Debatte um Gasförderung

Erdgasindustrie will wieder fracken

„Bötersen Z 11“ steht ganz oben auf der Prioritätenliste von „ExxonMobil“. Hier im Gebiet der Rotenburger Rinne soll wieder gefrackt werden. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die neuen Unterlagen dürften nicht mehr lange auf sich warten lassen. Einen Monat nach Inkrafttreten der Fracking-Gesetzesregelung bereiten „ExxonMobil“ und Co. neue Anträge vor, um vom Landesbergamt die Erlaubnis zu bekommen, in den tiefen Sandsteinschichten der Region wieder das sogenannte konventionelle Fracking aufzunehmen. Die riesigen Erdgasfelder locken immer noch mit großen Gewinnen.

„Bötersen Z 11“ ist das Ziel. Dort möchte „ExxonMobil“ schon seit Jahren die Produktion mit einer „hydraulischen Bohrlochbehandlung“ anschieben. Doch seit Beginn des freiwilligen Moratoriums mit der Industrie 2011 stand die Technologie in Deutschland still. Zu groß war der Widerstand geworden, zu groß die rechtlichen Unsicherheiten, zu groß die Bedenken vieler Wissenschaftler. 

Doch mit dem nun geltenden, bundesweiten Gesetzes- und Regelungspaket sehen die Unternehmen wieder Perspektiven für die norddeutschen Fördergebiete. Exxon-Sprecher Klaus Torp bestätigt das Interesse. Für den direkt an der Bundesstraße 75 liegenden Platz „Bötersen Z 11“ zwischen Rotenburg und Waffensen habe man ja auch „alle notwendigen Voraussetzungen“ geschaffen. Er verweist diesbezüglich unter anderem auf das umfangreiche Grundwassermonitoring von vor zwei Jahren.

Fracking: Unternehmen bereit zum Neustart

Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) hat am Donnerstag in Hannover mitgeteilt, dass „nach sechs Jahren in der Warteschleife Investitionen in Milliardenhöhe auf Eis“ liegen. Das wolle man auf Basis der neuen Gesetze nun ändern. „Wir sind bereit zum Neustart, wenn auch hinter dem Safety-Car“, hieß es von Florian Barsch, dem stellvertretenden BVEG-Vorsitzenden. „Wir werden nun die Projekte angehen, die aufgrund des Gesetzgebungsverfahrens zurückgestellt werden mussten. Dazu werden wir die Antragsunterlagen überarbeiten und uns auf die komplexeren Genehmigungsverfahren einstellen.“ 

Mit der konventionellen Förderung sei es möglich, langfristig wieder zehn bis 20 Prozent des Erdgasbedarfs in Deutschland zu decken. Nach einer mehrjährigen Anlaufzeit seien drei bis vier neue Förderprojekte pro Jahr denkbar. Die einzelnen Förderunternehmen wollen nun ihre nächsten Projekte benennen. Und dazu gehört für Exxon eben auch die Überarbeitung der einst eingereichten Fracking-Anträge für „Bötersen Z 11“.

Sorge um Trinkwasser

Der große Zankapfel in der regionalen Debatte zum Fracking kommt damit wieder auf die Tagesordnung. Die Besonderheit und die sich daraus ergebende politische Brisanz beruht bei Z 11 auf der wiederholten Durchstoßung der Rotenburger Rinne, aus der mehrere hunderttausend Menschen in der Region ihr Trinkwasser beziehen. Zwar betont Torp stets, dass das kein Problem sei („Unsere Arbeiten sind sicher.“), die regionalen Bürgerinitiativen und auch ein Großteil der hiesigen Politik sehen das aber deutlich anders. Doch die neue Bundesregelung hilft da wenig.

Die Frac-Technologie, bei der ein Chemikalien-Gemisch in der Tiefe die Gasvorkommen freilegen soll, ist nach dieser nämlich nur in Wasserschutzgebieten verboten. In der Region gibt es davon drei große rund um und mitten in der Kreisstadt, der Rest des Gebietes der Rotenburger Rinne ist auch in den derzeit in Ausarbeitung befindlichen Regelungen des Landesraumordnungsprogramms und Regionalen Raumordnungsprogramms nur ein Vorranggebiet zur Trinkwassergewinnung. Die Meinungen, wie in einem solchen Fall vorgegangen werden kann mit der Erdgasförderung, gehen auseinander.

Irritationen unter Politikern 

In der Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg am Mittwoch wurde dazu ausgiebig diskutiert. Irritationen gab es vor allem darüber, wer nun das weitergehende Recht auf Landesebene anschieben müsste, um Fracking in Vorranggebieten auch komplett auszuschließen. Das Umweltministerium? Das für die Genehmigungen zuständige Landesbergamt (LBEG)? Oder die Kommunen?

Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle betonte, dass „die Länder jetzt das Werkzeug in der Hand haben, die weitergehende Gesetzgebung auf den Weg zu bringen“. LBEG-Abteilungsleiter Ulrich Windhaus erwiderte jedoch: „Es ist nicht Aufgabe des LBEG, das Gesetz auf den Weg zu bringen.“ Ihm seien aus Hannover auch keine anderen Initiativen aus den Ministerien bekannt. Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein seien diesbezüglich weiter. „Das ist nicht besonders glücklich“, fasste der AG-Vorsitzende Hartmut Leefers (CDU) aus Rotenburger Sicht treffend zusammen. Gert Engelhardt, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft im Kreishaus: „Für mich zieht sich das Land aus seiner Verantwortung.“

Um zumindest ein wenig politischen Druck aus der Region auf die Politik in Hannover auszuüben, will sich der Landkreis nun gemeinsam mit Verden inhaltlich noch einmal in der Sache positionieren. Im Regionalen Raumordnungsprogramm soll der Satz verankert werden: „Erdgas und Erdöl dürfen in Vorranggebieten Trinkwassergewinnung nicht unter Einsatz der Fracking-Technologie abgebaut werden.“ Ob das rechtlich haltbar wäre ohne ein entsprechendes Gesetz und die Genehmigung durch das Landesbergamt beeinflussen könnte, ist fraglich.

Exxon noch in Planungsphase

Wann tatsächlich wieder gefrackt wird im Landkreis, ist allerdings offen. Exxon habe derzeit noch nicht einmal einen Zeitplan zur Abgabe der Antragsunterlagen, heißt es. Auch LBEG-Sprecher Windhaus sagt, dass die Industrie noch nicht konkret gesagt hat, wie sie nun vorgehen will. Sowieso würde der Einzelfall für sich viel Zeit in Anspruch nehmen, betont Exxon: Nach der Antragsstellung würde die Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung folgen, die wiederum einen erheblichen Zeitaufwand mit sich bringe.

Anti-Fracking-Demo auf dem Pferdemarkt

Der Frac am Standort „Bötersen Z 11“ wäre seit 1982 der insgesamt 70. im Kreisgebiet. Zuletzt wurde das Verfahren im Landkreis am 22. Juni 2011 eingesetzt. Dea setzte die Frac-Technologie an der Bohrung „Höhnsmoor Z1“ ein. Danach wurden noch keine weiteren Bohrungen dieser Art genehmigt. Insgesamt gab es seit 1961 in Deutschland 326 Fracking-Bohrungen.

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