Kathrin Ehrke lebt in Nationalpark

Lässt sich Wilderei mit Tourismus bekämpfen? Lauenbrückerin forscht in Simbabwe

Kathrin Ehrke lebt im Hwange Nationalpark, dem größten in Simbabwe.

Wenn man aus Lauenbrück kommt, ist es nicht das Naheliegendste, sich gegen Wilderei zu engagieren. Kathrin Ehrke tut es trotzdem – aber nicht daheim, sondern im 8000 Kilometer entfernten Hwange-Nationalpark, dem größten Nationalpark Simbabwes. Seit Ende September lebt die 41-Jährige in Afrika und untersucht wissenschaftlich, wie der Tourismus Wilderei bekämpfen kann.

Rotenburg – Mit 38 noch einmal ganz von vorn beginnen. Ehrke reist viel in ihrem Leben, aber nach fast 20 Jahren im Job als kaufmännische Angestellte in der Versicherungsbranche will sie die „Gehirnzellen entrosten“, wie sie sagt. An der „IST-Hochschule“ für Management in Düsseldorf beginnt sie berufsbegleitend ein Fernstudium: Tourismus Management. Studienleistung, soziales Engagement und Sprachkenntnisse sind offenbar ausgezeichnet, denn Ehrke erhält für diese Kriterien ein Stipendium und darf ein Forschungsprojekt außerhalb der EU betreuen. Ihre Wahl fällt auf Simbabwe, sie kennt das Land. 

Ihre Studie soll beleuchten, wie man durch Tourismus Wilderei bekämpfen kann. Dazu führt sie Interviews mit Tourenanbietern, Reisenden, Parkbehörden und Menschen, die im Wildtierschutz aktiv tätig sind – und sie begleitet Ranger in die Wildnis, lernt das karge Leben kennen. „Meine Forschungsarbeit gewährt mir tiefere Einblicke in das Thema Wilderei, das ist sehr erschütternd und nimmt mich häufig mit“, sagt die 41-Jährige. 

Von Simbabwe zurück nach Lauenbrück

Ende des Jahres geht es zurück in die alte Heimat, dann werden die vielfältigen Erkenntnisse in Form gegossen. Schon jetzt betont sie aber, dass der Schlüssel zum Erfolg wie bei so vielem auf der Welt Informationen und Wissen sein könnten: „Die bisherigen Ergebnisse scheinen meine Vermutung zu bestätigen: Reiseveranstalter und Parkbehörden sollten mehr aufklären. Es gibt zwar das Risiko, dass Gäste es als Sicherheitsrisiko empfinden, wenn sie genau wüssten, dass der Kampf gegen Wilderei einem Krieg gleicht, aber die Chancen überwiegen: Aufgeklärte Touristen könnten im Falle von Kontakt mit Wilderei oder mit denen, die Wilderei bekämpfen, besser mit der Situation umgehen, suspekte Dinge korrekt melden. Sie würden für die Thematik sensibilisiert und wären im Zweifel auch dazu bereit, sich aktiv zu beteiligen, beispielsweise durch Spenden.“ Hinzu komme, dass durch die Einnahmen des Tourismus‘ erhöhter Druck auf die Behörden ausgeübt werden kann, betont Ehrke.

Völlig neue Perspektiven eröffnen sich im Nebeneinander mit den Wildtieren.

Die Lauenbrückerin schwärmt zwar vom Leben in der Ferne und sagt, dass sie nach all ihren Reisen festgestellt habe, dass die freundlichsten Menschen der Welt tatsächlich in Simbabwe leben, erlebt aber auch hautnah die Probleme vor Ort – nicht nur der Wilderei. Im Nationalpark lebt sie mit den Touristen in einer Lodge, mitten „im Busch“: maximal 40 Gäste, keine Zäune, zwei Autostunden vom nächsten Geschäft entfernt. 

Wilderei für Viele in Simbabwe ein Ausweg

„Einst der Brotkorb Afrikas, steckt Simbabwe in einer der schwersten wirtschaftlichen und politischen Krise seit Jahrzehnten“, sagt sie. Die Bevölkerung leide, hinzu komme die schwerste Dürre seit 40 Jahren. Wilderei sei für viele ein Ausweg – auf der anderen Seite stehe der Tourismus, „ohne den hier alles zusammenbrechen würde“. Dieses Spannungsfeld steht im Zentrum ihrer Beobachtungen.

Nach einem Spendenaufruf jubelte Kathrin Ehrke via Facebook am Montag: „Zehn Koffer Baby- und Fußballsachen haben wunderbare neue Besitzer gefunden!“

Doch nur Zuschauen ist Ehrke zu wenig. Die frenetische Anhängerin des Hamburger SV hat den Fußball im Nationalpark entdeckt und hilft. Ihre Lodge unterstützt die „Ngamo Lions Soccer Academy“. Die 2017 von drei Mitarbeitern gegründete Fußballschule ist die erste, die es in Simbabwe im ländlichen Raum gibt. Doch es fehlt auch hier vieles. 

Erste Fußballschule im ländlichen Raum von Simbabwe

Da die Welt dank Facebook und Co. kleiner geworden ist, hatte Ehrke vor ein paar Wochen online zu Spenden aufgerufen. Die Resonanz sei überwältigend gewesen. Zum Equipment für die jungen Kicker habe sie kofferweise Babysachen für die Bevölkerung erhalten – und mittlerweile sogar durch die komplizierten Zollbehörden vor Ort bekommen. 

Ihr Ziel, neben dem erfolgreichen Abschluss ihrer Studie? „Mindestens eines der Kinder soll mal in Liga eins in Deutschland spielen!“ Damit das bei ihrem geliebten HSV klappt, muss der aber auch noch seine Hausaufgaben machen und aufsteigen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hahnenkamm-Rennen - die besten Fotos aus Kitzbühel 2020

Hahnenkamm-Rennen - die besten Fotos aus Kitzbühel 2020

Lungenkrankheit: China schottet 43 Millionen Menschen ab

Lungenkrankheit: China schottet 43 Millionen Menschen ab

Erdogan empfängt "Freundin" Merkel betont herzlich

Erdogan empfängt "Freundin" Merkel betont herzlich

Die Luxusjachten der Autobauer

Die Luxusjachten der Autobauer

Meistgelesene Artikel

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

Große Party im Zweijahrestakt

Große Party im Zweijahrestakt

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Kommentare