Fischotterprojekt: Jägerschaft erhält Unterstützung von Umweltstiftung

Auf dem Laufsteg

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Auf einem guten Weg und doch gefährdet: Für den Fischotter baut die Jägerschaft „Bermen“.

Rotenburg - Von Nina Baucke. Lange galt er als vom Aussterben bedroht, bis er vor gut zwei Jahrzehnten sein Comeback feierte: Der Fischotter zieht wieder in den Flüssen des Landkreises seine Bahnen. Allerdings mit Beigeschmack – denn die Straßen sind für so manchen Otter schon zu einer tödlichen Falle geworden. Abhilfe will ein Fischotterprojekt der Jägerschaft Rotenburg leisten, das nun Hilfe aus den Töpfen der Bingo-Umweltstiftung erhält.

„Fischotter finden in den heimischen Flüssen nun wieder eine gute Lebensgrundlage vor“, erklärt Ulrich Voß, Vorsitzender der Jägerschaft Rotenburg. „So hat sich mit den Jahren wieder ein kleiner, aber stabiler Bestand aufgebaut. Und obwohl wir noch sehr aufpassen müssen, ist der Fischotter auf einem guten Weg.“ Es gibt nur ein Problem: „Wenn sie in einem Fluss schwimmen, dann nie unter einer Straße durch“, so Voß. „Sie verlassen stattdessen das Wasser und suchen sich andere Wege – warum, ist nicht ganz klar – und die führen dann nunmal leider über die Straße. Bei der Überquerung kommen viele der Tiere ums Leben.“ Mindestens zwanzig solcher, für Otter gefährliche Flußquerungen gibt es im gesamten Landkreis.

An diesem Punkt kommt das Projekt der Rotenburger Jäger ins Spiel, dass sie gemeinsam mit den Jägerschaften in Zeven und Bremervörde aus der Taufe gehoben haben: Seit zwei Jahren engagieren sich die Jäger für den Bau von sogenannten Bermen. Das sind eine Art Laufstege, die etwa 30 Zentimeter breit sind und unter der Brücke hindurch auf dem Trockenen auf die andere Seite führen. Alternative ist eine Trockenröhre mit etwa 50 bis 60 Zentimetern Durchmesser. „Aber das ist immer wieder eine Einzelfallentscheidung“, sagt Voß. „Auf jeden Fall sind wir sehr dankbar dafür, dass sich der Landkreis sehr in dieser Sache engagiert und uns da auch immer wieder unterstützt.“ Sechs Bermen sind in diesem Rahmen schon entstanden, allerdings unter hohen Kostenaufwendungen.

„Eine Berme kostet zwischen 10000 und 20000 Euro, eine Röhre sogar um die 70000 Euro“, rechnet Voß vor. Daher wandte sich die Jägerschaft an die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. „Die Stiftung arbeitet viel mit Jägern zusammen“, erzählt Voß. Sie stellten den Verantwortlichen ihr Projekt vor – und dann setzte erstmal ein Baustopp ein. „Es dauert ja eine ganze Weile, bis da so ein Antrag durch ist“, sagt Voß. Jetzt allerdings gibt die Bingo-Stiftung grünes Licht – zur Freude der Jägerschaft kann es nun weitergehen. Mit insgesamt 58000 Euro – den Rest steuert die Jägerschaft aus eigenen Mitteln bei – unterstützt die Stiftung nun den Bau einer Trockenröhre inklusive Leitzäunung. Wo, das steht auch schon fest: nahe Weertzen, wo die Landesstraße 142 die Oste überquert. „Da locken nämlich Fischteiche die Otter an“, erklärt Kuno Kumpins, Vorstandsmitglied der Jägerschaft Rotenburg. „Die Röhre wie auch unser ganzes Fischotterprojekt sind noch Neuland und damit so ziemlich einmalig bei den Jägerschaften in Niedersachsen.“ Die derzeitigen Otterschutz-Programme des Landes dienen dagegen zunächst der allgemeinen Verbesserung der Lebensräume für den Fischotter.

Neben der von der Bingo-Umweltstiftung geförderten Trockenröhre hat die Jägerschaft noch zwei Bermen in Planung. Diese finanziert sie allerdings mit Mitteln des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. „Vom Land kommt der Löwenanteil“, sagt Kumpins. So soll zum einen eine Berme in Scheeßel entstehen, wo die Landesstraße 131 die Beeke überquert, die andere im Nordkreis an der Bundesstraße 74 zwischen Bremervörde und Elm an der Brücke über den Oste-Schwinge-Kanal. „Da es in beiden Fällen Betondurchlässe sind, sind die Bermen dort aus Eichenholz“, sagt Kumpins. „Das sind fürs Erste die Planungen, die wir bis 2015 umsetzen wollen“, ergänzt Voß. „Dann sehen wir weiter.“

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