Bürgermeister Andreas Weber (SPD): „Jetzt steht die Integration im Fokus“

Flüchtlingssituation entspannt sich – Luft zum Durchatmen

Andreas Weber und Elke Bellmann sind froh, in Sachen Flüchtlinge zurzeit etwas Durchatmen zu können. Die Arbeit für die Verwaltung hat allerdings nicht wirklich nachgelassen. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Erleichterung ist herauszuhören, wenn Andreas Weber (SPD) über die aktuelle Flüchtlingssituation in der Kreisstadt spricht: „Ich bin froh, dass die Zuwanderung stagniert.“ Dadurch, sagt er, käme Rotenburg erst einmal aus der Drucksituation heraus. „Jetzt können wir uns intensiv mit der Integration der Flüchtlinge befassen.“ 400 Zuwanderer leben derzeit in der Wümmestadt – Platz für mindestens 100 weitere Menschen ist allein in dem Hallenneubau auf dem angemieteten Grundstück am Glummweg vorhanden. Vorerst steht er leer.

„Wir werden die Plätze am Glummweg erst belegen, wenn wir größere Gruppen zugewiesen bekommen“, erklärt Elke Bellmann, Leiterin im Rotenburger Amt für Jugend und Soziales. Gestern sind zwei Flüchtlinge in Rotenburg eingetroffen, nächste Woche kommen weitere drei – für sie gibt es andere Unterkünfte. Die aktuelle Quote für Rotenburg sieht 209 zusätzliche Flüchtlinge vor – 41 davon sind noch nicht eingetroffen. Bis Ende Juli gelte die Verfügung.

Und weil es noch beziehungsweise wieder freie Wohnungen gibt, steht in den Sternen, wie es mit der großen Unterkunft am Glummweg weitergeht. Aber: Die Stadt nimmt für die insgesamt 130 Plätze auf dem Rathsmann-Grundstück bis Ende 2018 insgesamt rund eine Million Euro in die Hand. Geld, das für Miete und die Investition in den Bau sowie Umbau gebraucht wird.

Weil die Refinanzierung aber über eine Pro-Kopf-Pauschale – zurzeit 9 500 Euro pro Flüchtling und Jahr – für jeden untergebrachten Zuwanderer gezahlt wird, bleibt die Stadt erst einmal auf den Kosten sitzen. Der Appell von Weber und den meisten seiner Kollegen: Für die Kommunen sollen die Vorleistungen möglichst zügig refinanziert werden. Weber: „Ich bin mir sicher, dass es auch dazu kommt.“ Das Thema sei in Hannover und Berlin angekommen, und dort wisse man auch, dass der Erfolg der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung nur so gut funktioniere, weil die Kommunen eben gute Arbeit leisteten.

Dennoch: Hat die Stadt mit dem Ausbau der großen Halle für 100 Menschen auf dem Glummweg-Grundstück voreilig gehandelt? „Nein“, sagt der Bürgermeister. Man habe zusätzlich schon über den Bau von weiteren Mobilbauten auf anzupachtenden Grundstücken nachgedacht.

„Wir wollten nicht überrascht werden“

Vor dem Hintergrund der Dynamik, mit der die Zuwanderung in den zurückliegenden Monaten abgelaufen ist, sei es wichtig gewesen, drei bis sechs Monate im Voraus zu denken und zu planen, um zu verhindern, dass vielleicht sogar Zeltlager errichtet werden müssen. Weber: „Wir wollten nicht überrascht werden, aber jetzt müssen wir nicht mehr in dem Maße vorplanen.“ Eine Situation übrigens, mit der fast alle Kommunen zu tun haben. „Wir hatten ja auch gar keine Alternative“, stellt der Sozialdemokrat im Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung die Situation dar.

„Jetzt steht die Integration im Fokus“, erklärt der Bürgermeister. Die Stadt könne sich glücklich schätzen, dabei Unterstützung auf breiter Basis zu erhalten. Weber erwähnt das Diakonissen-Mutterhaus und die Rotenburger Werke, die Diakonie sowie die Kirche, nicht zuletzt aber auch die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich auf vielen Ebenen mit einbringen. Rotenburg sei also gut aufgestellt, weil das Jobcenter, mehrere Bildungsträger, das Rotenburger Wirtschaftsforum (RWF), die Agentur für Arbeit und auch das Kaufhaus Rotenburg mit im Boot säßen. Das Ziel: Einerseits forciere man die Bemühungen, um möglichst viele Flüchtlinge mit Integrationskursen und Sprachunterricht zu versorgen, um anschließend andererseits eine Heranführung an den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Wichtig sei aber, nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die potenziellen Arbeitgeber vorzubereiten. Weitere Deutschlehrer seien eingestellt worden, die Kurse liefen, und auch die Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Plätzen in Kindertagesstätten sowie in den Schulen nehmen Form an, so Elke Bellmann. Sie und Weber betonen, wie groß insgesamt auch das Bemühen des Landkreises sei.

Entspannung sei zu verspüren, aber dennoch stehe das Team im Amt für Jugend und Soziales weiter enorm unter Druck. Die Flüchtlinge bedingten auch weiterhin einen hohen Verwaltungsaufwand, und außerdem sei in den vergangenen Wochen auch viel liegengeblieben. Bellmann: „Da sind zum Beispiel die Abrechnungen mit den anderen Trägern der Kindertagesstätten, und auch um die Kita-Aufnahmen müssen wir uns dringend kümmern.“ Das alles sei ebenfalls sehr belastend, auch wenn sich das gute Netzwerk in der Kreisstadt positiv bemerkbar mache. Also, auch wenn die Zuwanderung stagniert, gibt es noch viel zu tun.

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