Rotenburg befriedigt mit Drohnen-Forschungsstützpunkt bundesweite Nachfrage

Der Flugplatz als weitreichendes Signal

Drohnen werden in Zukunft einen großen Anteil am Verkehr auf dem Rotenburger Flugplatz haben. - Foto: Röhrs

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Der Rotenburger Flugplatz könnte ein Anker der deutschen Drohnenindustrie werden. In Zukunft dient er als Forschungsstützpunkt für unbemannte Luftfaht: Unternehmen, die sich im Bundesverband Unbemannter Systeme (BUVUS) organisiert haben, können dann ihre Entwicklungen auf dem Gelände testen. Der Flugplatz schließt damit eine Lücke in Deutschland.

Ein leises Piepen ertönt, die Drohne ist startbereit. Schnell hebt sie vom Tisch ab, hinauf in den klaren Rotenburger Himmel, und ist dabei kaum lauter als ein handelsüblicher Seitenschneider. Etwa zwei Meter über den Köpfen der Anwesenden bleibt sie stehen und macht ein Foto. Eine Szene, die es auf dem Rotenburger Flugplatz in Zukunft häufiger geben soll. Er ist nun ein Testgelände für Drohnen

„Die Industrie hat lange auf ein Testgelände gewartet“, sagt Jan Syré, der Vorstandsvorsitzende des in Hamburg ansäßigen BUVUS. Auf großes Interesse sei dieses Projekt bereits auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin vergangene Woche gestoßen, schließlich sei das nächste vergleichbare Testgelände in Dänemark. Der Flugplatz Rotenburg soll somit den Standort Deutschlands innerhalb der Drohnenindustrie international festigen. Vier Unternehmen stehen bereits in den Startlöchern, mit einigen anderen laufen die Gespräche.

Die Tests sind rein ziviler Natur, eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr oder der benachbarten Lent-Kaserne gibt es nicht. „Wir haben absolut keine Nähe zum Militär“, erklärt Syré. Der Verband sieht sich als Interessenvertretung der Industrie – und ist selber noch sehr jung. Erst seit Dezember 2015 betreibt der Verband Lobbyarbeit für die privatwirtschaftlichen Akteure der Branche – in der Nische zwischen Militär und Modellfliegern.

In Zukunft sollen in Rotenburg kleinere Start-Ups und größere Unternehmen ihre neuen technischen Entwicklungen auf Herz und Nieren testen können – unabhängig, ob der Einsatz nun für die Landwirtschaft, Film und Fotografie, Logistik oder für die Sicherheit bei Großveranstaltungen gedacht ist.

Sie alle wollen „Teil der Weiterentwicklung von Drohnen sein“, sagt Syré. In Rotenburg können sie Tests durchführen, für die spezielle Genehmigungen eingeholt werden müssten, so sind sie allgemein flexibler. Wie viele Drohnen aber jetzt in Rotenburg aufsteigen, kann der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage allerdings noch nicht sagen.

Keine Flüge über Rotenburg

Dabei beschränken sich die Testflüge ausschließlich auf die Fläche des Flugplatzes, denn außerhalb ist es nicht erlaubt, so Syré. Flüge über Rotenburg wird es vom BUVUS nicht geben. Die 84 Hektar, die der Landeplatz misst, seinen eh groß genug.

Außerdem hat der Verband ein Büro auf dem Gelände eingerichtet, das an den Wochentagen besetzt ist und den Verkehr auf sowie über dem Areal mit der Flugleitung koordiniert. Auch, wenn es nur ganz wenige Überschneidungen mit dem hauptsächlich am Wochenende stattfindenden Freizeitverkehr gebe.

Die ausschließlich zivile Nutzung des Testgeländes hat auch Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) am Ende von dem Projekt überzeugt. Er ist jetzt dessen Schirmherr. „Für die Stadt ist es ein wichtiges Anliegen, die zivile Anwendung von Drohnen zu unterstützen“, sagt er. Er glaubt an den Boom, den diese Technologie in den kommenden Jahren erfahren soll und dass Rotenburg nun davon profitieren kann. So setze der Flughafen Signale an Technologieunternehmen in Bremen oder Hamburg, glaubt Weber. Neue Arbeitsplätze könnten an der Wümme entstehen.

Dass Drohnen in der Bevölkerung oft mit Vorurteilen behaftet sind, ist Syré bewusst. Private Drohnen würden häufig die Regularien überschreiten oder illegal aufsteigen. Die Regeln für den Drohnenverkehr hätte der BUVUS sowieso gerne überarbeitet und hat mit der „Rotenburger Erklärung“ gleich ein entsprechendes Papier nach Berlin verschickt, in dem sie Vorschläge für beispielsweise die Bereiche Sicherheit oder Standards unterbreitet. Man wolle Aufklärungsarbeit leisten, so Syré. Schließlich nütze die Technologie der Bevölkerung. Den Beitrag Rotenburgs hierzu „kann man nicht hoch genug einschätzen“.

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