SPD und Grüne wollen Torsten Oestmann als Rotenburger Bürgermeister

Für beide überparteilich

Der Kandidat Torsten Oestmann (M.) mit denen, die politisch hinter ihm stehen: Gilberto Gori (v.l.) und Ingo Krampitz von der SPD sowie Stefan Fuchs und Elisabeth Dembowski von den Grünen.
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Der Kandidat Torsten Oestmann (M.) mit denen, die politisch hinter ihm stehen: Gilberto Gori (v.l.) und Ingo Krampitz von der SPD sowie Stefan Fuchs und Elisabeth Dembowski von den Grünen.

Rotenburg – Es ist durchaus eine größere Überraschung, dass Torsten Oestmann an diesem Mittwochabend im Rotenburger Kantor-Helmke-Haus neben seiner Frau auf einem Sofa sitzt. Es ist ein rotes, ganz zufällig natürlich, dass sich neben ihn im dem Virus geschuldeten Abstand allerdings die Spitzen der SPD und Grünen in der Kreisstadt setzen, ist keiner: Sie wollen den Leiter der hiesigen Polizeiinspektion bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr zum Bürgermeister machen.

Erst am Nachmittag hat Oestmann die 350 Mitarbeiter seiner Inspektion informiert, selbst die Familie hat erst kurzfristig davon erfahren. Der Papa – altbekannter Rotenburger Friseurmeister – sollte noch nichts ausplaudern. Das klappte. Das Wort Überraschung fällt auch, als der 56-Jährige berichtet, wie ihn im Juni Ingo Krampitz als Chef des 117 Mitglieder zählenden Ortsvereins der Genossen angerufen hatte. Mit privatem politischem Engagement hatte sich Oestmann, erst seit vergangenem Sommer als Polizeichef zurück in seiner alten Heimat, als Beamter stets zurückgehalten. Aber die Frage, ob er sich das Amt des Bürgermeisters vorstellen könne, habe ihn bewegt. Mit seiner Frau Beate habe er das Für und Wider erörtert, nach zwei Wochen stand fest: „Es war eine Basis und Vertrauen da.“ Erstmals wird durch SPD und Grüne in Rotenburg von zwei Parteien gemeinsam ein Kandidat nominiert, Oestmann betont sodann: „Ich bin kein Parteimitglied und trete überparteilich an.“ Er sehe sich als „Demokrat der Mitte“ – wohlgemerkt eher zwischen rot und grün, weniger bei schwarz. Wohl aber ist es auch die politische Farbenlehre, die die gemeinsame Findungsgruppe motiviert hat, geschlossen vorzugehen. „Das könnte ein großer Vorteil für die Ratsarbeit sein“, sagt SPD-Fraktionschef Gilberto Gori vor dem Hintergrund innerparteilicher Differenzen und dem nicht immer einfachen Verhältnis der Genossen zu ihrem scheidenden Bürgermeister Andreas Weber.

Man sei als SPD in der Kreisstadt gut „durchgerüttelt“ worden nach dem Hin und Her um den Rücktritt vom Rücktritt im Zuge der IGS-Oberstufendebatte im Herbst und den dann im Juni doch verkündeten Abschied von Weber als Rathauschef. Eine „Tragödie mit Andreas“, sagt Rotenburgs SPD-Chef Ingo Krampitz. Nun aber blicke man zuversichtlich auch auf die parallel zur Bürgermeisterwahl stattfindende Kommunalwahl im Herbst 2021. Ziel sei dort ohne Frage die Ratsmehrheit – gemeinsam mit den Grünen. „Wir wollen schließlich gestalten“, so Grünen-Fraktionssprecherin Elisabeth Dembowski. Die Nominierung Oestmanns gebe nun auch Rückenwind für die Suche nach weiterem Personal für die Ratsarbeit.

„Ich habe erreicht, was ich erreichen wollte“, sagt Oestmann. Beruflich sei er als Polizeichef in seiner Heimatstadt angekommen. Nun sucht er die neue Herausforderung, für die er die volle Rückendeckung seiner Vorgesetzten habe. Oestmann ist mit seinen Eltern 1967 aus dem bayerischen Aschaffenburg nach Rotenburg gekommen. Die Eltern Friseure, schlägt er nach dem Abitur 1983 am Ratsgymnasium die Polizeilaufbahn ein. Mit seiner Frau Beate bekommt er zwei Söhne, die Familie zieht nach Sottrum, weil sie dort ein Neubaugrundstück findet. Heute sind die Söhne 22 und 26, längst aus dem Haus, Oestmann steht als einer der vielen Interessenten auf der Wunschliste für ein Grundstück in der alten Heimat. Dorthin kehrte er auch im vergangenen Jahr beruflich zurück, nachdem er zuvor als Personalleiter in der Lüneburger Polizeidirektion und anschließend als Inspektionsleiter in Stade tätig war. „Ich wäre bereit, die Uniform an den Nagel zu hängen“, sagt er mit Blick auf die Stelle als Rathauschef. Dass dort derzeit noch jemand sitzt, der zuvor auch Polizeichef war, ist „reiner Zufall“, sagt Krampitz. Dembowski betont aber auch, dass ihr Kandidat vieles aus seinem beruflichen Leben mitbringe, was für das Bürgermeisteramt wichtig sei: Personalführung, der Blick in die Gesellschaft, Unvoreingenommenheit. Oestmann selbst sagt über sich, er möchte „ausgleichend“ wirken. Und so poltere er in den nun beginnenden Wahlkampf auch nicht gleich mit Themen hinein, sondern wolle erst „alle Fakten auf dem Tisch liegen haben“, um sich dann eine Meinung zu bilden. Aber natürlich gehe es darum, die Stadtentwicklung voranzutreiben und unter anderem Präventionsthemen nicht zu vernachlässigen.

Es sei sowohl Grünen als auch der SPD wichtig, dass jemand aus Rotenburg Bürgermeister in Rotenburg wird, sagt Krampitz: „Und nicht jemand aus Bremervörde oder Tarmstedt.“ Damit spielt er natürlich auf den CDU-Kandidaten Frank Holle an, aktuell noch Bürgermeister der Samtgemeinde Tarmstedt. Angesprochen auf seinen politischen Kontrahenten hielt der sich am Mittwochabend aber noch zurück. Am 8. Oktober werde die Rotenburger CDU ihn offiziell wählen. Dann werde er sich auch zu Personen äußern.

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