KOMMUNALWAHL Frank Holle (CDU) möchte Bürgermeister werden

„Ich trete für zehn Jahre an“

Mit seinem Lastenfahrrad geht Bürgermeisterkandidat Frank Holle auf Stimmenfang in Rotenburg.
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Mit seinem Lastenfahrrad geht Bürgermeisterkandidat Frank Holle auf Stimmenfang in Rotenburg.

Rotenburg – Seit 15 Jahren ist Frank Holle (CDU) Bürgermeister der Samtgemeinde in Tarmstedt – nun möchte er Nachfolger von Andreas Weber (SPD) in Rotenburg werden, der nicht erneut zur Wahl antreten wird.

Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, wie wichtig ihm die Kandidatur ist, hat Holle kurz nach der Nominierung seinen Wohnsitz von Ottersberg nach Rotenburg verlegt, wo die Familie zentrumsnah ein möbliertes Haus zur Miete bezogen hat. „Das war für uns zu diesem Zeitpunkt ein Sechser im Lotto“, betont Holle, der Vater von drei Kindern ist: Freda, 16 Jahre, Greta, 20, und Jesper, 23.

Die Übergangs- soll zur Dauerlösung werden, der Mietvertrag bestenfalls von einem Kaufvertrag abgelöst werden, wenn die Eigentümer sich dazu bereit erklären, die Immobilie zu veräußern – und Holle die Wahl gewinnt. „Meine Familie und ich warten gespannt auf den 12. September. Ich mache seit einem Jahr Wahlkampf. Für die heiße Phase habe ich mir vier Wochen Urlaub genommen“, so Holle.

Er hatte lange gezögert, ehe er sich schließlich für die Kandidatur entschieden hat. „Es gab im Vorfeld seit längerem Gespräche mit der CDU in Rotenburg. Damals sah es aber noch so aus, als würde Andreas Weber noch einmal kandidieren – und es ist nie eine gute Idee, gegen den Amtsinhaber anzutreten“, begründet Holle sein Zögern.

Er hat sich viel vorgenommen – sein 100-Tage-Programm umfasst insgesamt neun Seiten. Eine lange Einarbeitungszeit erwartet er bei einem Wahlsieg nicht: „Ich kann Rathaus – das habe ich schon bewiesen. Ich werde also direkt einsteigen und schon früh meine ersten Pflöcke einschlagen.“

Der Kandidat möchte unter anderem alle Einrichtungen, Vereine und Träger der Jugendarbeit zu einer Ideenschmiede einladen, die Wirtschaftsförderung zur Chefsache erklären, einen „Ausschuss für Sicherheit und Ordnung“ initiieren sowie anregen, Mittel in Höhe von 100 000 Euro für Klimaschutzprojekte im Haushalt bereitzustellen. Außerdem möchte er den Kartoffel- und Hökermarkt auffrischen. Dabei komme ihm zugute, dass er als Geschäftsführer der Tarmstedter Ausstellung viele Aussteller und Schausteller kenne. „Wir müssen gemeinsam schauen, was nach Corona alles möglich ist.“ Im Dialog mit Anwohnern und Eltern will er die Qualität von Spielplätzen verbessern.

Ein weiteres Ziel sei es, die die Finanzen der Stadt zu ordnen: „Sofort nach meiner Wahl zum Bürgermeister werde ich das direkte Gespräch mit dem Rechnungsprüfungsamt suchen und dort ein Konzept zur Erstellung der fehlenden Jahresabschlüsse vorlegen. Da ist Rotenburg aktuell Schlusslicht“, kritisiert Holle.

Nach 15 Jahren im Amt falle ihm der Abschied aus Tarmstedt schwer. Er stehe für Beständigkeit – und wolle dies auch in Rotenburg beweisen: „Ich trete hier für mindestens zehn Jahre an, dann bin ich 63 Jahre alt – vielleicht entscheide ich mich dann noch für eine dritte Amtszeit“, so Holle. Neben den kurz- und mittelfristigen Plänen wolle er auch die langfristigen Pläne vorantreiben: „Die Stadtentwicklung ist beispielsweise auf 15 Jahre konzipiert.“

Als möglicher neuer Chef im Rathaus wolle er ein „Teamplayer“ sein: „Die Mitarbeiter dürfen mir spiegeln, wenn ich auf dem falschen Weg bin. Ich arbeite am liebsten auf Augenhöhe. Mitarbeiter machen einen besseren Job, wenn sie mitwirken dürfen. Ich habe schon in Tarmstedt gute Erfahrungen mit der Motivation durch Verantwortung gemacht.“

Als ehemaliger Versicherungskaufmann, Rechtsanwalt und langjähriger Bürgermeister sei er offen für jeden. „Die Bürger dürfen mich jederzeit ansprechen. Ich unterscheide nicht nach Bildung und Einkommen. Sie werden merken: Ich brenne für diesen Job und ich weiß, was mich erwartet.“

Ein Vorteil der Stadt Rotenburg im Vergleich zu Tarmstedt sei unter anderem, dass es hier keine drei Freibäder gibt. „Das hat besonders in Coronazeiten viel Kraft gekostet“, so Holle. Außerdem sei Tarmstedt im Gegensatz zu Rotenburg eine Einheitsgemeinde. „Hier gibt es keinen Spagat mit den Mitgliedsgemeinden – mit Ortschaften ist das anders. Dafür ist die Verantwortung in Rotenburg aber größer.“

Bei mir im Rat wurde immer viel gelacht – das möchte ich auch hier erreichen. Insgesamt möchte ich für ein besseres politisches Klima sorgen.

Frank Holle

Seine Erfahrung als Anwalt und Mediator möchte er im Rat einbringen, der in den vergangenen Jahren oft zerstritten war. „Ich werde allen die Chance geben, gemeinsam für Rotenburg die Dinge anzugehen. Es gibt einen neuen Bürgermeister und einen neuen Ratsvorsitzenden – noch weiß niemand, wie die Mehrheitsverhältnisse dann aussehen.“

Das sei die Chance für einen Neuanfang: „Mir ist wichtig, als Bürgermeister überparteilich aufzutreten und auch die Opposition mitzunehmen. Bei mir im Rat wurde immer viel gelacht – das möchte ich auch hier erreichen. Insgesamt möchte ich für ein besseres politisches Klima sorgen.“

Denn unter anderem wegen der „Kampfabstimmungen“ im Streit um die Oberstufe an der IGS habe der Ruf der Stadt Rotenburg gelitten – und auch bei der Entscheidung gegen den Friedwald sei nicht alles optimal gelaufen: „Da hätte ich eine interfraktionelle Sitzung gemacht. Die Tür zu, damit alle erst mal in Ruhe diskutieren können. Es war ohne Zweifel eine schwierige Entscheidung. Mir sind die Vor- und Nachteile nicht transparent genug dargestellt worden“, findet Holle. Er möchte auch den Fraktionszwang lockern. „So etwas gab es bei mir nicht. Man darf nicht alles verteufeln, nur weil es von der Opposition kommt – genauso natürlich andersherum.“

Den Wahlkampf gegen Konkurrent Torsten Oestmann bezeichnet er als „überaus fair. Da gab es bisher nichts, was unterhalb der Gürtellinie war. Das ist auch nicht meine Art: Ich bin eher bekannt als ruhig und besonnen – als Krisenmanager, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt.“

Mit „sachlichen Argumenten“ reagiere er auf allzu kritische Kommentare bei Facebook: „Ich ärgere mich schon über den ein oder anderen Post – aber zum Glück nicht mehr so lange wie früher. Jeder darf dort seine Meinung sagen, leider haben sich nicht alle vorab wirklich mit einem Thema beschäftigt. Ich würde mich bei Facebook nicht abmelden, denn ich nutze das ja auch für mich – im Moment für meinen Wahlkampf.“

Wenn er die Wahl gewinnt, startet für Holle nicht nur Zuhause das große Möbelrücken – sondern auch im Rathaus. „Ich möchte einen antiken Schrank mitbringen, der früher schon in meiner Kanzlei stand und jetzt im Tarmstedter Rathaus. Das ist für mich ein Stück Heimat – darin hängt unter anderem eine Ersatzjacke.“ Zusätzlich möchte er Familienfotos aufstellen und eine Ehrenurkunde aufhängen, die ihm vom Landesfeuerwehrverband verliehen wurde. „Ich kenne keinen weiteren Bürgermeister, der die hat. Darauf bin ich schon stolz“, betont Holle.

Die wenige Zeit, die ihm neben dem Wahlkampf mit seiner Familie bleibt, genieße er umso intensiver. „Wir kochen zum Beispiel gerne gemeinsam“, betont der CDU-Kandidat. Ansonsten habe er nur wenig Gelegenheit, um seine Hobbys auszuüben: „Ich gehe jeden Sonntag vor dem Frühstück eine dreiviertel Stunde joggen, etwa sieben bis acht Kilometer. Außerdem lese ich gerne Krimis, auch auf Englisch. Insgesamt kaufe ich lieber Bücher auf Papier – genauso lese ich auch viel lieber Zeitung.

Das Fußball-Spielen hat der ehemalige defensive Mittelfeldspieler längst aufgegeben, die Leidenschaft für den Sport ist ihm aber erhalten geblieben: „Einmal im Jahr gehe ich ins Weserstadion – Ostkurve natürlich, nicht Loge.“ Außerdem ist Holle ein begeisterter Radler: „Ich habe sechs verschiedene Räder – mein neuestes ist ein Lastenfahrrad, mit dem ich für den Wahlkampf unterwegs bin.“

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