Treffen nur noch bei Einsätzen

Feuerwehr-Kameradschaft in Corona-Zeiten: Der Spaß kommt zu kurz

Hier kann man sich die Hände waschen: Philipp Lins zeigt den Waschbereich am Löschfahrzeug. Fotos: Menker
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Hier kann man sich die Hände waschen: Philipp Lins zeigt den Waschbereich am Löschfahrzeug.

Rotenburg - Getränke können sie nicht anbieten. Allein das ist schon ungewöhnlich für Feuerwehrleute. Schließlich wissen sie nicht nur Brände, sondern eben auch den Durst zu löschen, der mitunter groß ist, wenn sie von Einsätzen zurückkommen. Doch inzwischen sind auch für sie andere Zeiten angebrochen. „Momentan ist alles anders“, sagt Philipp Lins. Er hat zusammen mit Ortsbrandmeister Matthias Harries sowie Natascha Carstensen an einem der großen runden Tische Platz genommen, an denen normalerweise durchaus gute Laune herrscht, wenn sie sich hier mit ihren Kameraden nach Übungsdiensten oder Einsätzen noch einmal zusammensetzen.

Dazu kommt es aber bereits seit mehreren Wochen nicht mehr. „Alle Übungsdienste und Veranstaltungen sind abgesagt“, erklärt Lins, der sich zusammen mit Natascha Carstensen um die Pressearbeit der Rotenburger Feuerwehr kümmert. Führungen im Feuerwehrhaus am Mittelweg, die Brandschutzerziehung in Kindergärten und Schulen, regelmäßige Treffen, Lehrgänge, Fortbildungen – es ist alles abgesagt. Bis auf Weiteres. „Wir sehen uns nur noch bei den Einsätzen“, sagt Carstensen.

Eigentlich sei hier im Feuerwehrhaus am Mittelweg alle zwei Tage was los. Jetzt herrscht die große Ruhe. „Man sieht sich nur noch, wenn’s piept.“ Matthias Harries versucht, ein wenig Humor in das Gespräch zu bringen, in dem es genau darum geht. Um den Spaß und um die Freude an der freiwilligen Arbeit bei der Feuerwehr nämlich. Spaß und Freude gibt’s nur noch auf Sparflamme. Da fehlt der Austausch, das gemeinsame Verarbeiten der Einsatz-Erlebnisse. Man geht stattdessen auf Distanz. Zumindest dort, wo es geht. „Im Einsatz ist das nicht möglich“, erklärt Harries. Allerdings setze die Führungsriege alles daran, den personellen Aufwand bei den Einsätzen besser zu steuern, besser zu dosieren. Daher teilt sich die Führung der Rotenburger Ortsfeuerwehr rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche den Posten „Brandmeister vom Dienst“ (BVD). Im Wechsel und immer für zwölf Stunden wandert dieser Job von einem Kollegen zum nächsten. Der BVD rückt bei einem Alarm von zu Hause sofort zur Einsatzstelle aus und checkt die Lage, um erfassen und melden zu können, welche Teamstärke erforderlich ist. „Wir sprechen vom Minimalprinzip“, fügt Harries hinzu. Alles auf Sparflamme – auch die Kameradschaft. „Der Spaßfaktor bleibt so natürlich auf der Strecke“, meint Lins. Es gehe nur noch um das Pflichtprogramm, dabei bedeute die Mitarbeit in der Feuerwehr den meisten der aktiven Kameraden weitaus mehr. „Wir hoffen ganz einfach, schon bald wieder zur Normalität zurückkehren zu können“, beschreibt Natascha Carstensen mit einem wenig zuversichtlichen Gesichtsausdruck das, was wohl alle Kameraden in diesen Tagen denken.

Natascha Carstensen ist Sprecherin der Feuerwehr.

„Immerhin haben wir viele Einsätze. Da fallen die gestrichenen Übungsabende nicht so sehr ins Gewicht“, versichert Harries, der im normalen Leben bei der Bundespolizei beschäftigt ist. Auch dort hangele man sich von Woche zu Woche, um die Herausforderungen, die mit der Corona-Krise verbunden sind, bewältigen zu können. „Aber alle verstehen es natürlich und sind sich darüber im klaren, dass wir uns in einer außergewöhnlichen Situation befinden“, sagt Carstensen. Man findet sich damit ab – etwas anderes bleibe ihnen auch nicht übrig. Umso mehr freuen sich alle, dass sie zumindest über WhatsApp Kontakt halten können. Innerhalb der vier Gruppen, in die die Aktiven eingeteilt sind, aber auch in einer großen Nachrichtendienst-Gruppe, in der alle mit am Ball sind. Hierüber gibt es dann auch Hinweise auf mögliche neue Vorgaben hinsichtlich von Hygienevorschriften. Distanz zu halten ist eine, sich während oder spätestens nach dem Einsatz am Waschtisch an einem der Einsatzfahrzeuge die Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren, eine andere.

Momentan ist eben alles anders. Und das gilt auch für die Einweihung des neuen Löschgruppenfahrzeugs LF 20. Das steht seit der Anlieferung im Februar im Prinzip ungenutzt in der großen Halle. „Wir können es noch nicht in Betrieb nehmen, weil wir die Kameraden daran noch nicht ausgebildet haben“, erklärt Harries. Doch das, da sind sich alle sicher, wird bald nachgeholt. Und dann gibt es sicher auch etwas zu trinken. Denn immerhin die Freude über das neue Fahrzeug ist noch groß.

250 Einsätze im Jahr

Matthias Harries ist Ortsbrandmeister und damit Chef der Rotenburger Ortsfeuerwehr. In der gibt es zurzeit 84 aktive Feuerwehrfrauen und -männer. Darüber hinaus freut sich die Feuerwehr über eine 24-köpfige Altersabteilung. Außerdem unterhält die Freiwillige Feuerwehr eine Jugendabteilung mit derzeit 32 Mitgliedern sowie eine Kinderabteilung, in der 24 Mädchen und Jungen mitmischen. Pro Jahr kommt die Rotenburger Feuerwehr auf rund 250 Einsätze. Bei einem Alarm werden sie über ein Meldesystem informiert. Mittlerweile haben die Rotenburger den Brandmeister vom Dienst eingeführt. Der jeweils Diensthabende rückt sofort zur Einsatzstelle aus und klärt die Lage ab.

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