Freibettfonds im Rotenburger Diakonieklinikum setzt Arbeit fort

Hilfe für die Hilflosen

Dr. Vincent Acolor, ein ghanaischer Gastarzt, mit einem jungen Patienten aus Ghana.
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Dr. Vincent Acolor, ein ghanaischer Gastarzt, mit einem jungen Patienten aus Ghana.

25 Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren sind bereits mithilfe des Freibettfonds des Diakonieklinikums medizinisch behandelt und versorgt worden. Professor Michael Schulte brachte vor 20 Jahren die Idee der unentgeltlichen Behandlung verletzter und kranker Kinder und Jugendlicher mit nach Rotenburg. Vor wenigen Wochen wechselte er mit 66 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist seit dem 1. April der 42-jährige Arzt Professor Max Daniel Kauther.

Rotenburg – Ahnungslose Kinder treten beim Spielen auf versteckte Tellerminen. Nicht gezündete Handgranaten explodieren plötzlich beim Hantieren zwischen den kleinen Fingern von Jungen und Mädchen. Zwei Beispiele, die von einer Sekunde zur anderen junges Leben beenden, grausame Verletzungen verursachen und zukünftige Schicksale bestimmen. Immer wieder bleiben wehrlose Kinder als tragische Opfer kriegerischer Konflikte zurück.

Opfer, die nicht alleingelassen werden: Seit 54 Jahren gibt die Hilfsorganisation „Friedensdorf International” mit Sitz in Dinslaken, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in der medizinischen Einzelfallhilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zu wirken. Seit vielen Jahren kooperiert „Friedensdorf International” bundesweit sehr eng mit zahlreichen Krankenhäusern zusammen. Auch mit Rotenburg, dessen Agaplesion Diakonieklinikum mit seinen 800 Betten und rund 185 000 Patientenkontakten medizinischer Maximalversorger und größtes konfessionelles Krankenhaus Niedersachsens ist. Professor Michael Schulte, vor Kurzem pensionierter Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, brachte vor 20 Jahren die Idee der unentgeltlichen Behandlung verletzter und kranker Kinder und Jugendlicher mit nach Rotenburg.

Das Krankenhaus stellte für die jungen Patienten aus Angola, Ghana, Afghanistan und dem Irak unentgeltlich bis zu drei Betten zur Verfügung. Ein oft langer klinischer Aufenthalt mit aufwendiger medizinischer Versorgung und umfangreicher Pflege, unterstützt vom ehrenamtlichen Mitarbeitern des Freundeskreises „Friedensdorf”.

Bisher wurden in Rotenburg vom Freibettfonds 25 Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren medizinisch behandelt und versorgt. Verletzten und kranken Kinder aus wirtschaftlich armen Ländern wurde im Diakonieklinikum versucht zu helfen. Sie sollten in ihrer Heimat oder in ihrer ursprünglichen Umgebung wieder eine Chance und eine Perspektive für die Zukunft bekommen.

Das Schicksal von Wahida führt das Problem einer völlig inadäquaten medizinischen Versorgung in den meisten Entwicklungsländern vor Augen.

Professor Michael Schulte

Im Interview mit der Kreiszeitung wurde Schulte im März gefragt: „Vor mehreren Jahren haben Sie ein neunjähriges Mädchen aus Afghanistan, Wahida, wegen einer Lepraerkrankung behandelt. In ihrer Heimat wurden ihr Jahre später aus Unwissenheit der dortigen Ärzte der linke Unterschenkel und die Zehen des rechten Fußes amputiert. Wie geht man mit solchen Schicksalen um?” Schulte: „Das Schicksal von Wahida führt das Problem einer völlig inadäquaten medizinischen Versorgung in den meisten Entwicklungsländern vor Augen, aber auch den Umstand, dass wirksame Medikamente nur dort verfügbar sind, wo man mit ihnen Geld verdienen kann. Diese Situation sollten wir in den reichen Industrieländern keinesfalls akzeptieren.”

Vor wenigen Wochen wechselte der mit 66 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist seit dem 1. April der 42-jährige Arzt Professor Max Daniel Kauther, der zuvor stellvertretender Klinikdirektor der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Essen war. Dabei hatte er auch persönlich intensive Erfahrungen mit der der Arbeit der Hilfsorganisation gesammelt.

Die Rotenburger Einrichtung Freibettfonds ging also „nahtlos” in die Hände von Nachfolger Kauther über. Die Kontinuität, so Kauther, sei also gewahrt worden. Er würdigt ausdrücklich Schultes Verdienste um die Arbeit des Rotenburger Freibettfonds. Eine Arbeit, die auf sehr hohem medizinischen Niveau geleistet werde. Und das trotz der Probleme, mit denen auch das Diakonieklinikum durch die Pandemie zusätzlich belastet sei. Ärzte, Pflegekräfte und Ehrenamtliche fühlten sich den Zielen des Freibettfonds gleichermaßen verpflichtet. Kauther: „Professor Schulte zeichnet hohes soziales Engagement aus. Es ist leichter, etwas zu übernehmen, als es aus dem Boden zu stampfen.” An Kauthers Seite als Mitglieder des Freibettteams stehen die Ärztin Beate Schnuck, Leiterin der Abteilung Kinderorthopädie, und Oberarzt Dr. Friedrich-Wilhelm Caliebe, Facharzt für Wirbelsäule und Hüftgelenk. Beide Mediziner wirken schon seit vielen Jahren für die Genesung der jungen Freibettfonds-Patienten mit. Auf unterschiedlichem Wege, so Beate Schnuck, meldeten sich Angehörige, ob Eltern oder den Betroffenen Nahestehende und bedankten sich mit herzlichen Worten für die Hilfe, die die Kinder in Rotenburg erfahren hätten.

Spenden

Wer die Arbeit des Freibettfonds unterstützen will, kann das mit einer Spende tun: Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, DE48 5502 0500 0004 6123 45. Stichwort: „Freibettfonds”.

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