Getreideernte ist vielen Teilen schon fast abgeschlossen

Früher als in anderen Jahren

Nach der Ernte bleiben auf dem Feld große Strohrundballen zurück. Sie bestimmen in diesen tagen viele Flächen im Landkreis Rotenburg.
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Nach der Ernte bleiben auf dem Feld große Strohrundballen zurück. Sie bestimmen in diesen tagen viele Flächen im Landkreis Rotenburg.

Rotenburg – Wer in diesen Tagen versucht, sich mit einem Landwirt zu verabreden, muss mit einem Korb rechnen. Die Bauern nutzen das gute Wetter und kümmern sich um die Ernte. Auf den Feldern im Landkreis ist entsprechend viel los. Auch Jörn Ehlers, Kreislandwirt für Verden und Rotenburg und Vize des Bauernverbandes in Niedersachsen, sitzt bis zum späten Abend auf dem Mähdrescher. Dennoch findet er nach dem Frühstück Zeit für eine Anfrage der Kreiszeitung. „Die Getreideernte ist in vielen Teilen fast abgeschlossen. Sie hat etwas früher als in normalen Jahren begonnen und konnte wegen des überwiegend trockenen Sommerwetters zügig fortgeführt werden“, sagt er. Die Gerste sei abgeschlossen, derzeit würden vor allem noch Winterroggen oder Winterweizen gedroschen.

Es läuft mit der Ernte. Alles gut also aus Sicht der Landwirte? Ehlers: „Die Bandbreite von guten und schlechten Erträgen ist in diesem Jahr sehr groß. Uns hat im Frühjahr für viele Kulturen wieder das Wasser gefehlt, was sich negativ ausgewirkt hat.“ Er rechne mit einer unterdurchschnittlichen Getreide- und Rapsernte.

Beim Blick in den Rückspiegel stößt das Auge immer noch auf die beiden zurückliegenden Hitzesommer. Auf vielen Flächen sei bis weit in den Unterboden keine Feuchtigkeit mehr vorhanden. „Normalerweise füllen sich die Wasservorräte in den niederschlagsreichen Wintermonaten wieder auf, was aber leider auch im letzten Winter nur bedingt passiert ist“, stellt Ehlers fest. Deutlich zu erkennen sei die Trockenheit der letzten drei Jahre vielerorts am Wald. Auch große, tief wurzelnde Bäume haben Probleme und sterben teilweise ab. Der Kreislandwirt: „So hat der Borkenkäfer leichtes Spiel und schädigt auch in unserer Region die Waldflächen.“

Dennoch: Dem Eindruck eines Laien nach sieht der Mais schon recht gut aus. „Absolut“, sagt Ehlers. Bei der Aussaat von Mais habe es teilweise zwar erhebliche Probleme durch Vogelfraß gegeben. Krähen und Kraniche hätten komplette Felder leer geräumt, sodass neu ausgesät werden musste. Ansonsten machten die Maisflächen tatsächlich einen sehr guten Eindruck, „und scheint wieder einmal der Gewinner der herausfordernden Witterung zu werden“. Im Landkreis bewegt sich die Maisanbaufläche ziemlich konstant bei etwa Zweidrittel der Ackerfläche. Ehlers: „Unsere Betriebe sind bedingt durch die Rinderhaltung und Erzeugung von regenerativer Energie auf diese Pflanze angewiesen.“

Und doch macht sich am Mais immer wieder Kritik fest, weil er eben in großen Mengen angebaut wird. „Wir haben zum Glück eine breite Auswahl an Ackerfrüchten, die wir in Deutschland anbauen können. So hat sich teilweise in den Regionen eine Spezialisierung auf bestimmte Fruchtfolgen ergeben“, sagt dazu der Kreislandwirt. Während in Südniedersachsen hauptsächlich Weizen, Zuckerrüben und Raps angebaut würden, eigne sich der hiesige Boden für Mais viel besser. Bedingt durch klimatische Veränderungen und auch züchterischen Fortschritt sei der Maisanbau in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen, bleibe aktuell aber konstant. „Ich persönlich halte Mais für eine hervorragende Frucht, die viele Vorteile mit sich bringt und oft zu Unrecht in der Kritik steht.“

Zu einseitige Fruchtfolgen bergen immer Risiken und haben Nachteile, auch für den Landwirt, fügt Ehlers hinzu. „Hoher Maisanteil lässt sich aber, wenn er gut gemacht ist, sehr verträglich anbauen.“ Mais sei die Kultur, die in der konventionellen Landwirtschaft den geringsten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erforderlich mache. Lediglich Unkräuter müssten beseitigt werden, jedoch sei auch hier bereits oftmals eine Hacke als Ergänzung im Einsatz. Und: „Viele Landwirte ergänzen den Maisanbau durch Einsaat von Zwischenfrüchten oder Grasuntersaaten, was dem Wasserschutz und Humusaufbau dienlich ist. Die neuartige Kombination mit Bohnen, als Mischkultur ist zudem sehr insektenfreundlich.“

Die Landwirtschaft bietet aber auch fernab der Ernte immer wieder Gesprächsstoff. „Wenn ich mir das letzte Jahr anschaue, kommen für uns zu viele Themen in zu kurzer Zeit auf einmal. Wir sind gewillt und in der Lage, neue Herausforderungen und Aufgaben abzuarbeiten, wenn man uns die Möglichkeiten dazu gibt.“

„Viele Abläufe funktionieren von Corona ungestört“

Wie sehr bekommen die Bauern auch bei uns im Landkreis Rotenburg eigentlich die Auswirkungen von Corona zu spüren? „In erster Linie indirekt“, erklärt Kreislandwirt Jörn Ehlers. Einige Märkte hätten sich neu finden müssen. Direktvermarkter brauchten manchmal zum Beispiel neue Abnehmer, als die Gastronomie im Zuge des Lockdowns über viele Wochen weggebrochen war. „Die Corona-Ereignisse in der Schlachtbranche hatten leider extreme Auswirkungen auf unsere Verkaufspreise, und das belastet die Betriebe sehr.“ Positiv empfinde Ehlers, wie ungestört von Corona doch viele Abläufe in der Landwirtschaft weiter funktionieren. Der Kreislandwirt: „Hier geht es uns doch deutlich besser als manch anderer Branche, dass muss man auch einmal sagen.“  men

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