Friedhofsverwaltung überprüft einmal im Jahr Grabmale auf ihre Standfestigkeit

Wenn die Steine wackeln

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Den orange-farbenen Warnaufkleber befestigt Ute Lange an Grabsteinen, die nicht mehr sicher stehen.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Die Witterungsverhältnisse, besonders Frost, setzen Grabsteinen über die Jahre – oder vielmehr Jahrzehnte – immer mehr zu. Dann kann es vereinzelt vorkommen, dass ein Stein Risse bekommt, absackt oder umstürzt. Damit dies nicht passiert, prüft die Friedhofsverwaltung Rotenburg jährlich die Standsicherheit auf den städtischen Ruhestätten.

Reihe für Reihe geht Ute Lange die Grabstätten auf dem 82000 Quadratmeter großen Rotenburger Waldfriedhof an der Freudenthalstraße ab. Bei jedem Grabstein stoppt sie kurz und drückt mit der Hand dagegen – zwar nicht mit voller Kraft, aber doch fest genug, um die Standsicherheit des Steines zu überprüfen. Ist er locker? Haben die Witterungsverhältnisse ihm zugesetzt? Besteht die Gefahr, dass er umkippt oder absackt? „Es wird nicht gerüttelt“, betont Lange. Und die Prüfung dürfe auch nicht durch einen kräftigen Ruck aufgebracht werden. Ein Grabstein gilt dann als sicher, wenn er unter der Last keine Schwankungen aufweist.

Falls das Gegenteil zutrifft, muss sie unterscheiden, ob das Grabmal sich lediglich bewegt oder ob es akut umsturzgefährdet ist. „Bei Letzterem besteht sofortiger Handlungsbedarf“, sagt Lange. Solche Grabmale müssten sofort gesichert oder fachgerecht abgebaut werden. Das komme aber in der Regel eher selten vor. Gelegentlich wackele der Stein „nur“. In solchen Fällen zückt Ute Lange einen ihrer orange-weißen Warnaufkleber: „Vorsicht, Unfallgefahr! Grabmal ist nicht genügend standsicher“ ist darauf zu lesen. Den befestigt sie am Stein. Anschließend informiert sie die Nutzungsberechtigten schriftlich und bittet darum, die Standfestigkeit wieder herstellen zu lassen. Denn diese sind verantwortlich für die Pflege der Gräber. Das Verwaltungsgericht Mainz hat erst im Sommer nach einem zweijährigen Verfahren entschieden, dass die Nutzungsberechtigten auch für den sicheren Stand des Grabmales verantwortlich sind. Dort hatte ein Angehöriger gegen die Aufforderung der Stadt geklagt, einen abgesackten Grabstein wieder aufzurichten.

„Wir setzen in der Regel eine Frist von drei bis vier Wochen“, erzählt Ute Lange weiter. Wenn der ordnungswidrige Zustand trotz dieser Aufforderung nicht beseitigt wird, sei die Friedhofsverwaltung berechtigt, dies auf Kosten des Verantwortlichen zu tun oder das Grabmal zu entfernen. Und für den Fall, dass sich keine Verantwortlichen, keine Angehörigen, auffinden lassen, „dann genügt eine öffentliche Bekanntmachung und ein vierwöchiger Hinweis auf der Grabstätte“, klärt die Fachfrau auf. Die Friedhofsverwaltung kümmere sich dann.

Einmal im Jahr überprüft Ute Lange sämtliche Grabsteine der städtischen Friedhöfe an der Freudenthalstraße, Lindenstraße, die Friedhöfe in Mulmshorn, Unterstedt und Waffensen. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht geschehe das, erklärt sie. Die genaue Anzahl der Ruhestätten kennt sie nicht: „Das sind sicher Tausende.“ Von diesen Tausenden ist in der Regel nur eine geringe Anzahl nicht mehr standfest.

Eine Frau, die auf einem Friedhof jeden Grabstein einzeln anfasst – das zieht doch sicherlich auch neugierige Blicke nach sich. „Doch, ich werde schon mal gefragt, was ich hier eigentlich mache“, stimmt Lange zu. „Aber die meisten wissen von der jährlichen Überprüfung.“

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