Forderung nach Entlastung der Freiwillligen in der Flüchtlingsbetreuung

„Ehrenamt wird ausgenutzt“

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Rauchende Köpfe, schwieriges Thema: Schon bei ihrer ersten Sozialausschuss-Sitzung war Sozialdezernentin Imke Colshorn voll gefordert.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. In der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales des Landkreises gab es am Mittwoch ausnahmsweise keine Beschlüsse zu fassen. Auf der Tagesordnung stand im Kern ein einziger Punkt: der Sachstandsbericht zum Thema Asyl im Landkreis. Der hatte es allerdings in sich: Bereits die vorgelegten Zahlen machen deutlich, vor welch gewaltigen Herausforderungen der Landkreis, aber auch die einzelnen 13 Kommunen stehen.

Waren es 2013 noch 465 Asylsuchende, die dem Landkreis Rotenburg zugeteilt worden waren, stieg diese Zahl 2014 auf 750 an. Für 2015 wird ein weiterer Anstieg um 70 Prozent auf 1275 erwartet, wobei es sich um immer mehr Einzelpersonen handelt.

In diesem Zusammenhang wurde im Ausschuss auf die Bemühungen hingewiesen, bei den zentralen Verteilstellen vorzugsweise um Familien zu bitten, da für sie im Landkreis geeignetere Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stünden. Bei den Hauptherkunftsländern liegt Serbien vor der Elfenbeinküste, dem Sudan, Albanien, Mazedonien und dem Kosovo. Auch finanziell schlägt sich diese Zunahme nieder: Die Differenz aus dem vom Bund gezahlten Transferaufwendungen und Kostenabgeltungen zu den Aufwendungen wird immer größer.

Von 2013 auf 2014 habe sich der vom Landkreis zu tragende Zuschuss mehr als verdoppelt; für 2015 geht der Landkreis von einer Differenz von rund 350000 Euro aus. Hier forderten Ausschussmitglieder wie Heinz-Günter Bargfrede eine stärkere Unterstützung durch das Land ein: „Andere Länder, wie das Saarland, übernehmen doch auch die vollen Kosten!“

Doch die eigentlichen Herausforderungen seien nicht nur finanzieller Art, wie die neue Sozialdezernentin Imke Colshorn in ihrer ersten Sozialausschuss-Sitzung deutlich machte. Vielmehr übernähmen Landkreis und Gemeinden mit der sozialen Betreuung und Spracherwerb verstärkt auch Aufgaben, die über die Grundleistungen wie Unterbringung und Versorgung hinausgingen und nicht durch das Asylbewerberleistungsgesetz abgedeckt seien.

In fast allen Wortbeiträgen wurden die enormen Bemühungen Ehrenamtlicher anerkannt: „Die erbringen Wahnsinnsleistungen und gehen auf dem Zahnfleisch!“, wie Bernd Sievert aus Tarmstedt berichtete. Ulrich Thiart aus Sottrum ging sogar noch weiter: „Das Ehrenamt wird ausgenutzt!“ So kristallisierte sich als Arbeitsauftrag aus der Sitzung, aber auch aus vorhergegangenen Gesprächen mit Vertretern der Gemeinden, eine verstärkte Unterstützung des Ehrenamts, verbunden mit finanziellen Mitteln, etwa Büchern für Sprachkurse, heraus. Diese seien ein Schlüssel für die Integration. So brachte es Hans-Klaus Genter-Mickley auf den Punkt: „Wir müssen uns von der Vorstellung freimachen, dass sie wieder gehen. Ziel ist eine schnelle Integration in Sprache, Ausbildung und Job.“

In fast allen Kommunen werden ehrenamtliche Initiativen für Sprachkurse durchgeführt oder sind in Planung. Hier wurde der Wunsch nach Standardisierung laut, um deren Qualität zu sichern und ein gewisses Maß an Professionalität zu erreichen. Eine weitere Baustelle: Arbeit für Asylsuchende. Bargfrede begrüßte, dass nach neuer Gesetzeslage die Aufnahme einer Arbeit nun bereits nach drei statt wie bisher neun Monaten möglich sei, „aber es kann doch nicht sein, dass die Arbeitswilligen sich in der Praxis ihre Arbeitsstelle selbst suchen müssen!“ Auch das gesetzliche Verbot von Praktika wurde moniert, ebenso wie die erheblichen Hürden durch gesetzliche Vorgaben wie Vorrangsprüfung durch die Arbeitsagentur.

Ähnlichen Klärungsbedarf schien es bei der Gesundheitsversorgung zu geben; thematisiert wurde die Weigerung einiger Ärzte, Asylsuchende zu behandeln. Angesichts all dieser Baustellen versprach Kreuzfeld eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen: „Wir müssen sie da abholen, wo sie individuell sind, aber auch koordinierend übergeordnet tätig sein.“

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