Feuerwehren im Landkreis rüsten auf Digitalfunk um / Abschluss im Sommer

Neue Zeit in der Einsatzkommunikation

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Die Kommunikation unter den Feuerwehren wird digitalisiert, aber gelöscht wird weiterhin „analog“.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Hochbetrieb in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Zeven. Die Mitarbeiter programmieren Funkgeräte. Auf einem Notebook ist eine regelmäßig verlaufende Sinuskurve zu sehen. Doch wirklich rund läuft es gerade nicht. „Wir warten auf die neue Software“, sagt einer der Männer. Im Laufe des Tages trifft das Update ein, die Arbeit kann weitergehen.

So und ähnlich ging es im Sommer in der FTZ zu. Ein Ende ist noch nicht abzusehen, im Gegenteil. Vor den Mitarbeitern liegt in den kommenden Monaten ein straffes Arbeitsprogramm. Dafür sorgt die inzwischen vorangetriebene Umstellung des sogenannten Fahrzeugfunks auf die Digitaltechnik. Spätestens ab Sommer kommenden Jahres soll die Kommunikation zwischen der Leitstelle der Feuerwehr und den Wehren, der Fahrzeugfunk, komplett umgestellt sein.

Nach Auskunft von Kreisbrandmeister Jürgen Lemmermann ist der notwendige technische Umbau im Einsatzabschnitt Rotenburg bereits abgeschlossen. Bis Mitte Januar sei dies auch in den Abschnitten Zeven sowie bis zum Sommer im Bereich Bremervörde erledigt. Doch damit nicht genug, denn mit dem Einbau neuer Geräte in die Fahrzeuge oder der Umrüstung ist es längst nicht getan. Parallel dazu müssen auch die ehrenamtlich Aktiven geschult werden. Angesetzt sind laut Lemmermann 90 Schulungen von jeweils 20 Teilnehmern. „Endanwenderschulung“ nennt sich das Ganze im Fachjargon.

Die Umstellung von analoger auf digitale Einsatzkommunikation erfolgt seit einigen Jahren bundesweit. Das betrifft den BOS-Funk – BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Hierzu zählen neben den Feuerwehren, die Polizei, Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz in den Bereichen Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW). Sie alle haben bis zum Jahr 2021 für die Umstellung auf die neue Technik zeit.

Die Kosten dafür teilen sich der Bund und die Länder. Wie hoch diese am Ende sein werden, lasse sich zurzeit noch nicht sagen, teilt die zuständige Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben auf ihrer Internetseite mit. Und: „Der durch den Bund zu finanzierende Anteil (...) beträgt für den Zeitraum 2007 bis 2021 etwa 3,6 Milliarden Euro.“ Niedersachsen zahlt für den Netzaufbau 290 Millionen Euro. Die Betriebskosten belaufen sich landesweit auf 40 Millionen Euro jährlich. Hiervon entfallen 30 Prozent auf die Kommunen, die restlichen 70 Prozent teilen sich der Bund und das Land. Der Landkreis Rotenburg muss laut Lemmermann rund 120000 Euro Betriebskosten in seinem Haushaltsplan einstellen.

Laut einer Auskunft der niedersächsischen Landesregierung auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion vom Mai vergangenen Jahres „nutzen bereits heute mehr als 24000 Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst den Digitalfunk im Alltag“. Weiter heißt es: „Dabei stellt die Gruppe der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr bereits mehr als die Hälfte der Nutzer (rund 12500).“ Langfristig werde mit bis zu 60000 Nutzern des Digitalfunknetzes in Niedersachsen gerechnet. Der Landkreis Rotenburg gehört dabei zu den Pionieren. Die Polizei funkt übrigens schon länger digital.

Bei den Feuerwehren gibt es indes eine Einschränkung. Von der kreisweiten Umstellung ausgenommen ist der sogenannte Einsatzstellenfunk. Hier haben die Kommunen freie Hand. Hintergrund: Der Einsatzstellenfunk betrifft nur die Kommunikation der Kräfte an der Einsatzstelle. Deshalb ist den Kommunen die Umstellung auf die Digitaltechnik freigestellt. Darüber müssen sich die Verantwortlichen spätestens dann Gedanken machen, wenn es um Neu- beziehungsweise Ersatzbeschaffungen für die Wehren geht. Inzwischen nämlich sind analoge Funkgeräte in der Regel teurer als digitale.

Technisch bietet die Digitaltechnik den Einsatzkräften eine ganze Reihe von Vorteilen. So ist das Funknetz aufgebaut wie das Handynetz. Dies lässt unter anderem das Versenden von Daten zu. Und es lassen sich gezielt bestimmte Einsatzkräfte ansprechen, so etwa die Führungskräfte oder die vorgehenden Trupps. Beim analogen Funk kann und muss jeder Beteiligte alles mithören, weil es technisch nicht anders möglich ist. Zudem sei die Reichweite der digitalen Signale viel größer.

Ein weiterer Vorteil des Digitalfunks: Nichtberechtigte können nicht mehr mithören. Bei der alten, noch im Einsatz befindlichen Technik ist es mit einem sogenannten Scanner möglich, Kommandos und Lagebeurteilungen abzuhören. Obwohl es verboten ist, gibt es zahlreiche Menschen, die auf diese Weise das Einsatzgeschehen verfolgen.

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