Förderverein Cohn-Scheune stellt sich mit Vorstandswahl neu auf

„Herausragend“

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Wechsel nach acht Jahren Vorsitz des Fördervereins: Ingeborg Hansen-Schaberg folgt Michael Schwekendiek.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Nach acht Jahren als Vorsitzender des Fördervereins Cohn-Scheune hat Michael Schwekendiek in der Mitgliederversammlung auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Zur Nachfolgerin des Pastors in Ruhestand wurde einstimmig die Rotenburger Erziehungswissenschaftlerin Professor Inge Hansen-Schaberg gewählt, die in Berlin lehrt und zurzeit eine Gastprofessur an der TU Braunschweig inne hat.

Schwekendiek, der in einem längeren Bericht die anfänglich von manch hässlicher Kritik begleitete Geschichte der vor sechs Jahren Am Kirchhof erneut aufgebauten Cohn-Scheune der letzten Rotenburger jüdischen Familie erinnerte, sagte unter anderem: „Diese acht Jahre haben mich außerordentlich bereichert; ich bin Ihnen, den Mitgliedern unseres Vereins und besonders auch unserem Vorstand und Beirat, sehr dankbar für diese gemeinsame Zeit.“ Gemeinsam mit dem Vorsitzenden trat auch Michael Amthor, einer der „Motoren“ des Fördervereins, von seinem Sitz im Beirat zurück.

Schwekendiek, der Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Bodo Lemme geworden war, blendete zurück und sagte zu Reaktionen eines Teils der Öffentlichkeit: „Verdeckt unter dem Mantel städteplanerischer Besserwisserei wurden hier eindeutig antisemitische Äußerungen ungeniert nach außen getragen, die mich erschreckten.“ Und weiter: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass es das in dieser Eindeutigkeit 60 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus noch gab.“

In seinem letzten Bericht ging der Vorsitzende ausführlich auf die Bemühungen des Aufbaus des kleinen Fachwerkhauses in Rotenburg ein. Dazu gehörten unter anderem die Sicherstellung der Finanzierung von öffentlicher Hand, die Hilfe über Stiftungen und private Geldgeber.

Schwekendiek: „Der Bau und auch das Museum, also unsere Dauerausstellung, übertrafen unsere Erwartungen. War früher in Leserbriefen von einem ‚hässlichen Schuppen‘ die Rede, der dann an der Goethestraße stehen würde, mussten auch die größten Kritiker inzwischen einräumen, dass hier ein echtes Schmuckstück stand.“

Mit einigem Stolz fügte er hinzu: „So haben wir also inzwischen ein kleines jüdisches Museum mit Kulturwerkstatt, das, so hat es auch kürzlich eine wissenschaftliche Untersuchung einer Studentin aus Flensburg ergeben, ohne Über- treibung als herausragend zu bezeichnen ist. Und das Besondere: Wir machen das alles 100-prozentig ehrenamtlich. Die Kritiker aus der Zeit vor 2008 sind im Übrigen weitgehend verstummt. Dass einige von ihnen allerdings nie zu uns gekommen sind, finde ich traurig.“

Jährlich, so Schwekendiek, kämen etwa 1200 Besucher – also mehr als 6000 in fünf Jahren: „Das ist ja was, aber es macht deutlich, dass mindestens 20000 aus unserer engeren Region noch nie hier waren.“ Allerdings: Die Schulen „entdecken uns immer mehr und öfter.“ Neue Ideen, ungewöhnliche Umsetzungen, tolle Veranstaltungen, gerade auch mit anderen Kulturen, seien notwendig.

Ideen, die der Zukunft vorbehalten sind: „Heinz Bensch hatte davon geträumt, dieses bauliche Kleinod sozusagen fortzusetzen. Also hier am Kirchhof noch mehrere Gebäude herauszustellen, aufzubauen, einzubeziehen. Ein ‚Kulturviertel am Kirchhof‘ zu etablieren.“ Dazu hätten Atem und Geld gefehlt, die Idee, sollte jedoch bleiben. Es würde sich für Rotenburg lohnen.

Ein Problem ist für den 108 Mitglieder zählenden Förderverein besonders wichtig: der fehlende Nachwuchs. Das dürfe, betonte Schwekendiek, „uns nicht ruhig lassen“. Aber auch hier zeigt sich ein erster Hoffnungsschimmer: „Wie gut, dass wir kürzlich die Foto-Ausstellung von Schülern der Eichenschule hatten.“ Die nächste Ausstellung sei terminiert: Johanna Amthor und Susanne Hoppe aus Bothel werden im April mit Gedichten und Holzskulpturen erfreuen.

Schatzmeister Manfred Göx, die „gute Seele“ der Cohn-Scheune, trug den Kassenbericht vor: 10000 Euro betrage der aktuelle Kassenbestand.

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