Fred Notzon und Hans-Peter Luckhaus über ihre Leidenschaft für das Fliegen

Ultraleicht über den Wolken schweben

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Mitglieder der Ultraleichtfluggruppe vor ihrem Hangar auf dem Rotenburger Flugplatz: Hans-Peter Luckhaus (von links), Gerhard Heitmann, Günther Falk, Wilhelm Kellers und Fred Notzon. Goldstein

Rotenburg - Von Elisabeth Hintze. Wenn Fred Notzon und Hans-Peter Luckhaus vom Fliegen sprechen, dann schwingt direkt ein wenig Sehnsucht in ihrer Stimme mit. Die beiden Herren älteren Semesters geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählen. Es sei das Erlebnis an sich, der Blick auf die weite Landschaft, die grenzenlose Freiheit über den Wolken, ein Gefühl, „dort oben einfach alles tun und lassen zu können“. Eben Genuss pur, wie Luckhaus unterstreicht.

Notzon und Luckhaus sind Mitglieder der Ultraleichtfluggruppe in Rotenburg (UL), letzterer ist dort Flugbetriebsleiter. Etwa 120 Mitglieder stark, besteht die Gruppe des Bremer Vereins für Luftfahrt (BVL) seit 1994. Fliegerische Heimat ist der ehemalige Militär-Flugplatz und jetzige Verkehrslandeplatz in Rotenburg. Erst vor zwei Wochen hat die Gruppe ein neues Flugsportgerät erhalten. Vereinsmitglied Erhard Gratz hat das Ultraleichtflugzeug der Marke Skylane D-MXTE gemeinsam mit Ausbildungsleiter Günther Falk aus Schwäbisch Hall in die Wümmestadt überführt.

Vorteil der neuen, rund 90 000 Euro teuren Maschine: das geringe Leergewicht von gerade einmal 275 Kilo. Maximal 472 Kilo darf sie beim Abflug auf die Waage bringen, das Reisegepäck muss demnach überschaubar bleiben. Denn die Skylane – wie Schiffe sind auch Flugzeuge meist weiblich – eigne sich hervorragend für längere Strecken, nach Dänemark oder auf die Ostfriesischen Inseln etwa, erzählt Günther Falk. Insgesamt besitzen die Ultraleichtflieger nun drei Maschinen, jedes Mitglied kann die Vereinsflugzeuge für sich reservieren.

Neben den Ausflügen steht zudem die Ausbildung im Vordergrund. Fünf Fluglehrer kann die Ultraleichtgruppe derzeit aufweisen. Sie unterrichten angehende Piloten in Theorie und Praxis. 30 Stunden Theorie und 30 Flugstunden sind vonnöten, um die Sportpilotenlizenz (SPL) zu erhalten.

Fred Notzon hat sich erst mit 64 Jahren dazu entschieden, in die Lüfte zu gehen. Auch Hans-Peter Luckhaus ist erst seit fünf Jahren dabei. Die beiden über 70-Jährigen hätten schon lange davon geträumt, einmal selbst im Cockpit zu sitzen. Eben die „absolute Freiheit“ zu genießen. „Wir sind das beste Beispiel dafür, dass auch ältere Menschen einen Flugschein machen könnten“, sagt Luckhaus. Und Notzon ergänzt: „Statt zum Golfplatz zu laufen, kommt doch lieber zu uns.“ Bestes Beispiel sei Erhard Gratz: Der 81-Jährige, der das neue Flugzeug vor zwei Wochen nach Rotenburg überführte, ist das älteste Mitglied der Ultraleichtfluggruppe. „Wir haben aber auch viele junge Leute im Verein“, erzählt Luckhaus weiter. Und: Auch Rollstuhlfahrer können bei ihnen ins Cockpit steigen. Eines der Vereinsflugzeuge kann insoweit umgerüstet werden, dass die Seitenruder statt wie üblich mit Pedalen dann temporär per Handsteuerung bedient werden.

Jeder Hobby-Pilot muss sich regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen, erzählt Oliver Seack. Er ist der stellvertretende Vorsitzende der Ultraleichtfluggruppe. „Beim Fliegerarzt wird das Gehör überprüft, die Sehfähigkeit und der Gleichgewichtssinn getestet.“ In der Regel finden die Checks ab dem Alter von 45 Jahren alle zwei Jahre statt. Gesundheit – ein absolutes Muss. Ansonsten gelte bei den Ultraleichtfliegern lediglich: Jeder darf mitmachen, egal wie alt. Die Leidenschaft für das Fliegen natürlich vorausgesetzt.

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