Neue Sohlgleite beim Rotenburger Klärwerk / Wümme bald 95 Meter länger

Freie Bahn für Fische

Werner Kochta (l.) und Gerhard Lohmann vor der bald ausgedienten -Schleuse. An dieser Stelle soll bald die Wümme fließen. - Foto: Röhrs

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Maschinenkreischen zerreißt die Luft. Setzt es aus, hört man aus der Nähe das Wasser die Wümme-Schleuse hinabrauschen. Hier, in unmittelbarer Nachabrschaft zum Rotenburger Klärwerk, fahren die Bauarbeiter schweres Geschütz auf. Sie stecken in den Vorbereitungen für eine neue Sohlgleite, die bald die Schleuse ersetzen soll. Fischen soll so das Passieren dieses Abschnittes erleichtert werden, der Fluss gewinnt dabei an Länge.

Die Bauarbeiten an dieser Schleuse I sind das vierte deratige Projekt an der Mittleren Wümme, weiß Werner Kochta vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der Betriebsstellenleiter. Sie soll weg, denn es geht es die Umsetzung einer Wasserrahmenrichtlinie der EU, Flusstieren die Fortbewegung zu erleichtern.

„Die Meerforelle und der Lachs sollen während ihrer Wanderungen bis zur Quelle schwimmen können“, nennt Kochta Beispiele. Die Wümme-Schleusen, die die Wasserpegel auf einem Niveau halten sollen, können da schon ein erhebliches Hindernis darstellen. So beträgt der Höhenunterschied an diesen Punkten schon mal zwei Meter. „Größere Fische können das gerade noch schaffen“, sagt Kochta, für kleinere Fische aber bleibe ein unüberwindbares Hindernis.

Da schafft die Sohlgleite Abhilfe. Dazu gleicht sie die fehlende Schleuse aus, „denn nach 90 Jahren, als die ersten entstanden, hat die Wümme eine neue Struktur entwickelt“, sagt Gerhard Lohmann, Vorsteher des Unterhaltungsverbands Mittlere Wümme. Ein abrupter Abbau der Schleusen ist nicht möglich, die Fließgeschwindigkeit erhöht sich durch den Abstieg der Wümme. „Wir wollen den Ist-Zustand erhalten“, so der Verbandvorsitzende. Um der daraus resultierenden Erosion entgegenzuwirken, wird der Grund unter anderem mit Kies verstärkt.

Flussauffwärts hält die Sohlgleite den Pegel auf einer Höhe, doch anstatt eines Falls, wo das übrige Wasser hinunterstürzt, fließt es nun auf einer längeren Distanz auf das nächste Niveau. Ab der zukünftigen ehemaligen Schleuse, die nach Abschluss der Arbeiten abgebaut wird, auf etwa 215 Metern – von 16 auf 14 Metern über Normalnull.

Mithilfe von Steinen haben Kleinsttiere und kleinere Fische die Möglichkeit, voran zu kommen. Eine Rinne in der Mitte des Flusses schafft größeren Fischen – oder auch Kanus – auch bei Niedrigwasser ein Durchkommen.

Dafür bekommt die Wümme einen neuen Verlauf und wird auf 335 Metern Richtung Süden um den alten Flusslauf umgeleitet. „Nach Abschluss der Maßnahme wird die Wümme insgesamt 95 Meter länger sein“, sagt Lohmann. Der alte Lauf wird teilverfüllt und bleibt als Seitenarm bestehen. Dort ist das Wasser ruhiger, die Chance für Flusstiere sich da anzusiedeln, wo das Wasser nicht so schnell fließt.

90 Jahre sind die fünf Schleusen im Bereich der Mittleren Wümme – zwischen und einschließlich Rodau und Wieste – mittlerweile alt. Schon seit dem Jahr bauen NLWKN und der Unterhaltungsverband dieses Abschnittes sie Schritt für Schritt ab. Begonnen mit der Schleuse II unterhalb der Eisenbahnstrecke Ahausen und Unterstedt, folgten 2012 Schleuse V unterhalb Hellweges und 2014 Nummer III bei Ahausen. Im kommenden Jahr ist die letzte, Schleuse IV, oberhalb von Hellwege dran. „So ist es zumindest geplant“, sagt Kochta.

530 000 Euro sind für das Projekt veranschlagt. Zehn Prozent entfallen auf den Landkreis Rotenburg, den Rest übernimmt das Land Niedersachsen. Im Moment sind die Bauarbeiter dabei, eine notwendige neue Leitung zwischen Klärwerk und Wümme zu legen. In den nächsten Tagen wolle man damit beginnen, so Lohmann, den neuen Flusslauf auszuheben.

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