Keine Lust auf Zügel und Gerte

Frauenpower auf 100 Yards

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Den fokussierten Blick haben die drei Mädchen bereits gelernt. Absolute Konzentration ist enorm wichtig beim American Football. Das wissen auch Leony Weissert (v.l.), Emily Menzler und Lena Dohrmann, die in der B-Jugend der Rotenburg Cyclones spielen.

Rotenburg - Von Joris Ujen. American Football zählt noch zu einer Nebensparte im deutschen Sportgeschehen. Zudem könnte man meinen, dass Frauen an dem Vollkontaktsport keinen Gefallen finden – doch weit gefehlt.

In Rotenburg laufen mit Jenny Wesch, Leony Weissert, Lena Dohrmann und Emily Menzler gleich vier junge Damen jeden Mittwoch im Ahe-Stadion von Yard zu Yard. Das Quartett jagt bei den Rotenburg Cyclones in der B-Jugend zusammen mit 16 Jungs dem Eierball hinterher.

„Das ist doch Männersport und viel zu brutal. Das machst du bestimmt nicht lange“, meinten Leonys Klassenkameradinnen zu der 14-Jährigen, die seit vier Monaten dabei ist. „Die Jungs fanden das aber cool.“ Auf die Frage, ob die Mädchen mit den Mitspielern des anderen Geschlechts beim Football mithalten können, antwortet Emily Menzler: „Ich sehe da keinen Unterschied. Jedes Teammitglied kann irgendwas besonders gut und findet dadurch seine Position auf dem Feld oder ist ein Allrounder.“ 

Die 18-jährige Nienburgerin zählt wohl eher zu Letzterem. Neben der amerikanischen Sportart trainiert sie Kampfsport, Turnen, Rhönrad und geht ins Fitnesscenter. Unterstützt von ihren Eltern reist sie jeden Mittwoch nach Rotenburg zum Training, donnerstags trainiert sie in ihrer Heimatstadt. Das kommt daher, dass die Cyclones eine Spielgemeinschaft aus Nienburg, Benefeld, Verden und Rotenburg sind. Jenny Wesch, die diesmal krankheitsbedingt nicht zum Training gekommen ist, ist ebenfalls aus der Kreisstadt an der Weser.

Saisonspiele fehlen noch

Richtige Saisonspiele fechtet bisher nur die A-Jugendmannschaft der Cyclones aus, eine reine Jungenmannschaft. Die B-Jugend wetteifert bei Freundschaftsspielen um das Lederei. Wenn dann der Football durch die Luft segelt, verteilt Emily als Quarterback akurate Pässe, Lena Dohrmann kümmert sich als Cornerback um die Defensive, Leony ist an der Offensive- sowie Defensive-Line als Blockerin tätig, und Jenny macht als Tight End den Weg für ihr Team frei. Mit dem Klischee des Männersports musste sich auch Lena auseinandersetzen. Es ging sogar so weit, dass einige Jugendliche sie als Mann bezeichneten. „Damit kann ich leben. Es gibt Leute, die mir gar nicht erst glauben, dass ich Football spiele, und wiederum welche, die das total toll finden.“

Doch wie kamen die Mädchen überhaupt auf die Idee, diese Sportart auszuüben? Emily zum Beispiel guckt schon seit Jahren regelmäßig Football mit ihrem Vater und ist dann „einfach mal zum Training der Cyclones gefahren“. Das war vor einem Jahr, und seitdem könne sie nicht mehr ohne: „Wenn das Training beginnt, steigt in mir das Adrenalin, und am Ende fühle ich mich glücklich.“

Die Mannschaft ist „wie eine Familie“

Lena sehe den Sport auch als Ausgleich, „wenn der Schultag blöd war“. Und Emily mag vor allem den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, die „wie eine Familie ist. Wir machen sogar die Liegestütze immer zusammen“, schwärmt sie. Dass American Football als Vollkontaktsport gilt, ist wohl bekannt, „blaue Flecken sind manchmal dabei, aber eher selten“, so Emily. Schließlich sind die jungen Sportler wie die echten Profis von unten bis oben komplett geschützt. 

„Am wichtigsten sind definitiv der Helm und Mundschutz“, betont Volkhard Schwinge, Head Coach der Rotenburg Cyclones. „Für Neulinge stellen wir das komplette Equipment für ein Jahr.“ Die Nachfrage bei den sogenannten Try-Outs (Schnuppertage) sei laut Schwinge immer groß, „aber viele kommen nicht wieder“. Diejenigen, die wiederkommen, erwartet ein umfangreiches Training in dem das Werfen, Laufen, Blocken, Tacklen, die Geschicklichkeit und Beinarbeit geübt werden. Bei den Freundschaftsspielen der Mixed-Teams messen sich dann 18 Footballer, die Position Tackle fällt weg.

Infos zu den Cyclones finden Interessierte im Internet. Dort stehen auch die Trainingseinheiten, an denen jeder teilnehmen kann. „Sportbekleidung und nach Möglichkeit Stollenschuhe sollten mitgebracht werden. Und ganz wichtig, Getränk nicht vergessen“, sagt Schwinge.

www.cyclonesworld.de

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