziel ist es, dass die Schüler Europa-Kompetenzen entwickeln“, erklärte Reupke zu Beginn des Gesprächs. Zudem habe sich die Schule auf die Fahnen geschrieben, Bande mit anderen Schulen aus EU-Ländern zu knüpfen und dadurch die Mehrsprachigkeit sowie das Verständnis verschiedener Kulturen füreinander zu fördern.

Wer das aktive oder passive Wahlrecht ausüben will, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Sind die jungen Wähler aber bereits genügend informiert und reif genug, um sich der Tragweite ihrer Entscheidungen bewusst zu sein? Reupke weiß eine Antwort: „Ein Grundwissen bringen unsere Schüler bereits von den zuvor besuchten Schulen mit.“ Er betont, dass vieles davon wieder in Vergessenheit geraten sei, die Schüler aber sehr an der Thematik Europa und den Wahlen interessiert seien. „Ich habe im Unterricht festgestellt, dass man junge Leute dazu begeistern kann, aber auch muss“, fügt Schröder hinzu. Den Schülern werde bewusst gemacht, dass man durch die Teilnahme an der Wahl Dinge in Europa verändern, aber auch Bestehendes erhalten kann.

„Wir führen an der Schule sogenannte ,Juniorwahlen’ durch. In diesem Jahr nehmen 38 Klassen daran teil“, erklärt der Politikfachgruppenleiter. Zudem würden 17 Lehrkräfte mitmachen. Bei der „Juniorwahl“ gehe es im Prinzip darum, junge Leute – Erstwähler, aber auch vom Alter her noch nicht Wahlberechtigte –  auf den Gang zur Urne vorzubereiten, ihnen den Ablauf zu verdeutlichen und vor allen Dingen die Bedeutung und Wichtigkeit einer Wahl als wesentlichen Bestandteil der Grundrechte einer Demokratie zu verdeutlichen.

Mit geförderten Projekten werden Schüler theoretisch und praktisch (durch Besuche in EU-Ländern) über die Vereinigung informiert. Jährlich finden mehrere Schüleraustausche statt. „Dabei entwickeln unsere Schüler Personalkompetenz. Sie kommen wesentlich gestärkt wieder“, berichtet Schröder vom positiven Feedback. Bei den Aufenthalten im Ausland seien Freundschaften entstanden, dazu werde gezeigt, dass unterschiedliche Kulturen und Religionen keine Hemmnisse für eine Vereinigung darstellen. Bei den Gastfamilien hätten die Austauschschüler herzliche Gastfreundschaft erlebt und dabei festgestellt, wie wichtig die EU für die Völkerverständigung ist.

Die im Ausland eingesetzten Praktikanten hätten von ihren dortigen Arbeitgebern durch die Bank hervorragende Beurteilungen erhalten. „Es ist vorgekommen, das ehemalige Praktikanten ins Ausland gegangen sind, um dort zu leben und zu arbeiten“, weiß Eggers. Einige Austauschschüler hätten die Gastfamilien auch später privat im Urlaub oder in den Ferien besucht. Das hat sich in der Schule rumgesprochen.

„Die Friedensphase, in der wir leben, ist noch nie so lang gewesen wie in den vergangenen Jahrzehnten“, lenkt Schröder das Gespräch in eine neue Richtung. Das habe für sie auch mit der stark gewachsenen EU zu tun. Dass durch Populisten Gefahr für das vereinte Europa ausgehe, hätten die Schüler aus Gastvorträgen von Europa-Politikern erfahren. Auch der „Brexit“ sei an der Schule ausgiebig im großen Rahmen in der Aula mit Europapolitikern diskutiert worden.

„Wer als Pro-Europäer nicht zur Wahl geht, fördert den Populismus“, schätzt Eggers die Situation ein, dass junge Menschen erkennen, wie wichtig es ist, sich selbst in Europa mit einzubringen. „Es gibt immer wieder Populisten und neue extreme Kräfte, die versuchen, Menschen zu ,verführen’ und es ist unsere Daueraufgabe als zertifizierte ,Schule mit Courage’, den Schülern Toleranz und Aufgeschlossenheit zu vermitteln und von anderen Kulturen zu lernen“, so Reupke. Es zeige sich immer wieder: Geschichte ist wiederholbar, und zwar durch Vergessen und wenn man nicht laufend am Ball bleibe.

Die BBS Rotenburg feiern morgen ihr 20-jähriges Bestehen als Europaschule. Nach einem Festakt informieren Schüler und Lehrer die geladenen Gäste über ihre Tätigkeiten.

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