Fulminantes Saisonende der Rotenburger Konzerte mit dem Gelius Trio

Smetana, Charleston und eine Prise Tom & Jerry

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Sreten Krstic (l.), Micaela Gelius und Michael Hell überzeugten bei einer großen Bandbreite von Schubert bis Schoenfield.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Ein bisschen sind die Rotenburger Konzerte unter der Planung von Niels Kruse wie die Treffen mit einem Weltreisenden: Auch bei der jüngsten Auflage am Donnerstagabend, der letzten der sechs dieser Saison vor der Sommerpause, hatte der Weltenbummler in Sachen Musik eine Entdeckung dabei, die er gern mit den Zuhörern in der Aula der Realschule teilte: das Gelius Trio.

Und das hatte wiederum mehr im Gepäck, als das eingängliche Allegro in B-Dur von Franz Schubert vermuten ließ. Das im Programmheft beschworene „gemeinsame Atmen“ der Namensgeberin Micaela Gelius am Steinway-Flügel und der beiden Konzertmeister der Münchener Philharmoniker, Sreten Krstic (Geige) und Michael Hell (Cello); es wollte sich indes beim „Warm-Up“ mit diesem Frühwerk Schuberts noch nicht immer einstellen.

Ganz anders bei den Klangwelten, die sich bei Smetanas Trio in g-Moll eröffneten. Das düster-bedrohliche, unter dem Einfluss der im Alter von vier Jahren verstorbenen Tochter komponierte Werk, im Moderato mit seinen Unisono-Abstiegen in die Unterwelt, um dann unvermittelt in Dur aufzubrechen, mit dramatischen Läufen als Kontrapunkt zu lieblichen Haltetönen, nahm sich aus wie eine Achterbahnfahrt des Lebens. Und auch die Entdeckungsreise im Allegro mit immer wieder neuen Motiven und Decrescendi bis zur sprichwörtlich fallenden Nadel machten einen Höhepunkt des Konzerts aus. Nicht den einzigen, denn auch das romantische Trio in c-Moll von Edouard Lalo im zweiten Teil gelang vom Feinsten, wobei vor allem Michael Hell am Cello immer wieder Akzente setzte.

Waren die vorherigen Darbietungen Reisen in benachbarte Länder, so beamte sich das seit 1999 gemeinsam musizierende Trio mit „Café music“ des zeitgenössischen Komponisten Paul Schoenfield in ein anderes, weniger ehrwürdiges, aber nicht minder komplexes Universum: Ein mitreißendes Allegro, bei dem das wiederkehrende Motiv sich durch Tango, Swing und Charleston zog, im anschließenden Andante fast cineastische Assoziationen und mehr als ein Zitat gängiger Phrasierungen mit Anklängen an „Summertime“ – das rang auch den hoch konzentrierten Musikern ein glückseliges Lächeln ab.

Kein Wunder, dass das Publikum nach einem furios-finalen Presto mit treibendem Piano und der Dramatik einer Verfolgungsjagd à la Tom & Jerry nach Mehr verlangte. „Noch mehr Schwung?“, fragte Hell und schob mit seinen beiden Mitstreitern zwei Stücke von Astor Piazolla nach, die den Abend mit dem Wechsel romantisch-getragener und feuriger Passagen wunderbar subsumierten.

Auf die neue Saison mit weiteren Ausflügen in neue Musikwelten darf man schon jetzt gespannt sein.

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