Wer folgt auf Luttmann?

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Wenn 2021 im Landkreis Rotenburg ein neuer Landrat gewählt wird, steht Hermann Luttmann nicht mehr auf dem Wahlzettel.

Landrat Herrmann Luttmann will nicht mehr. Für den CDU-Politiker ist 2021 nach 15 Jahren im Amt Schluss. Der heute 61-Jährige macht Platz für einen Nachfolger – und der dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit nach allen bisherigen Wahlergebnissen auf Kreisebene wieder aus der CDU kommen. Es gibt mehrere Kandidaten.

Rotenburg – 2006 war es der bisherige Erste Kreisrat, der der nach Hans-Harald Fitschen der zweite direkt gewählte Landrat des Landkreises wurde. Hermann Luttmann, Jurist aus Unterstedt, dreifacher Familienvater, Jäger und Läufer, machte mit 60,38 Prozent der Wählerstimmen klar das Rennen gegen SPD-Herausforderer Gerd Brockmann. Acht Jahre später ist das Ergebnis noch eindeutiger: 61,14 Prozent für Luttmann gegen seinen Konkurrenten, den Superintendenten des Kirchenkreises Rotenburg, Hans-Peter Daub. Luttmann stieg vom zweiten zum ersten Mann im Kreishaus auf, das war auch zuvor schon so. Kritiker unken bereits, dass die „Hochsitzfraktion“ die Nachfolge 2021 zu Luttmanns Abschied längst geplant hat.

Demzufolge wäre Torsten Lühring als Erster Kreisrat in der CDU-Thronfolgedynastie dran. Der 48-jährige Rotenburger Verwaltungsjurist mit Doktortitel macht gar keinen Hehl daraus, dass er Interesse hätte, seine Arbeit im Landkreis auch an prominenterer Stelle fortzusetzen: „Der Landkreis ist schon lange meine Heimat und die meiner Familie geworden. Zwei unserer drei Kinder sind hier geboren. Die meisten unserer sozialen Kontakte bestehen hier. Hier haben wir unser Haus gebaut. Ich möchte auch weiterhin gerne an verantwortlicher Stelle für den Landkreis arbeiten und ihn mit gestalten. Die Arbeit zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern, Abgeordneten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie vielen Vereinen und Institutionen macht mir – bei aller notwendigen Ernsthaftigkeit – großen Spaß“, so Lühring auf Nachfrage. Gleichwohl könne er so kurz nach der Ankündigung Luttmanns, sich in zwei Jahren zurückziehen zu wollen, noch keine Aussage zur Nachfolge treffen.

Diesbezüglich schweigt wenig überraschend bei offiziellen Anfragen die gesamte Kreispartei merklich laut. Luttmann selbst hatte bei der Ankündigung seines Abschieds vergangene Woche gesagt, er sehe seine Partei gut aufgestellt. Aus dem Kreistag würden ihm „auf Anhieb fünf, sechs Namen einfallen“, die er für geeignet hält.

Einer dieser Namen wird Marco Prietz sein. Der 31-jährige Verwaltungsbetriebswirt aus Bremervörde ist Leiter des Amtes für Kreisentwicklung beim Landkreis Osterholz, gilt nicht nur wegen seiner frühen Berufung zum Chef der CDU-Kreistagsfraktion als große Hoffnung seiner Partei. Zwar hatte er im parteiinternen Duell um die Landtagskandidatur gegen Marco Mohrmann 2017 den Kürzeren gezogen, doch diese Niederlage dürfte für ihn jetzt die Chance sein. Prietz könnte so etwas wie der CDU-interne Gegenentwurf zur bisherigen Rotenburger Kreishauserbfolge werden. Auf eine mögliche Landratskandidatur angesprochen, hatte Prietz im vergangenen Jahr gesagt: „Politik ist so dynamisch, dass es keinen Sinn ergibt, langfristig Pläne zu schmieden“ – und sich damit alle Türen offen gehalten. Und auch zur Landratsfrage teilt er jetzt mit: „Ich werde mich hierzu rechtzeitig gegenüber Partei und Öffentlichkeit erklären.“ Eine Absage klingt anders.

Zum Beispiel so: „Für meine Person kann ich jegliche Ambitionen ausschließen“, heißt es von Marco Mohrmann, der auch CDU-Kreisvorsitzender ist. Sein Kreistags- und Landtagskollege sowie Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes in Rotenburg, Eike Holsten, wiegelt ebenso umgehend ab: „Ich habe meinen Traumjob schon gefunden.“ Die bislang einzige Kandidatin innerhalb der Christdemokraten im Landkreis wird genauso deutlich. Ulrike Jungemann, auch beim Landkreis Rotenburg tätig und Regionalplanerin, erklärt, sie habe „keine Ambitionen, Landrätin zu werden“ und werde daher nicht kandidieren. Sie freue sich aber, „dass in der CDU kompetente und geeignete Personen für diese Position zur Verfügung stehen“. Jungemann, seit 2017 Schatzmeisterin der Kreis-CDU, werden allerdings parteiintern durchaus Ambitionen für andere politische Ämter im Landkreis zugesprochen.

Zwei Namen tauchen aktuell noch im erweiterten Kreis derer auf, die aufs Rotenburger Kreishaus schielen könnten. Klaus Rinck, Kreistags- und Rotenburger Stadtratsmitglied, würde dafür möglicherweise das Amt als Direktor des Arbeitsgerichts in Verden eintauschen, hält sich aber auf Nachfrage bedeckt: „Rund zwei Jahre vor der Wahl bekommen Sie von mir kein Statement.“ Und Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister Frank Holle, zuletzt bei der Wahl in Stuhr gescheitert, sagt, es sei richtig, dass er ab November 2021 „eine interessante Anschlussbeschäftigung suche“. Und er fügt einen Satz an, der bei aller Zurückhaltung der Angesprochenen aufhorchen lässt: „Der Posten des Landrats ist aus meiner Sicht durchaus reizvoll.“ Ob er für den Wahlkampf neben seiner Tätigkeit in Tarmstedt Zeit finde, sei aber fraglich. „Dass ich 2021 nicht doch noch für ein (anderes) Amt kandidiere, möchte ich dabei aber nicht ausschließen.“

Für die Nominierung hat sich die CDU bereits einen zeitlichen Fahrplan zugelegt. Dem Kreisparteitag am 18. April 2020 folgt Ende Mai der Meldeschluss für Landratskandidaten. Aber dem 17. Juni folgen dann drei Vorstellungsrunden in Zeven, Rotenburg und Bremervörde. Für den 8. Juli ist die Nominierungsveranstaltung der Landratskandidatur in Mulmshorn geplant – und im Herbst 2021 wird die Kommunalwahl stattfinden. Möglicherweise müssen dann im September die Wähler gleich zwei Mal an die Urnen, da auch der Bundestag neu gewählt werden soll. Beides gleichzeitig wird bislang ausgeschlossen.

Und die anderen? Ist es eigentlich abwegig, dass die aktuell in Umfragen vor Kraft strotzenden Grünen auch im Landkreis Rotenburg mal etwas mehr fordern? Für Hans-Jürgen Schnellrieder nicht. Der Kreissprecher hält es durchaus für möglich, 2021 mit einem eigenen Bewerber ins Rennen um den Landratsposten zu gehen – „wenn sich ein geeigneter Kandidat findet“. Diesen gebe es aktuell noch nicht. „Ebenso können wir uns vorstellen, einen parteiunabhängigen Kandidaten zu unterstützen. Wichtig ist die Gewichtung Klimaschutz, Umweltschutz, Wirtschaft, Soziales und Nachhaltigkeit“, betont Schnellrieder die Fokussierung auf Themen, nicht auf Personen. „Wir schauen uns in aller Ruhe innerhalb und außerhalb der Partei um und werden rechtzeitig eine Entscheidung treffen.“

Ähnlich klingt es bei der SPD, wenn auch schon etwas konkreter. Kreistagsfraktionschef Bernd Wölbern sagt, es gebe bereits „einige Interessenten“, es würden schon „seit längerem Gespräche geführt“. Die parteinterne Vorauswahl laufe bis Juni 2020. Danach seien Vorstellungs- und Bewerbungsveranstaltungen in möglichst allen Ortsvereinen geplant. Der Kandidat werde dann in einer Urabstimmung von allen SPD-Mitgliedern im Landkreis Rotenburg gewählt.

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