Kommentar zum Fracking-Gesetz

Die Region hat verloren

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Fracking gilt als Reizthema.

Ein Kommentar von Michael Krüger - Das neue Fracking-Gesetz mag ein Erfolg für große Koalitionäre in Berlin sein, die trotz überwältigender Mehrheit nur den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen. Für die Erdgasregion Landkreis Rotenburg aber ist es ein Schlag ins Gesicht.

Parteiübergreifend hatte sich die hiesige Politik über alle Parlamente hinweg gegen die Fortführung der seit Jahrzehnten praktizierte Fracking-Methode positioniert. Zu groß die Angst vor Risiken, zu angespannt die Situation in der noch offenen Frage der Gründe für die erhöhten Krebszahlen. Das neue Gesetz, nach langem Stillstand nun im Eiltempo im Schatten der Fußball-Europameisterschaft und der Brexit-Diskussion durchgepeitscht, wird es trotz einiger Einschränkungen den Konzernen weitgehend erlauben, so weiter zu machen wie bis zum Beginn des freiwilligen Moratoriums 2011.

Das wird für massiven Zündstoff und viele Begegnungen vor Gericht sorgen. Es setzt auch die hauchdünne Mehrheit der rot-grünen Landesregierung aufs Spiel, die nun das ausbaden muss, was Schwarz-Rot in Berlin beschließt. Insbesondere das Abstimmungsverhalten der Scheeßeler Grünen-Abgeordneten Elke Twesten wird jetzt spannend.

Das neue Fracking-Gesetz hat aber auch Vorteile. Und zwar für Exxon und Dea, die nun auf weitere lukrative Gewinne aus den hiesigen Erdgasfeldern zählen können.

Die Branche wird die Rettung von Arbeitsplätzen anführen und die Versorgungssicherheit aus heimischen Quellen anpreisen. Und, zugegeben, so ganz falsch liegt sie damit nicht. Denn auch diejenigen, die sich vehement gegen die Förderung vor Ort aussprechen, haben keine Alternative parat. Blockheizkraftwerke, Erdgas-Autos und energieeffiziente Heizsysteme – alle tituliert als Öko-Lösungen, alle gespeist mit Gas. Woher soll das kommen?

Es bleibt sehr kompliziert.

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