CDU-Bürgermeister-Kandidat sucht das Gespräch beim Sonntagsspaziergang

Frank Holle erkundet die Kreisstadt

Spaziergang vorbei an Altpapiertonnen: Cornelia Gewiehs und Frank Holle sind in der Stadt unterwegs.
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Spaziergang vorbei an Altpapiertonnen: Cornelia Gewiehs und Frank Holle sind in der Stadt unterwegs.

Rotenburg – Ganz schön clever! So könnte die Erkenntnis lauten, lässt man sich diese Form der Wahlkampf-Aktion einmal etwas länger durch den Kopf gehen. Denn wer könnte einem Bürgermeisterkandidaten besser einen Einblick in die Kreisstadt geben, als die Menschen, die in ihr leben? Frank Holle hatte vor wenigen Wochen angeboten, Einladungen für Sonntagsspaziergänge entgegenzunehmen. Im kleinen Kreis, versteht sich. Der 53-Jährige ist Bürgermeisterkandidat der CDU, zurzeit noch in Tarmstedt im Amt und erst seit Beginn dieses Jahres in Rotenburg zu Hause.

Eine Einladung hat es zum Beispiel von Cornelia Gewiehs gegeben. Die Vorsitzende der IG Citymarketing trifft sich mit Holle vor dem Rathaus, um von dort aus gemeinsam die Innenstadt zu erkunden. Die Große Straße, die Steinbeißergasse, die Goethestraße, das Altgelände der Rotenburger Werke und den Neuen Markt: Gewiehs will Holle aufzeigen, wo der Schuh drückt. Mal sind es vermeintlich kleine Dinge, mal sind es große Fragen, die während des bummeligen Spaziergangs mit vielen Zwischenstopps zur Sprache kommen.

„Wir brauchen eine Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts“, sagt die 61-Jährige ganz deutlich, um sich nur wenige Meter weiter einem Ärgernis zu widmen. Die Müllabfuhr in der Innenstadt ist auf den Montag gelegt worden – mit der Folge, dass vor allem Geschäftsleute, die nicht ortsansässig sind, schon am Freitag, spätestens aber am Samstag ihre Tonnen an die Große Straße stellen. Und dann bilden sie die Kulisse an bei Gästen beliebten Orten wie etwa Am Wasser. Dunkle Tonnen mit gelben oder blauen Deckeln machen Erinnerungsfotos nicht gerade schöner, sind aber auch so kein willkommener Anblick, wenn Besucher am Wochenende in die Kreisstadt kommen, um sich ein wenig umzuschauen.

„Der Vorstand der IG Citymarketing ist aufgefordert, mit der Politik den Kontakt zu suchen“, sagt Cornelia Gewiehs. An diesem Sonntagnachmittag geht sie mit Frank Holle durch die Innenstadt, aber auch mit Torsten Oestmann steht sie in Verbindung, betont sie. Oestmann tritt als parteiloser Kandidat bei der Bürgermeisterwahl am 12. September an und erhält Unterstützung von der SPD sowie den Grünen.

Gewiehs möchte gemeinsam mit der Stadt etwas bewegen in Rotenburg. Potenzial sieht sie an vielen Stellen, erklärt sie Frank Holle, der viel zuhört, aber nur wenige Fragen stellt. Am Morgen war er noch mehrere Stunden in Waffensen unterwegs. Danach ein Tee zu Hause, und nun ist die Innenstadt dran. „Die Resonanz ist gut“, erklärt er. So gut, dass er bereits überlegt, die Idee mit den Sonntagsspaziergängen über Ostern hinaus zu verlängern.

Unweit der für die Abfuhr bereitgestellten Altpapiertonnen zeigt Cornelia Gewiehs auf zwei leer stehende Geschäfte – mit dem Hinweis, dass schon bald ein weiteres an dieser Ecke hinzukommt. „Wir brauchen ein Leerstand-Management“, findet Gewiehs. Sie sieht die Stadt in der Pflicht. Es sei wichtig, mit den Eigentümern den Kontakt zu halten – schon allein präventiv. Man tue sich schwer damit.

Holle ergänzt, dass er auch schon mit dem Rotenburger Wirtschaftsforum (RWF) gesprochen habe. Nicht zuletzt aufgrund seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Tarmstedter Ausstellungs GmbH werde deutlich, „dass mir die Geschäftswelt sehr wichtig ist“. Er pflege da einen guten Draht. Rotenburg, sagt er, habe eine sehr reizvolle Innenstadt. Nicht weniger beeindruckt ist er auf dem weiteren Weg ein wenig abseits der Fußgängerzone, was allerdings im Sinne der IG Citymarketing ebenfalls noch zum Quartier gehört. Die Hinterhöfe entlang der Steinbeißergasse, eine Verbindung von Großer Straße und Goethestraße. „Ich sehe hier immer noch viel Potenzial“, unterstreicht Cornelia Gewiehs. Und das, obwohl in den vergangenen Jahren dort viel passiert ist – nicht nur mit dem Bau des Goetheparks, der für zusätzlichen, innerstädtischen Wohnraum sorgt. „Früher waren das hier alles Gärten“, erinnert sich die Christdemokratin.

Mit Erinnerungen geht sie in Begleitung von Frank Holle auch durch das berühmte „grüne Tor“ der Rotenburger Werke. „Das war früher immer zu, und wir haben uns gefragt, was dahinter wohl passiert.“ Heute ist es offen, förmlich einladend. Die Zeiten ändern sich. Eine Bewohnerin sitzt auf einer Schaukel und genießt den Sonntagnachmittag, während der Bürgermeisterkandidat mit seiner Spaziergangsgastgeberin wie selbstverständlich den Weg in Richtung Soltauer Straße / Am Sande sucht. Es geht vorbei an der alten Wäscherei, deren Abriss bereits weit vorangeschritten ist. Platz für Neues. Holle und Gewiehs erkennen das riesige Potenzial, das das Altgelände der Werke bietet – es soll ja Teil des Quartiers werden, für das die Stadt auf Aufnahme ins Städtebauförderprogramm hofft. Sie sprechen auch über das Thema gelebte Inklusion. Gewiehs: „Stillstand müssen wir unbedingt verhindern. Es gibt Möglichkeiten, um etwas zu entwickeln. Mit den Überlegungen und Planungen dürfen wir nicht erst beginnen, wenn die Aufnahme in das Programm erfolgt.“

Große Themen kommen also zur Sprache. Aber auch kleine: Die 31 von Gewiehs gezählten Fahrradbügel in der Innenstadt etwa. „Die könnten als Einladung auch falsch verstanden werden“, findet sie. Radfahrer in der Fußgängerzone – ein Ärgernis. Oder die Straßenbeleuchtung an der Großen Straße – einerseits nicht mehr ansehnlich, andererseits noch immer nicht auf LED umgestellt. Holle sagt, er plädiere für einen Wirtschaftsförderer im Rathaus. Einer, der sich der vielen Fragen annehmen könne und müsse.

Er schlägt die Brücke zur aktuellen Situation mit Blick auf die Pandemie und ihre Auswirkungen: „Spätestens dann, wenn es vorbei ist, werden uns die Sünden der Vergangenheit um die Ohren gehauen.“ Ein Umdenken sei angesagt. Vorschriften, ein starres Baurecht spricht er an. Zugleich gehe es darum, in der Innenstadt über neue Ideen nachzudenken. „Ich bin ein Freund von Pop-Up-Stores“, sagt er. Leerstände ließen sich aber auch noch ganz anders nutzen. Selbst Wohnraum sei alternativ denkbar – in neuen, in anderen Formen. Coworking-Space, wie es jetzt für das Mehrgenerationenhaus in Waffensen angedacht wird, könnte ebenfalls ein Weg sein. Man ist sich einig, beim Blick auf den an diesem Tag trostlos wirkenden Neuen Markt. Die Stadt sei stellenweise zu passiv.

Für Holle sei es der vierte Wahlkampf, mit weiteren, unerwarteten Ideen sei noch zu rechnen. Umdenken sei angesagt, „aber das ist keine One-Man-Show“. Soll heißen: Um die Probleme anzugehen, wolle er die Politik mitnehmen. Doch das ist alles andere als ein Spaziergang.

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