Jan-Peter Petersen und Nils Loenicker präsentieren erstmals neues Stück „macht-aktiv“

Frisch aus der satirischen Quarantäne

Die kabarettistische Vor-Vor-Premiere des neuen Stückes „macht-aktiv“ hatte Jan-Peter Petersen mit Kompagnon Nils Loenicker dabei.
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Die kabarettistische Vor-Vor-Premiere des neuen Stückes „macht-aktiv“ hatte Jan-Peter Petersen mit Kompagnon Nils Loenicker dabei.

Rotenburg – Zwei unterschiedliche Gruppen Betroffener trafen am Freitagabend zu „Kultur trotz(t) Corona“ im Rotenburger Kantor-Helmke-Haus aufeinander: Künstler, die lange nicht auftreten durften, und ein Publikum, das lange auf die hochkarätigen Auftritte verzichten musste. Gemeinsam hatten alle nicht nur mit Corona-Auflagen klar zu kommen, sondern auch die mitunter absonderlichen politischen Geschehnisse einzuordnen.

Dabei kann Kabarett helfen. Poltische Grundkenntnisse genauso vorausgesetzt, wie halbwegs auf dem neuesten Stand zu sein, was das angeht. Denn Kabarettist Jan-Peter Petersen, frisch aus der „satirischen Quarantäne“ entlassen, hatte für das Rotenburger Publikum eine fette Überraschung im Gepäck. Nicht seinen angekündigten Auftritt mit „Germany’s next Ex-Model“, sondern die „Vor-Vor-Premiere“ (so Michael Burgwald, Leiter der Volkshochschule Rotenburg) des neuen Stückes „macht-aktiv“, das Vorpremiere in „Alma Hoppes Lustspielhaus“ feiert. „Ein Ministerium, eine Krise, zwei leitende Beamte“, lautet der Untertitel; mitgebracht hatte Petersen deshalb den Kollegen und Kompagnon Nils Loenicker, bekannt als „Bauer Hader“. Beide zusammen gründeten 1984 „Alma Hoppe“. Was die beiden noch gemeinsam haben, außer einem Lustspielhaus: in einem oftmals irren Tempo ihr politisches und zugleich komödiantisches Kabarett darzubieten. Die Geschwindigkeit war schon bei Petersens erstem Auftritt im Mai 2019 aufgefallen.

Freitagabend ging es um Machenschaften von und unter Minister(kollegen), Politikern, Lobbyisten, Unternehmern und Beratern zielsicher und entlarvend aufs Korn zu nehmen. Dabei wechselten natürlich auch ein paar prall gefüllte Briefumschläge ihren Besitzer. Die beiden leitenden Beamten Petersen und Loenicker konkurrieren um die Position des Staatssekretärs und sind entsetzt, als eine Frau den Posten bekommt. „Unvorstellbar, eine Katastrophe!“ Dass die beiden Kerle auf der Bühne natürlich völlig von sich und ihrem Können überzeugt sind, dürfte klar sein. Mit verbalen Hieben unter der Gürtellinie versuchen die beiden, den anderen in seiner Männerseele zu treffen. Gegenüber sich selbst und dem Publikum zeigen sie sich distanzlos und zynisch, gegenüber vielen Politikern ebenso, lassen deren Phrasen und Redeblasen platzen, in dem sie sie scharfsinnig und scharfzüngig durchleuchten und kommentieren. Corona habe zudem aufgezeigt, wie erbärmlich doch das Bildungssystem in Deutschland sei. Alles dargeboten in einer irren Geschwindigkeit – als hätten die sechs Monate Auszeit durch Covid-19 etwas bei den beiden angestaut oder eben freigesetzt.

Einige Male kamen Wortspiele in Bandwurmform daher, was anstrengend werden kann. Vor allem bei so einem anspruchsvollen, voll gepackten Programm mit zynischer Tiefe. Vielleicht aber auch, weil die Aufführung ohne Pause vonstatten ging. Die Lacher wurden im Laufe des Abends weniger, was aber nicht mit dem Inhalt von „macht-aktiv“ zu tun gehabt haben muss. Dem konnten lustvoll und gedanklich zwar wohl tatsächlich eher Menschen folgen, die aktiv das politische Geschehen im Blick haben. „Vielleicht sind wir kulturell aber auch einfach nicht mehr im Training“, sagte eine Zuschauerin.  bd

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