Sicherheitskonzept an neue Bedrohungen angepasst

Ein Festival nach Manchester: „Unser Sensor ist geschärft“

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Polizei und Veranstalter werden dieses Jahr noch etwas genauer hinschauen, ob sich unter das Hurricane-Publikum potenzielle Straftäter mischen.

Rotenburg/Scheeßel - Von Michael Krüger. Das Bataclan in Paris, nun das Ariana-Grande-Konzert in Manchester, vor einem Jahr die Bombe bei einem Festival in Ansbach: Die Popkultur gerät ins Blickfeld von Terroristen. „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, heißt es überall. Und doch haben Behörden und Veranstalter ihre Sicherheitsstrategien verändert.

Das gilt natürlich auch für den seit Ende der Castor-Transporte alljährlich größten Einsatz im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg – für das Hurricane-Festival in Scheeßel.

Gewachsenes Bewusstsein für unterschiedlichste Situationen

„Die terroristische Gefahr gibt es nicht erst seit Manchester“, sagt Heiner van der Werp, Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg. Dort laufen die Fäden zusammen, wenn es Ende Juni wieder gilt, den Einsatz von rund 400 Polizisten beim und rund um das Festival am Scheeßeler Eichenring zu koordinieren. Vom Verkehrspolizisten über Reiterstaffeln bis zum Zivilbeamten: Die Polizei ist mit einem umfangreichen Großaufgebot vor Ort, steht seit nunmehr 20 Jahren in engem Kontakt zum Veranstalter FKP Scorpio in Hamburg und steht auch deutschlandweit in Kontakt zu anderen Dienststellen, die sich mit ähnlichen „Großlagen“ beschäftigen. Zwei Kollegen seien bei entsprechenden Festival-Fortbildungen jährlich dabei, so van der Werp.

Und doch hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Habe der Fokus damals noch mehr oder ausschließlich auf der üblichen Festival-Kleinkriminalität wie Taschendiebstahl und Körperverletzung gelegen, seien mittlerweile auch mögliche größere Ereignisse ins Blickfeld geraten. Van der Werp: „Was passiert zum Beispiel, wenn ein Gaskocher explodiert und die Leute anfangen, zu laufen?“ Laut dem Polizeisprecher gibt es mittlerweile „diverse Checklisten und Ablaufpläne“. Diese resultierten auf dem gewachsenen Bewusstsein für mögliche Anschläge, aber auch aus tragischen Erfahrungen wie der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg. „Unser Sensor ist geschärft“, sagt van der Werp.

Besucher können intensivere Kontrollen erwarten

Das sei allerdings schon seit zwei bis drei Jahren so, als das gesamte Sicherheitskonzept für das Hurricane-Festival überarbeitet wurde. Was das konkret bedeutet, sagt die Polizei indes nicht. „Wir lassen uns nicht in die Karten schauen“, so van der Werp. Auch werde man nach einzelnen Ereignissen wie Manchester nicht hektisch neue Maßnahmen ergreifen. Dennoch ist klar: Besucher müssen sich wohl auf stärkere Kontrollen einstellen. 

Das bestätigt auch Veranstalter FKP Scorpio in einem Statement nach dem Attentat vom Montagabend: „Über einzelne Vorkehrungen im Konzept möchten wir keine Auskunft geben, da ein Baustein auch die Geheimhaltung der getroffenen Maßnahmen darstellt, um potenziellen Gewalttätern etwaige Planungen zu erschweren. Eine der Maßnahmen, die wir nennen können, sind die Body-Checks: Im Rahmen der Sicherheitsstrukturen werden bei allen unseren Veranstaltungen Body-Checks sowie intensive Taschen- und Rucksackkontrollen an allen Einlassbereichen durchgeführt“, heißt es darin.

Drohnenverbot auch für Fotografen

Schon seit Jahren gilt zudem eine Flugverbotszone über dem Festivalgelände. Neu in den Fokus gerät dabei das Verbot von Drohnen, die Fotografen zunehmend für ihre Arbeit nutzen. Auch die sind tabu, so van der Werp. Einen ersten Fall dieser Art habe es vor zwei Jahren gegeben, dort sei der „Pilot“ aber schnell gefunden worden. Betonpoller, um einen Anschlag wie den auf den Weihnachtsmarkt in Berlin zu verhindern, werde es aber nicht geben. Insgesamt gesehen, so der Polizeisprecher, sei eine Veranstaltung „auf der grünen Wiese“ für Szenarien wie eine Massenpanik besser geeignet, da es immer Fluchtwege gebe, aber die Einlasskontrollen gestalteten sich ungleich schwerer als in einem festen Umfeld wie in Hallen oder Städten. „Es gibt immer Möglichkeiten, einfach über einen Zaun zu springen.“ Auch lasse sich natürlich auf dem Gelände leichter etwas verstecken – nicht nur die Flasche Korn, die mal auf dem Eichenring verbuddelt wurde...

Die Rotenburger Polizei setzt aber auch auf das wachsame Auge der Besucher selbst. In einer der Erfahrung nach bemerkenswert friedlichen Besucherschaft könnten potenzielle Täter schneller auffallen als anderswo, hofft van der Werp. Auch seien viele Menschen für das Thema mittlerweile sensibilisiert.

Sich das Feiern nun verbieten zu lassen, Konzerte abzusagen, davon wollen weder Polizei noch Hurricane-Organisatoren etwas hören. Im FKP-Scorpio-Statement heißt es: „Dennoch möchten und werden wir Terroristen nicht die Genugtuung geben, dass wir jetzt alle Veranstaltungen absagen und uns unsere Freiheit, unsere Freude und unsere Begeisterung für Musik nehmen lassen.“ Oder um es mit Freddie Mercury zu sagen: The Show must go on.

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