Bürgermeister Weber äußert sich

Fotovoltaik-Freiflächenanlagen: „Wertschöpfung für uns gleich Null“

Nur knapp 1,2 Hektar misst die
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Nur knapp 1,2 Hektar misst die

Immer wieder sind in der Region Fotovoltaik-Freiflächenanlagen im Gespräch. Doch aus Sicht der Stadt Rotenburg sind sie gar nicht so attraktiv.

Rotenburg – Investoren wittern große Gewinne auf dem Energiemarkt und suchen deshalb bundesweit nach Potenzialflächen für den Aufbau von Fotovoltaik-Freiflächenanlagen. Sie sind dabei auch in den Ortschaften Mulmshorn, Waffensen und Unterstedt fündig geworden. Erste Gespräche mit den möglichen Verpächtern laufen, Vorverträge sollen zum Teil bereits unterschrieben sein.

„Sie haben die Stadt dabei bewusst übergangen. Ziel ist es wohl, damit Druck aufzubauen“, vermutet Bauamtsleiter Clemens Bumann, der das aber nicht zulassen will: „Wir sehen das Thema entspannt.“

Nachdem auf Antrag der CDU die Diskussion über die angestrebten Standorte in Unterstedt, Waffensen und Mulmshorn im vergangenen Planungsausschuss von der Tagesordnung gestrichen worden war, nutzten Bumann und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ein Pressegespräch dafür, um ihren Standpunkt deutlich zu machen. „Es ist uns wichtig, die Unsicherheiten in den Ortschaften zu beseitigen“, so Weber. „Wenn wir das politisch nicht wollen, ist eine Umsetzung nicht möglich. Die Flächennutzungs- und Bauleitplanung ist in diesem Fall zwingend vorgeschaltet.“

Bumann ergänzt: „Im Norden sind wir prädestiniert, um Windenergie zu produzieren. Dort sind wir auch sehr aktiv. Wenn wir auf weitere Fotovoltaik-Freiflächenanlagen verzichten, bedeutet das also nicht, dass wir den regenerativen Gedanken vernachlässigen.“

Grund für das große Investoren-Interesse sei eine EEG-Änderung, die im Januar in Kraft getreten ist. Danach ist es möglich, statt 100 Meter nun 200 Meter neben Bahnflächen und Autobahnen Anlagen aufzustellen und dabei eine Vergütung zu erhalten. Die Anlagen könnten nun bis zu 20 Megawatt umfassen. Die Genehmigung der Fotovoltaik-Freiflächenanlagen sei jedoch erschwert, um die Landwirtschaft zu schützen. „Ein Milchbauer zahlt etwa 300 bis 500 Euro pro Hektar an den Verpächter, Biogasbauern etwa 700 bis 800 Euro. Bei den Fotovoltaik-Anlagen reden wir von 3 500 Euro, eher sogar mehr. Da muss man Grundstücksbesitzer nicht lange überreden“, so Bumann.

Für die Stadt seien diese Anlagen jedoch wenig attraktiv, so der Bauamtsleiter: „Aus Städtesicht muss man bedenken, dass wir mit Fotovoltaik-Anlagen keinerlei Arbeitsplätze schaffen. Wir verdienen daran auch keine Gewerbesteuer, wenn der Firmensitz nicht in Rotenburg ist. Abgesehen von ein paar hundert Euro als Ausgleich ist die Wertschöpfung für uns gleich Null.“

Sein Gegenbeispiel: Jede der acht neuen Windkraftanlagen im Ahlsdorfer Forst könne genügend Energie für die 12 000 Haushalte in Rotenburg produzieren. Der gesamte Windpark reiche aus, um alle etwa 80 000 Haushalte des Landkreises mit regenerativer Energie zu versorgen. Besonders die Idee, eine 50 Hektar große Fotovoltaik-Anlage entlang der Bahnlinie in Unterstedt zu bauen, sehen Weber und Bumann kritisch. „Der Landwirtschaft würden dort große Flächen entzogen werden. In einem Teilbereich könnten wir uns zudem eine gewerbliche Nutzung sehr gut vorstellen.“

Das Landesraumordnungsgesetz sage grundsätzlich aus, dass solche Anlagen nur auf vorbelasteten Flächen gebaut werden dürfen. „Das würde auch auf die Rennbahn des MSC in Mulmshorn zutreffen, wenn dort keine Rennen mehr gefahren werden würden“, so Bumann. Die Investoren hätten sich dort eine etwa 15 Hektar große Fläche ausgeguckt – Strom für etwa 4.000 Haushalte. „Wir möchten den Rennsport-Club dort aber nicht rauskicken“, betont Bumann. Weber hatte deshalb das Gespräch mit dem MSC gesucht: „Andre Haltermann hat mir erklärt, dass sie auch weiterhin Sandbahnrennen veranstalten wollen. Es liegt beim MSC und dem langjährigen Verpächter, die weitere Zusammenarbeit zu klären.“ Weber habe von beiden Seiten „positive Signale“ erhalten.

Für umsetzbar halten Bumann und Weber die vorgesehene Fläche in Waffensen, die 8,25 Hektar messen soll. „Wir müssen dort aber zunächst die Planfeststellung der Bahn abwarten, ehe wir dort tätig werden können. Eine Bauleitplanung schließe ich dort deshalb derzeit aus. Das wird sich frühestens in drei bis fünf Jahren ändern, wenn die Alpha-E-Trasse fertig ist“, sagt Bumann. „Die Fläche dort ist ansonsten wie gemacht für eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage.“

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