Entscheidung im Stadtrat

Forstamtsleiterin hofft weiter auf ein „Ja“ zum Friedwald

Jochen Orthmann (v.l.), Lena Maack und Knut Sierk machen sich für einen Friedwald im Lintel stark.
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Jochen Orthmann (v.l.), Lena Maack und Knut Sierk machen sich für einen Friedwald im Lintel stark.

Braucht Rotenburg einen Friedwald? Bislang steht die Politik den Plänen der Landesforsten skeptisch gegenüber - doch die hoffen weiter auf Zustimmung.

Rotenburg – Die Entscheidung fällt voraussichtlich am 15. Juli im Stadtrat. Wird es im Rotenburger Lintel schon bald einen Friedwald geben – oder eben nicht? Die Vorzeichen Stand jetzt sind klar: Nach der ablehnenden Empfehlung im Ausschuss für Straßen- und Tiefbau hat sich auch der vertraulich tagende Verwaltungsausschuss gegen den Plan der Niedersächsischen Landesforsten ausgesprochen. Forstamtsleiterin Lena Maack gibt aber noch nicht auf. Sie hofft auf ein Umdenken – und auf grünes Licht im Rat.

Warum aber legt das Forstamt Rotenburg so viel Wert auf diesen Plan? Lena Maack geht sehr ehrlich mit dieser Frage um. „Es ist auch eine Option für uns, Geld umzusetzen – und zwar losgelöst von der klassischen Holzwirtschaft.“ Doch das sei nicht allein ausschlaggebend. Grundlage für die Planungen seien zahlreiche Anfragen aus der Bevölkerung in Rotenburg und umzu. Maack: „Wir stellen da eine entsprechende Nachfrage und damit auch einen Bedarf nach anderen Bestattungsformen fest.“

Kein Bestattungstourismus

Knut Sierk als Sprecher der Landesforsten unterstreicht diese Erfahrungen: „Die Bevölkerung sucht nach Alternativen, aber wer in seinem Kirchspiel verankert ist, wird ganz sicher eher den klassischen Friedhof wählen.“ Dennoch habe sich die Bestattungskultur deutlich geändert – und mit den Friedwäldern habe sich eine weitere Wahlmöglichkeit ergeben. Und die wolle man nun auch den Menschen hier in der Region bieten.

„Die Bevölkerung hier hat ein enges Verhältnis zu den Wäldern“, ist sich Lena Maack sicher. Nicht zuletzt deshalb habe es nahe gelegen, auch in Rotenburg ein solches Angebot zu schaffen. „Wir haben ja auch tolle Wälder mit einer räumlichen und emotionalen Nähe.“ Den Hinweis auf Bestattungstourismus weist sie zurück. In der Regel wollten auch die Menschen, die sich für einen Friedwald entscheiden, einen möglichst wohnortnahen Standort. Daher werde ein Friedwald im Lintel auch nicht für den befürchteten Bestattungstourismus sorgen, ist Lena Maack überzeugt. Denn auch an den Rändern der Ballungsräume Hamburg, Bremen und Hannover gebe es Friedwälder.

Darüber hinaus müsse auch niemand eine Konkurrenz zu den klassischen Friedhöfen in der Stadt oder in den Ortschaften fürchten: „Wer sich für einen Friedwald entscheidet, bleibt dabei – auch wenn es in Rotenburg ein solches Angebot nicht geben würde.“

Kritik vom Dachverband der Friedhofsvereine

In die Rotenburger Debatte über das Für und Wider von Friedwäldern hat sich in diesen Tagen auch Andreas Morgenroth vom Dachverband der Friedhofsvereine eingeschaltet – mit einer langen E-Mail an Bürgermeister Andreas Weber (SPD), an Vertreter des Kirchenkreises Rotenburg sowie an die Kreiszeitung. Morgenroth meldet sich vielerorts zu Wort, wenn es um Friedwald-Pläne geht. Er betont, einen Verein zu vertreten, „der sich für die Bewahrung und Entwicklung unserer Traditionsfriedhöfe einsetzt“. Doch er weiß auch von dem, was ihm nachgesagt wird: eine Nähe nämlich zu denen, die an herkömmlichen Friedhöfen verdienen – Steinmetze und Grabsteinproduzenten etwa. „Wir wissen, dass die großen Franchiseunternehmen nichts unversucht lassen, unsere Arbeit und auch mich als Vorsitzenden zu diskreditieren. Regelmäßig wird Käuflichkeit unterstellt, dass wir nur im Interesse derjenigen tätig sind, die in oder an Friedwäldern nichts verdienen.“

Anschaulich: Eine Friedwald-Urne steht beim Ortstermin der Ausschussmitglieder unter einem Baum.

Morgenroth hat einen klaren Standpunkt: Die Rotenburger Friedhofskultur sei vielfältig, ausgewogen und werde maßgeblich ehrenamtlich unterstützt, besonders auf den evangelischen Ortsteilfriedhöfen. „Hier bestehen größte Bedenken gegen die Friedwald-Akquise“, schreibt er. Menschen begegneten sich auf Friedhöfen, im Friedwald kenne man in der Regel niemanden und sei auch oft allein. „Deshalb sind Friedwälder unserer Auffassung nach friedhofskulturell abträglich.“

Morgenroth spricht von einem „Parallelfriedhof“ und betont: Die Stadt Rotenburg sei im Rahmen der Daseinsvorsorge verpflichtet, eine Friedhofsinfrastruktur vorzuhalten, die „bestattungskulturellen Traditionen entspricht und die Wünsche aller Rotenburgerinnen und Rotenburger aufnimmt“. Dies umfasse unter anderem die Möglichkeit der Sargbestattung, individuelle Grabpflege mit dauerhaften Grabdenkmalen, wie sie vielfach und über alle Gesellschaftsgruppen hinweg gewünscht und erwartet werde.

Ein weiterer Punkt in seiner Argumentation: „Wir bedauern, dass in Friedwäldern die Bodenschutzverordnung § 12 Abs. 8, offenbar unbeachtet bleibt, der zufolge Wälder von Einträgen ausgenommen werden sollen, und fragen uns, ob Baumwurzeln unterscheiden können, ob Aschen aus einem Krematorium oder einer anderen Verbrennung eingelagert werden.“ Man bedauere auch, „dass es noch keine unabhängige wissenschaftliche Forschung zur Wirkung des Friedwaldbetriebes auf die Waldökologie gibt“.

Gefahr für den Boden?

Maack verweist auf eine erste Studie mit Blick auf den Boden. Daraus ergäben sich keine Probleme. Eine Langzeitstudie befasse sich zurzeit mit den Auswirkungen auf das Grundwasser. „Das ist auch ein Argument bei der Standortwahl“ – der Lintel sei kein Natur-, kein Wasser- und auch kein Landschaftsschutzgebiet. Und: „Der Lintel ist nicht grundwassergeprägt.“

Im Rat geht es darum, ob die Stadt als Trägerin einsteigt in das Projekt mit den Niedersächsischen Landesforsten – mit dem Auftrag an die Friedwald GmbH, die ausgewiesenen Flächen zu bewirtschaften. Für den Start sind 2,5 Hektar vorgesehen – das reiche erfahrungsgemäß für die ersten vier bis fünf Jahre. Der Lintel ist 110 Hektar groß. Maximal 40 davon sollen befriedet werden. Man rechnet zunächst mit etwa zwei Bestattungen pro Woche. „Das ist für den Wald absolut unschädlich“, sagt Lena Maack. Zu erwartende Besucher im Wald seien zudem erwünscht. „Reisebusse werden deshalb aber nicht kommen.“

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